Überfall in Sindelfingen Skurriler Fall vor Gericht: Mitarbeiter nimmt Täter Waffe ab

Er sei kein schlechter Mensch, sagte der 29 Jahre alte Mann, der mit einer Softair-Waffe ein Geldtransferbüro ausrauben wollte. Foto: Stefanie Schlecht

Zwei Jahre auf Bewährung bekam 29 Jahre alter Mann, der ein Geldtransferbüro in Sindelfingen überfallen hat. Der Fall hat einige merkwürdige Wendungen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Was damals in Sindelfingen geschah, hätte die Voraussetzung für ein ganz schweres Verbrechen gehabt. Ein Mann betritt am 16. Dezember 2024 ein Geldtransferbüro, zieht eine großkalibrige Pistole und herrscht den Mann an der Kasse an: „Gib sofort Geld!“ Zu diesem Zeitpunkt sind 25 000 Euro in der Kasse.

 

Der Räuber machte jedoch keine fette Beute, sondern einen Abgang. Der Bankmitarbeiter stand nämlich auf, versuchte, dem Mann die Pistole zu entreißen, worauf dieser beinahe in Panik flüchtete, beim Sindelfinger Glaspalast die Pistole wegwarf und sich wenig später nach Spanien absetzte. Was am Mittwoch vor dem Böblinger Amtsgericht verhandelt wurde, zeigte sich als weitgehend unprofessionelle Tat, bei der viel im Dunkeln blieb.

Er habe Geld für Heimfahrt gebraucht

Der Täter ist 29 Jahre alt, und bis auf die zwei Sätze, die man braucht, um eine Bank zu überfallen, spricht er kein Deutsch. Der gelernte Solartechniker sei nach Deutschland gekommen, um dort im Baugewerbe zu arbeiten. Schließlich habe sein Arbeitgeber keinen Lohn mehr gezahlt, und er habe kein Geld gehabt, um wieder nach Hause in seine Heimat Spanien zu kommen.

„Irgendwelche Leute“, sagte er, hätten ihm den Tipp mit der Filiale gegeben, sagte er, und „irgendwelche Leute“ hätten ihm eine Softair-Pistole besorgt, die einem schweren Colt täuschend ähnlich sieht.

Softair-Waffen sehen echten Pistolen täuschend ähnlich. Foto: picture-alliance/ dpa

Es war auch keine richtige Bankfiliale, sondern eine Örtlichkeit, die man sich wohl mehr wie ein Internetcafé vorstellen muss, und vor allem von Einwohnern des Kosovo benutzt wird, um Bargeld in die Heimat zu transferieren. Das Geld lag mehr oder weniger ungesichert in einer Schublade und nicht in einem Tresor. „Das ist Irrsinn“, kommentierte der Vorsitzende Richter diesen Umstand, und auch der ermittelnde Polizist sagte, „ich war auch total entsetzt“, worauf die Polizei noch Kollegen vorbeischickte mit Tipps zu mehr Sicherheit.

Täter war in Spanien polizeibekannt

„Ich habe große Angst gehabt“, sagte der Bank-Mitarbeiter, als der Täter versuchte, die Softair-Waffe dem Mann zu entreißen, die aus kurzer Distanz durchaus für schmerzhafte Verletzungen gut ist.

Ermittelt wurde der Täter schließlich durch DNA-Spuren vom Tatort, und weil er polizeibekannt war, da er in Spanien schon einmal wegen Drogen mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. In Spanien wurde er auch verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Acht Monate saß er in Stammheim. Er bereue die Tat, sagte der Mann, er sei kein schlechter Mensch, nur die Umstände hätten ihn gezwungen.

Während der Staatsanwalt die Mindeststrafe von drei Jahren beantragte, plädierte der Verteidiger auf eine Strafe von zwei Jahren, die zur Bewährung auszusetzen sei. Dem folgten dann auch die Richter. Zusätzlich zu der Bewährungsstrafe muss der Mann jedoch auch die Kosten des Verfahrens übernehmen und 300 Euro an eine Jugendeinrichtung bezahlen.

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