Schon 2010 wurden an der Brücke Mängel festgestellt. Dann ging es darum, ob man die korrodierte Brücke saniert oder gleich neu baut. Schließlich entschied man sich 2021 für den Neubau, auch weil das Regierungspräsidium Stuttgart eine Sanierung als nicht förderwürdig betrachtete. Die Abrissarbeiten für das insgesamt rund 42 Millionen Euro teure Projekt haben bereits im März mit der Baustelleneinrichtung begonnen.
OB spricht von Meilenstein
Zum Start der Abbrucharbeiten hatte die Stadtverwaltung eigens einen Vor-Ort-Termin für Presse und Stadträte am Montagvormittag organisiert. Oberbürgermeister Nico Lauxmann bezeichnete den Abrissstart als Meilenstein. „Die Brücke ist nicht nur eine physische Verbindung zwischen zwei Punkten, sondern auch ein Symbol für Fortschritt, Zusammenhalt und Entwicklung“, sagte der Schultes und hob damit auch auf die durch den Neubau verbesserte Mobilität in der Stadt ab.
Für den Ersten Bürgermeister Daniel Güthler steht die Komplexität des Projekts bei laufendem Bahnbetrieb im Vordergrund. „Das ist für die Verwaltung ein sehr herausforderndes Projekt“, sagte er und verwies auf Dirk Maisenhölder, den Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen. Maisenhölder sagte: „Das ist ein Jahrhundertprojekt, und so schnell brauche ich kein weiteres.“
Vor allem die Abstimmung mit der Bahn und den diversen Ansprechpartnern dort sei eine Herausforderung. Weil Abriss und Neubau jeweils während des Bahnbetriebs stattfinden, musste Maisenhölder schon für Jahre im Voraus festlegen, wann welche Arbeiten gemacht werden und mit dem Konzern abklären, dass in fraglichen Zeiträumen keine Bahn fährt.
Größter Kran kommt zum Einsatz
Wie komplex das Projekt ist, zeigte sich dann auch gleich beim Abriss des ersten Teilstücks. Dieser konnte nämlich nicht wie geplant am Vormittag vonstatten gehen. Unter anderem die Zug-Oberleitungen erschwerten die Arbeiten. Schon das Platzieren des Hubwagens, von dem aus die Ketten und Seile an der Brücke befestigt wurden, sah wie der Teil einer spektakulären Außenwette bei „Wetten, dass...?“ aus. Nur sehr langsam ließ ein Riesenkran das Gefährt an die Gleise herab, während unten mehrere Männer damit beschäftigt waren, das Vehikel an den Stromleitungen vorbeizuführen.
Am späteren Nachmittag gelang der Aushub des Stücks dann doch noch. Das war auch für den weiteren Fortgang der Baustelle notwendig, denn laut Zeitplan war der Bahnbetrieb nur für 24 Stunden zu unterbrechen. Um die 39,2 Meter Stahl anzuheben, musste der größte transportable Kran Deutschlands in Kornwestheim aufgebaut werden. Seit zwei Wochen steht der Liebherr LR 11000 einer Schweizer Spezialfirma auf einem Platz schräg hinter der Flüchtlingsunterkunft in der Villeneuvestraße.
Ein Teil wird erhalten
Der Aufbau des 124 Meter hohen Krans, der 450 Tonnen heben kann, hat eine Woche gedauert, wie Projektleiter Gregor Pantelic vom Bauunternehmen Leonhard Weiss berichtete. Eigens für den Kran mussten Bodenplatten und Stützen in den Boden eingelassen werden. Für den Laien sieht es sehr eng aus, wenn der Kran sich dreht und der Flüchtlingsunterkunft, die derzeit renoviert wird, dabei nahe kommt. „Das ist alles per CAD simuliert worden“, erklärte Pantelic. Alles sei genau berechnet, es gebe genug Platz für den Kran. Ist seine Arbeit getan, wird der Kran wieder abgebaut. Das dauert dann genauso lange wie das Aufbauen.
Das fast 40 Meter lange Brückenteilstück wurde zunächst direkt neben den Kran abgelegt. Dort soll es dann in Einzelteile zerlegt und entsorgt werden. Nicht restlos allerdings: „Stadtrat Robert Müller hatte die Idee, einen Teil der Brücke zu behalten“, sagte OB Lauxmann. Künftig soll dies an einem öffentlichen Platz ausgestellt werden und an die erste Große Pflugfelder Brücke erinnern. Genaueres soll der Gemeinderat erörtern.
Neue Brücke wird kürzer
Mitte Mai soll ein weiteres, 87 Meter langes Stück der Brücke abgebrochen werden. Die restlichen 64 Meter kommen dann voraussichtlich im Oktober weg. Das ist aber noch abhängig von den Sperrpausen bei der Bahn und dem Baufortschritt. Insgesamt ist eine Bauzeit bis 2027 geplant. Die neue Betonbrücke wird in den Jahren 2025 und 2026 errichtet. Sie soll 20 Meter kürzer, die Verkehrsfläche aber drei Meter breiter werden als bislang. Die elf statt acht Meter Breite sollen für alle Verkehrsteilnehmer Verbesserungen bringen. Das neue Brückenwerk soll in jede Richtung einen Fahrradstreifen haben, einen breiten Fußgängerweg und zwei Aussichtsplattformen.
Die Brücke besteht dann aus zwei Ästen. Ein Teil des Bauwerks führt von der Westrandstraße 92 Meter bis zu einem 38 Meter langen Mittelstück. Dieses wird aus aufgeschütteter Erde bestehen. Von diesem Mittelteil geht es dann noch einmal 38 Meter zur Villeneuvestraße.
Für den Verkehr in Kornwestheim bedeutet das Projekt in den nächsten Jahren zunächst einmal eine Belastung. Die Durchlässe Domertal- und Holzgrundstraße müssen die geschätzt täglich 3000 Autos, die sonst über die Brücke fahren, aufnehmen. Auch für den überregionalen Radverkehr ist eine Umleitung eingerichtet. Für die Kleingärtner, die ihre Anlage zwischen den Gleisen haben, ist die Baustelle eine große Einschränkung. Statt über einen Steg von der Brücke erreichen sie ihre Gärten nun über einen Umweg vom Domertaldurchlass aus.