Übergangskonzept für Gäubahn So soll der Anschluss an Stuttgart erhalten bleiben

Auf dem Weg in die Schweiz rolle Züge der Gäubahn in Stuttgart durch Wohngebiete. Das soll sich mit Stuttgart 21 ändern. Allerdings gibt es dazu konkurrierende Konzepte. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Gäubahn wird mehrere Jahre nicht in den Stuttgarter Hauptbahnhof fahren können, und auch den Flughafen erreicht sie nicht. Verkehrsexperte Felix Berschin schlägt eine Lösung vor, die beides leistet.

Stuttgart - Auf welchem Weg und wann kommt die Gäubahn (Singen-Stuttgart) über den Landesflughafen nach Stuttgart? Felix Berschin, Partner der Nahverkehrsberatung Südwest und schon bei der Schlichtung für Stuttgart 21 mit dabei, hat ein Übergangskonzept ausgearbeitet. Er schlägt vor, die Züge über Tübingen zum Landesflughafen zu fahren, bis entweder die bei S 21 geplante Nutzung der S-Bahngleise zwischen Stuttgart-Rohr und dem Airport oder der von Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger (CDU) favorisierte elf Kilometer lange Tunnel zum Airport umgesetzt ist.

 

Die Gäubahn wird über Jahre den Stuttgarter Hauptbahnhof nicht anfahren können, Reisende müssen in Stuttgart-Vaihingen auf die S-Bahn umstiegen. „Nach unseren Erfahrungen wird der Fernverkehr eine derart lange Unterbrechung nicht überleben, die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Auto nimmt so noch weiter ab und der Flugverkehr von Zürich nach Stuttgart gewinnt dann“, so Berschin. Er plädiert dafür, die IC-Linie nach Singen über Tübingen zu führen, sobald die bisherigen Gäubahngleise vom Hauptbahnhof getrennt sind. Das soll etwa ein halbes Jahr vor Inbetriebnahme von Stuttgart 21 (geplant Ende 2025) geschehen. Bis dahin müsste allerdings die eingleisige Strecke Tübingen-Horb elektrifiziert und in Teilen für eine höhere Geschwindigkeit ertüchtigt werden. Die Verbindung diente 2017 nach der Havarie einer Bohrmaschine auf der Rheintal-Neubaustrecke als Umleitung für Güterzüge in Richtung Schweiz. Schon damals war die fehlende Oberleitung ein beträchtliches Manko.

Strecke braucht Oberleitung

Berschin rechnet mit einem Aufwand von 65 Millionen Euro. Selbst bei Kosten von 100 Millionen Euro sei der Ausbau „billiger als das bei S 21 geplante dritte Gleis für die Gäubahn an Flughafen“, sagt er. Das Übergangskonzept verschaffe Zeit, um Konzepte wie den Fildertunnel, den Anschluss der Gäubahn in den Tiefbahnhof oder in eine Ergänzungsstation, die S-21-Planung oder andere Lösungen zu erörtern und verbaue nicht den überfälligen Ausbau der Gäubahn. Städte entlang der bisherigen Strecke würden ihren Anschluss nicht verlieren, sondern im Halbstundentakt Expresszüge nach Horb erhalten. Das Gäu solle per Express S-Bahn ins S-Bahn-System integriert werden.

Weitere Themen