Übergang auf Stuttgarter Gymnasien Was bedeutet die Rückkehr zu G9 für die neuen Fünftklässler?

Viele neue Fünftklässler starten im G8-Zug und landen dann in der sechsten Klasse im wieder eingeführten G9-Zug. Eine Elterninitiative macht sich dafür stark. Foto: dpa/Marijan Murat

Fast genauso viele Schülerinnen und Schüler wie im Vorjahr wurden in Stuttgart fürs Gymnasium angemeldet. Sie starten im Herbst zuallermeist noch in einem G8-Zug. Wie geht es für sie weiter, wenn das Land im Schuljahr 2025/2026 auf G9 umstellt?

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Der anstehende Wechsel vom bisherigen G8 auf ein neues neunjähriges Gymnasium hat sich noch nicht oder allenfalls sehr geringfügig auf die diesjährigen Anmeldezahlen ausgewirkt. An den 25 allgemeinbildenden staatlichen Stuttgarter Gymnasien wurden insgesamt 2289 Schüler angemeldet, das sind fast exakt genauso viele wie im Vorjahr (2290), erklärt Manfred Birk, der Geschäftsführende Schulleiter der Stuttgarter Gymnasien und Rektor des Dillmann-Gymnasiums.

 

Eine leichte Verschiebung gibt es bei den Neuanmeldungen für die G9-Züge, die um 62 auf insgesamt 347 Schüler zugelegt haben. In den Vorjahren waren diese Zahlen stabil. Von den drei Stuttgarter Gymnasien, die bisher G9 anbieten, tun dies das Wilhelms-Gymnasium in Degerloch und das Zeppelin-Gymnasium im Osten ausschließlich, nur am Neuen Gymnasium Leibnitz in Feuerbach laufen G8 und G9 noch parallel.

Aus den 2289 Neuanmeldungen sind aber dann 2268 geworden. Die Familien der 21 Schülerinnen und Schüler, die ihre Anmeldung zurückzogen, haben vermutlich eine Schule in einer anderen Gemeinde, eine Privatschule oder eine andere Schulart gewählt, weil sie keinen Platz an ihrem Wunschgymnasium bekommen haben und eines der anderen Gymnasien der Stadt hätten besuchen müssen.

Auch in diesem Jahr waren die Gymnasien in der Innenstadt wieder etwas überbucht, jedoch um 34 Schüler weniger als im Vorjahr. „Es waren aber immer noch zu viele“, sagt Manfred Birk. Deshalb mussten 17 Neuanmeldungen an andere Gymnasien verwiesen werden. Dieser Rückgang liege vermutlich daran, dass Eltern darauf reagiert haben, weil vor einem Jahr „so viele abgewiesen wurden“, schätzt der Schulleiter des im Westen gelegenen Dillmann-Gymnasiums. In den Außenbezirken der Stadt war das Platzangebot jedenfalls wieder größer.

Leicht abgenommen haben die Anmeldezahlen für bilinguale Züge (minus 17), die mit 478 Schülerinnen und Schülern trotzdem weiterhin sehr gefragt sind und auf einem „hohen Niveau“ liegen. Im Vorjahr lag das Plus bei 100 Neuanmeldungen, wobei es sich zu allermeist um englisch-bilinguale Angebote handelt. „Der Trend ist weiter da“, sagt Manfred Birk. Leicht zugenommen haben die Anmeldungen für einen Start mit den beiden Fremdsprachen Englisch und Latein in der fünften Klasse mit einem Plus von 16 Kindern auf insgesamt 97. Die Hochbegabtenzüge am Karlsgymnasium und am Königin-Katharina-Stift sind stabil geblieben (58 Anmeldungen, minus vier).

Die Frage ist nun, wie es für die Schüler weitergeht, die für G8 angemeldet wurden und im September in Klasse fünf starten. Wenn sie im nächsten Schuljahr 2025/2026 in Klasse sechs versetzt werden, werden sie „trotzdem in G9 neu landen“, so Birk. Die Eltern müssten sich dann explizit für einen G8-Zug entscheiden. Zum Zeitpunkt der Anmeldung Anfang März wussten sie nicht, was auf sie zukommt. Reine G8-Gymnasien soll es nach dem Willen von Land und Stadt bald nicht mehr geben, den Schulen ist es aber freigestellt, weiter G8-Züge anzubieten.

„Der Markt wird das entscheiden“, sagt Manfred Birk. Was einfacher klingt, als es ist. Solange die Gymnasien selbst nicht wissen, wie die Stundentafel künftig für G9 neu und für G8 aussieht und wie die Lehrplaninhalte auf die Jahre verteilt sein werden, können sie nicht planen. „So wenig haben wir noch nie gewusst“, stellt der Schulleiter fest. Wird das künftige G9 dem heutigen sehr ähneln, das lediglich ein gedehntes G8 ist? Oder wird G9 künftig deutlich mehr Inhalte haben? Immerhin der Umstieg der baldigen Fünftklässler dann auf G9 in der Sechsten wäre unproblematisch, da die G8-Fünfer in der Regel etwas mehr Stunden haben als die G9-Fünfer. Die Frage sei allerdings, so Manfred Birk, falls das neue G9 ein „Vormittagsgymnasium“ sein wird: „Was machen die Unterstufenkinder dann eigentlich nachmittags?“

Irgendwann müssen sich die Schulen entscheiden, mit welcher Konstellation von Zügen sie weitermachen wollen. Dann wird sich zeigen, wie die Anmeldezahlen ausfallen. Aber was passiert, wenn in den G8-Zug nur zwölf Schüler wollen? Entscheidet dann das Regierungspräsidium, ob diese kleine Klasse zugelassen wird oder ob die Schüler an einen G8-Zug eines anderen Gymnasiums wechseln müssen?

Vieles werde auch davon abhängen, wie die neue, wieder verbindliche Grundschulempfehlung ausgestaltet sein wird, sagt Schulleiter Birk. Diese soll laut Landesregierung künftig aus drei Faktoren gebildet werden: der Empfehlung der Lehrer, einem Test an der Grundschule und dem Willen der Eltern. Wenn die Eltern das gegebenenfalls negative Ergebnis der ersten beiden Elemente nicht annehmen, sollen die Kinder noch einen verbindlichen Potenzialtest absolvieren müssen. „Die Empfehlung wird das Zünglein an der Waage sein“, ist Manfred Birk überzeugt. Wenn in der Folge andere Schularten „geschwächt werden“, fürchtet er, werde es „keinen Schulfrieden geben“.

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