Überflieger der Basketball-Bundesliga John Patrick über das Erfolgsgeheimnis der MHP Riesen Ludwigsburg

Surft mit seinem Team auf der Welle des Erfolgs: Ludwigsburgs Trainer John Patrick. Foto: Baumann

Nur eine Niederlage in 16 Spielen, 30:2 Punkte, Platz eins in der Basketball-Bundesliga: Die MHP Riesen Ludwigsburg sorgen für Furore. Trainer John Patrick nennt die Erfolgsfaktoren.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Ludwigsburg - 13 Spiele hintereinander haben die MHP Riesen Ludwigsburg in der Basketball-Bundesliga gewonnen. Zufall ist diese beeindruckende Serie schon lange nicht mehr. Die alles entscheidende Rolle spielt dabei Trainer John Patrick. Vor dem letzten Vorrundenspiel an diesem Mittwoch (19 Uhr) gegen die Löwen Braunschweig nennt der 52-jährige Erfolgscoach die Hauptgründe.

 

Einstellung „Die Arbeitsmoral meiner Mannschaft ist fantastisch. Dass meine Spieler in jedem Training alles geben und sehr hart auch gegen sich selbst sind – das ist die Basis dafür, dass sie dann auch meinen Matchplan umsetzen. Diese Mentalitätskriterien sind für mich entscheidend bei der Verpflichtung von Neuzugängen. Da wir weitaus weniger Geld zur Verfügung haben als Bayern, Berlin, Ulm oder Oldenburg, schränkt das unsere Zielgruppe ein. Meine Erfahrung und mein Netzwerk sind da hilfreich, doch das haben andere Trainer auch.“

Spielweise „Natürlich leben wir von unserem kraftvollen und aggressiven Tempobasketball. Meine Spieler sind klein, aber flink auf den Beinen. Sie bringen sehr viel Intensität und Energie aufs Feld. Wir sind immer nah dran am Gegner, stehen ihm auch mal auf den Füßen, das ist unangenehm. Wir versuchen, die Stärken des Gegners zu zerstören. Dabei spielen wir ein Pressing über das gesamte Spielfeld. Im Fußball beherrschten dies der FC Liverpool oder Borussia Dortmund in ihren Glanzzeiten perfekt. Für den Gegner sind wir nicht leicht zu entschlüsseln, da wir zwar eine Grundphilosophie haben, aber unser Konzept, unsere Taktik immer wieder modifizieren.“

Teammischung „Für mich spielen die Veteran Leaders, die erfahrenen Führungsspieler, eine ganz entscheidende Rolle. Oldenburg hat einen Rickey Paulding, Alba Berlin Luke Sikma oder Peyton Siva – und ich bin froh, den 34-jährigen Andrew Warren und Tremmel Darden mit seinen fast 40 Jahren im Kader zu haben. Diese Routiniers sorgen mit ihrer riesigen Erfahrung dafür, dass es in der Kabine keine Probleme gibt, sie machen den Job eines Trainers einfacher. Ich habe zudem in Jordan Hulls einen in Deutschland sehr erfahrenen Spielmacher und in dem überragenden Jaleen Smith einen der besten Spieler der Liga im Kader. Seine Entwicklung ist phänomenal. Jaleen hat sich von einem unbekannten, soliden Zweitligaspieler in Heidelberg zu einem Most Valuable Player hochgearbeitet. Den guten Mix in unserem Team machen auch die Youngsters aus. Meine Söhne Jacob (17) und Johannes (19) und vor allem Lukas Herzog (19) haben sich gut entwickelt.“

Ligafokus „Dass wir so gut dastehen, liegt auch an der weisen Entscheidung unseres Managements, auf die Auftritte auf der internationalen Bühne zu verzichten. Es ist ein Wahnsinn, was der FC Bayern München und Alba Berlin in der Euroleague für Strapazen zu bewältigen haben, daran ändern auch Charterflüge zu den Auswärtsspielen wenig. Das belegen die langen Verletztenlisten, muskuläre Probleme sind bei diesen Topclubs leider an der Tagesordnung. Diese enorme Belastung wird sich aber mit dem Beginn der Play-offs relativieren. Zumindest Alba dürfte dann nicht mehr europäisch spielen.“

Trainerteam „Im Basketball kommt es vor jeder Saison zu einem starken Umbruch bei den Spielern. Umso wichtiger ist die Kontinuität im Team hinter dem Team. Das geht bei unserem Vorsitzenden Alexander Reil los, der seit Jahren für Klarheit und Verlässlichkeit steht. Gemeinsam mit meinen Assistenten Josh King und David McCray, Videochef Tetsuro Miyazaki und Teammanager Yannick Rohatsch sind wir ein eingespieltes Team. Wir verstehen uns blind, können uns aufeinander verlassen und haben viel Spaß zusammen.“

Selbstvertrauen „Wir surfen auf einer Welle des Erfolgs, und mit jedem Sieg wird die Brust breiter, andererseits sind die Zeiten längst vorbei, als uns vielleicht mal ein Gegner auf die leichte Schulter genommen hat. Fest steht, dass wir noch gar nichts erreicht haben. Ich habe vor der Saison gesagt: In dieser stark von der Pandemie beeinflussten Saison kann jeder deutscher Meister werden. Dabei bleibe ich, aber es ergibt überhaupt keinen Sinn für uns, über das nächste Spiel hinauszublicken. Am Ende hängt vieles davon ab, wer die gesündeste Mannschaft besitzt und ob gute Nachverpflichtungen gelingen.“

Coach „Ich rede nicht gerne über mich und nehme mich nicht zu wichtig. Deshalb konzentriere ich mich, gerade in dieser anstrengenden Woche mit vier Spielen, komplett auf meine Mannschaft. In naher Zukunft werden wir dann über meine Vertragsverlängerung sprechen. Dass meine Familie und ich uns hier wohlfühlen, ist ja seit Längerem bekannt. Und wenn man gewinnt, macht das die ganze Sache noch cooler.“

Modus „Vielleicht wären unsere Chancen besser, wenn es wie im Fußball nach 34 Spieltagen einen Meister geben würde. Doch ich halte solch einen Modus für total blöd, weil es doch mega langweilig ist, wenn schon sechs Wochen vor Saisonende der Champion feststeht. Zum Basketball gehören Play-offs. Und da werden die Karten neu gemischt. Wenn du nach der regulären Saison Erster bist, spielst du in einem entscheidenden fünften Spiel zu Hause, okay. Das muss aber gar kein Vorteil sein. Im Gegenteil: Jeder sieht den Ersten als Favorit. Zudem ist der Druck daheim – gerade ohne Zuschauer – größer, besonders im ersten Spiel.“

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