Über das schlimme Kinderessen in deutschen Restaurants „Nemo“ mit Ketchup, bitte!
Zu fett, zu süß und ungesund! Das ist das Kinderessen in Restaurants. Es ist falsch, wenn Gastronomen die Gerichte für die kleinen Gäste so stiefmütterlich behandeln
Zu fett, zu süß und ungesund! Das ist das Kinderessen in Restaurants. Es ist falsch, wenn Gastronomen die Gerichte für die kleinen Gäste so stiefmütterlich behandeln
Stuttgart - Sie heißen „Shaun, das Schaf“, „Nemo“ oder „Bambi“ – und sind alles andere als gute Vorbilder. Denn wer sie beim Familienbesuch im Restaurant bestellt, der bekommt nicht etwa das Filetstückchen vom Bio-Lamm oder den umweltschonend gefangenen Seelachs. Frittiertes, nicht unbedingt Frisches landet auf deutschen Kindertellern. „Für unsere kleinen Gäste“ wird in deutschen Restaurants nämlich vorwiegend gekocht, was schnell zubereitet ist und dem Pommes-Burger-Nuggets-Prinzip großer Fast-Food-Ketten ähnelt. Das ist das Ergebnis einer erstmals zu diesem Thema ausgearbeiteten Studie, die das zur Universität Heidelberg gehörende Mannheimer Institut für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin (MIPH) nun vorgelegt hat.
Sven Schneider, Jennifer Hilger-Kolb und Lisa Rüsing haben zufällig 500 inhabergeführte Restaurants in Deutschland ausgewählt, um deren Speisekarten zu lesen und auszuwerten. Erschreckend sind ihre Ergebnisse – zumal das Angebot vieler Restaurants rege genutzt wird, denn laut den Wissenschaft-lern gehen zwei von drei Familien mindestens einmal im Monat auswärts essen. Mehr als die Hälfte der fast 2000 Kinderteller, die die Forscher ausgewertet haben, enthalten Pommes, Kartoffelspalten, Kroketten oder sonstige frittierte Kartoffelprodukte. Gibt es auf der Kinderkarte ein Gericht mit Fisch, so handelt es sich ausschließlich um Fischstäbchen. Und beinahe jeder vierte Kinderteller erfüllt keinen einzigen der Ernährungsstandards, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) vorgibt. Nur auf jedem dritten Kinderteller in deutschen Gastwirtschaften kullern Erbsen, werden Salat oder Gemüse als Beilage serviert. Obst hingegen wird Kindern nur sehr selten angeboten. Und Spätzle mit Soße gelten schon als kulinarischer Höhepunkt. Vor dem Hintergrund, dass bereits heute 15 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen in Deutschland übergewichtig sind, sind die Ergebnisse der Studie erschreckend.
Während zu Hause also das frisch zubereitete regionale Gemüse bei geringer Hitze auf dem Herd dünstet und das saisonale, regionale Obst vom Wochenmarkt als Nachspeise bereitliegt, gelten für Kinderernährung im Restaurant offensichtlich andere Maßstäbe. Aber warum eigentlich? Wer Essen für Kinder zubereitet, der weiß: Es ist kein Hexenwerk. Und je größer das Repertoire ist, desto größer ist auch die Trefferquote, dass etwas für den kindlichen Geschmack dabei ist. Gemüse-Couscous oder selbst geriebene Kartoffelpuffer sind nicht aufwendiger zuzubereiten als frittiertes Fast Food. Das größte Argument der Restaurants scheint laut der Studie ein ökonomisches zu sein: Tiefkühlkost lässt sich lange lagern, ist einfach zu frittieren und erfüllt dementsprechend viele Hygienestandards. Dabei ist das viel zu kurz gedacht: So sind es doch oftmals die Kinder, die sich den Besuch in einem bestimmten Restaurant wünschen. Weil sie Appetit auf etwas Besonderes haben. Sie sind die Gäste von morgen und können durchaus einen gesunden Querschnitt auf der Kinderkarte erwarten.
Was also tun gegen die ungesunden und eintönigen Kinderteller? Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) hat auf die Studie reagiert. Seit Anfang Oktober ruft sie gemeinsam mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zum Wettbewerb „Ausgezeichnet! Deutschlands beste Kinderspeisekarten“ auf – gegen Pizza, Pommes und Schnitzel und für mehr Vielfalt auf dem Teller. „Ausgewogen, gesundheitsförderlich und vielfältig“ sollte das Angebot sein, heißt es aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Räuberteller, auf denen Kinder jedes Erwachsenengericht mitessen können, seien eine gute Alternative. Zudem sollte auf Fertigprodukte verzichtet werden und auch die Speisekarte kinderfreundlich mit Fotos gestaltet werden.