Überall werden Statuen gestürzt – Kommunisten errichten eine neue Das „Götzenbild“ von Gelsenkirchen

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Kommunisten inszenieren einen Akt wider den Zeitgeist: Sie enthüllen in Gelsenkirchen eine Statue, die sonst keiner mehr will – setzen damit einem Putschisten und Demagogen ein Denkmal: dem Sowjetführer Lenin. Das Standbild der Sorte, die vor 30 Jahren überall gestürzt wurden, stammt von der Müllhalde der Geschichte.

Der Sowjetführer Lenin: in Moskau in der Gruft, in Gelsenkirchen jetzt auf einem Sockel. Foto: Arcady - stock.adobe.com
Der Sowjetführer Lenin: in Moskau in der Gruft, in Gelsenkirchen jetzt auf einem Sockel. Foto: Arcady - stock.adobe.com

Stuttgart - D

en Sozialismus in seinem Lauf halten weder demokratische Beschlüsse noch Corona auf. Das lässt sich am heutigen Samstag in der proletarischen Metropole Gelsenkirchen miterleben. Dort hat das Zentralkomitee der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) seinen Sitz. Vor diesem wird nun die erste Lenin-Statue auf westdeutschem Boden enthüllt.

Wegen der Pandemie musste das Zeremoniell verschoben werden. Er war ursprünglich auf den 150. Geburtstag des Sowjetführers am 22. April terminiert. Von einem einstimmigen Votum der zuständigen Bezirksvertretung gegen das „Götzenbild“ ließen sich die Kommunisten getreu der eigenen Tradition nicht irritieren (wie auch nicht von 0,1 Prozent der Zweitstimmen bei der Bundestagswahl 2017 und vielen vergleichbaren Ergebnissen zuvor). Sie feiern den Demagogen und Putschisten, der den Bolschewiki 1917 in Russland an die Macht verholfen hat, als „Staatsmann neuen Typs“. Louis Fischer, ein ehemaliger Kampfgenosse, nennt ihn hingegen einen „großen Hasser und großen Täter“. Thomas Mann, der Lenins Triumphe miterlebt hat, bezeichnet ihn als „Papst der Idee, voll vernichtenden Gotteseifers“.

Plansoll zu 115 Prozent erfüllt

Der unzeitgemäße Akt – wo es doch abseits von Gelsenkirchen gerade modern geworden ist, Statuen zu verhüllen, zu besudeln oder gar zu stürzen – wurde durch 100 Spenden ermöglicht. Damit sei das 10 000 Euro teure Monument zu 115 Prozent finanziert, was an die Erfolge der Planwirtschaft aus der Ära des zeitweise real existierenden Sozialismus erinnert.

Kleinspenden dieser Art hätte die Partei eigentlich gar nicht nötig. Sie verbucht regelmäßig stattliche Geldgeschenke in der Kategorie, die laut Parteienfinanzierungsgesetz unmittelbar veröffentlicht werden müssen. Im laufenden Jahr sind es mehr als SPD, Grüne und FDP kassieren durften, 2019 steht ebenfalls ein sechsstelliger Betrag in der Bilanz.

Wie Lenin selbst und dessen Ideologie ist auch die Statue musealen Charakters. Sie stammt aus den 1930er Jahren und damit aus einer Zeit, als der Sozialismus in seiner russischen Heimat noch nicht abgewirtschaftet hatte – eine Art Recycling von der Müllhalde der Geschichte.




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