Raub auf Spielplatz in Stuttgart Online-Bekannten in Hinterhalt gelockt?

Diese Treppen soll das Opfer hinunter gestoßen worden sein. Foto: Sebastian Steegmüller

Ein Trio soll im Februar 2024 einen 62-Jährigen in einer Grünanlage in Stuttgart-Mitte ausgeraubt haben. Laut Anklage wurde das Opfer mit Schlägen und Tritten malträtiert.

Wegen besonders schweren Raubs in Tateinheit mit Körperverletzung müssen sich derzeit eine 31 Jahre alte Frau und ein 32-Jähriger vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, am Abend des 9. Februar 2024 gemeinsam mit einem weiteren Mann einen zur Tatzeit 62 Jahre alten Mann auf einen Spielplatz an der Urbanstraße gelockt und überfallen zu haben. Die Frau soll das Opfer über Facebook kontaktiert und zuvor zweimal getroffen haben.

 

Mehrfach Pfefferspray in die Augen gesprüht

Laut Anklage soll die 31-Jährige das ahnungslose Opfer an besagtem Freitag gegen 22.40 Uhr in der Grünanlage von hinten umklammert und dann „Jetzt!“ geschrien haben. Daraufhin seien die beiden Komplizen auf den 62-Jährigen zugegangen, so die Staatsanwältin. Obwohl ihm einer der Angreifer Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben soll, habe der Mann sich gewehrt. „Kurz darauf wurde er von den Tätern eine Treppe hinunter gestoßen, woraufhin diese auf den am Boden liegenden Geschädigten eintraten und ihn am Körper und am Kopf trafen“, heißt es in der Anklage weiter. Einer der Männer soll ihn fixiert, der andere soll ihm wieder Pfefferspray in die Augen gesprüht haben. Der 62-Jährige habe eine Platzwunde erlitten, außerdem ein Hämatom unter dem rechten Auge und eine Augenreizung. „Dann riss die Angeklagte den Geldbeutel sowie sein Mobiltelefon aus dessen Jackentasche“, sagte die Staatsanwältin. Das Trio soll dann mit knapp 4000 Euro Beute geflüchtet sein.

An der Tischtennisplatte soll die Angeklagte das Opfer umklammert haben. Foto: Sebastian Steegmüller/ 

Während sich die gelernte Verkäuferin, die zuletzt im Main-Taunus-Kreis in der Gastronomie gearbeitet hat, beim Prozessauftakt noch nicht zu den Vorwürfen, sondern nur zur Person äußerte, widersprach der Mitangeklagte den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus machte der gelernte Maurer, der auf Baustellen im Raum Frankfurt und in der Region Stuttgart gearbeitet hat, Angaben zum unbekannten Mittäter: Es handele sich um einen Ex-Freund der Beschuldigten, der vom Angeklagten 1000 Euro für seinen körperlichen Einsatz erhalten habe. Man habe den Mann, der in Stuttgart lebt, nicht ausgeraubt, sondern ihm „nur“ eine Abreibung verpassen wollen. Grund seien wiederholte Beleidigungen gewesen. Der Mann soll sich unter anderem darüber lustig gemacht haben, dass der Sohn des Angeklagten christlich getauft sei, obwohl er selbst muslimischen Glaubens sei. Darüber hinaus soll das Opfer, mit dem er offenbar auch beruflich zu tun hatte, schlecht über Kollegen gesprochen und ihnen Betrug bei Arbeitszeiten unterstellt haben.

Vom Raub-Vorwurf bei Festnahme erfahren

Der Mitangeklagten habe er das Facebook-Profil des Opfers gezeigt, weil sie auf der Suche nach Männern mit Geld gewesen sei. Vom Raub habe er erst bei seiner Festnahme im vergangenen November erfahren. „Vieles am von der Staatsanwaltschaft geschilderten Tatablauf ist unlogisch, der Angriff hat maximal fünf Minuten gedauert und Pfefferspray wurde auch nicht eingesetzt“, sagte derr 32-Jährige. Das Opfer sei bei der Flucht die Treppen hinunter gefallen und habe sich dabei verletzt. „Dann ist er aber aufgestanden und weggerannt, sonst hätte ich einen Rettungswagen gerufen.“ Er selbst habe nicht zugeschlagen oder getreten. Dass das Opfer erst drei Stunden später die Polizei alarmiert habe, zeige auch, dass die Geschichte so nicht stimmen könne.

„Ich bin nach Hause gegangen und habe mir mehrfach die Augen ausgewaschen“, sagte der Geschädigte am zweiten Verhandlungstag im Zeugenstand. Erst später habe der heute 63-Jährige das Blut am Kopf bemerkt und über eine Nachbarin den Notruf wählen lassen. Die Angeklagte habe er rund zwei Monate vor der Tat kennengelernt. „Sie hat mich über Facebook kontaktiert, ich wusste aber nicht, dass ihr jemand einen Tipp gegeben hat.“ Im polizeilichen Verhör hatte er zu Protokoll gegeben, dass er sich etwas Romantisches erhofft habe von der Online-Bekanntschaft. Auch intime Aufnahmen soll er mit der Angeklagten ausgetauscht haben. Mehr sei nicht passiert.

Bargeld für Autokauf benötigt

Forderungen habe sie nie gestellt. „Ab und an habe ich ihr mal 20 Euro fürs Taxi gegeben, aber das war es auch.“ Umso überraschter sei er von dem Raub gewesen. Er habe so viel Geld bei sich gehabt, weil er an dem Wochenende ein gebrauchtes Auto kaufen wollte. „Es waren sogar knapp 5000 Euro, die mir das Trio abgeknöpft hat.“ Die Angeklagte sei bei dem Überfall die Schlimmste gewesen. „Sie hat die Männer angestachelt, weiterzumachen. Es ging alles sehr schnell.“ Im Gerichtssaal bestätigte der 63-Jährige, dass er den Angeklagten kennt – sowohl beruflich als auch privat. „In der Nacht habe ich aber weder ihn noch den zweiten Angreifer erkannt.“ Von einem Disput mit dem 32-Jährigen wusste er offenbar ebenfalls nichts. „Wir hatten zuvor keine Probleme miteinander.“

Fortgesetzt wird der Prozess voraussichtlich am Freitag, 4. April.

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