Überfall in Stuttgart-Möhringen Plötzlich steht die Schneiderin vor einem Scherbenhaufen

Von Caroline Holowiecki 

Ein Unbekannter hat die Inhaberin einer Schneiderei in Stuttgart-Möhringen bedrängt und dann die Tür zum Atelier eingeschlagen. Die Polizei sucht Zeugen.

Ein Unbekannter hat die Tür zu Gönül Kocs Schneideratelier zertrümmert. Foto: Holowiecki
Ein Unbekannter hat die Tür zu Gönül Kocs Schneideratelier zertrümmert. Foto: Holowiecki

Möhringen - Eigentlich hat Gönül Koc Urlaub. Doch nun ist sie am Montagabend trotzdem in ihrem Laden und steht im wahrsten Sinne des Wortes vor einem Scherbenhaufen. Die Tür zu ihrer Änderungsschneiderei in Möhringen ist eingeschlagen. Massenhaft Glas bedeckt den dunklen Holzboden. Gönül Koc schaut fassungslos auf die Sauerei. „Es war wie im Film“, sagt sie.

Am Montag gegen 13 Uhr ist es passiert. Trotz ihres Urlaubs ist die 55-Jährige in ihr Atelier gekommen, weil sie ein Paket erwartet hat. Plötzlich stand ein Mann vor der Tür und hielt einen Umschlag in der Hand. „Ich dachte, es ist DHL, deswegen habe ich die Tür aufgemacht“, erzählt sie. Der Mann begann auf Englisch auf die Frau einzureden, doch die gebürtige Türkin spricht die Sprache nicht. „Er ist nähergekommen, also habe ich auf meinen Urlaubszettel am Fenster gezeigt. Dann wurde er aggressiv“, erzählt Gönül Koc. Als der Mann zu fluchen begann, einen Schritt auf sie zuging und Anstalten machte, das Atelier zu betreten, schloss sie rasch die Tür. „Ich stand noch dahinter, dann kam der Fuß durch die Tür“. Der Unbekannte schlug mit einem gezielten Tritt ein großes Loch in die Glastür, dann rannte er in Richtung Vaihinger Straße davon. Mehrere Zeugen verfolgten die Szene, sahen, wie die Schneiderin dem Mann – etwa 20 bis 25 Jahre alt und 1,80 Meter groß, dunkelhäutig, Haare an den Seiten etwas kürzer, dunkelblaue Jacke mit weißen Streifen an den Ärmeln, Turnschuhe – hinterherrannte, „ich habe so laut geschrien, mein Hals hat wehgetan“. Einem Nachbarn gelang es noch, den Täter von hinten zu fotografieren. Doch der flüchtete unerkannt.

Offenbar ist es dabei zu einem Gerangel gekommen

Noch Stunden später ist Gönül Koc aufgewühlt. „Keine Ahnung, wer den Schaden übernimmt“, sagt sie und blickt aufs Scherbenmeer. „Für nichts und wieder nichts“, sagt sie kopfschüttelnd, sie wisse ja nicht mal, was der Mann gewollt habe. Die Polizei hat vor Ort alles dokumentiert, doch Streifenpolizisten konnten den Randalierer direkt nach der Attacke nicht schnappen. Die Polizei sucht bis dato Zeugen, insbesondere einen Mann, der noch versucht haben soll, den Flüchtenden zu stoppen. Offenbar ist es dabei zu einem Gerangel gekommen. Melden kann man sich unter Telefon 0711/89 90-34 00 beim Polizeirevier an der Balinger Straße.

Gönül Koc hat beschlossen, trotzdem ein paar Tage Urlaub zu machen. „Ich habe so hart gearbeitet“, sagt sie, da wolle sie sich die Ferien nicht nehmen lassen. Die demolierte Tür kann sie mit einem festen Rollladen schützen, außerdem habe der Vermieter bereits den Glaser bestellt. Gönül Koc ist froh, dass ihr selbst nichts passiert ist. Das mulmige Gefühl, das bleibt aber, bekennt sie. Sie spricht von einem Schock. „Es ist nicht nur die Scheibe, sondern wie es passiert ist. Am helllichten Tag.“

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