Kerzen gehören zu Advent und Weihnachten einfach dazu. Nachhaltig sind klassische Kerzen aus Paraffin aber leider nicht. Besser wäre, Kerzen aus pflanzlichen Ölen zu kaufen.

Volontäre: Susan Jörges (suj)

Der erste Advent naht. Was auf dem Adventskranz nicht fehlen darf, sind Kerzen – und davon werden in Deutschland richtig viele angezündet. Spitzenreiter im Jahresverbrauch sind zwar mit mehr als vier Kilogramm pro Kopf die Dänen, doch auch hierzulande brennen bei jedem Deutschen pro Jahr etwa zwei bis drei Kilogramm Kerzen herunter. Damit landet Deutschland auf Platz Drei des EU-weiten Kerzenverbrauchs. Bei dieser Menge drängt sich die Frage auf, wie nachhaltig Kerzen eigentlich sind.

Ob eine Kerze eine gute oder schlechte Klima- und Umweltbilanz hat, variiert je nach Öl, das man für die Kerzenherstellung nutzt. Das Problem: Eine Kennzeichnungspflicht der Inhaltsstoffe gibt es in Deutschland nicht. Somit ist auch beim Kerzenkauf wieder einmal Eigenrecherche gefragt.

Kerzen aus Erdöl sind Klimakiller

75 Prozent der handelsüblichen Kerzen bestehen aus Paraffin, das als Neben- oder Abfallprodukt bei der Schmierölproduktion entsteht. Als Erdölprodukt haben Paraffinkerzen deshalb eine hohe Umweltbelastung. Da die Herstellungsverfahren von Erdöl in den vergangenen Jahren jedoch stark verfeinert worden sind, fällt zunehmend weniger Paraffin an; es muss importiert werden. Dadurch steigen zum einen die Kosten der Paraffin-Kerzen, zum anderen verschlechtert sich ihre Klimabilanz durch den weiten Transport.

Aufgrund der ungewissen Versorgungslage beim Paraffinimport wird für Kerzenhersteller Stearin aus tierischen Fetten immer wichtiger. Die Alternative wird vor allem aus Schlachtabfällen gewonnen und ist somit in der Regel ein Produkt der Massentierhaltung.

Auch Palmöl ist keine Alternative

Palmöl ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, der dennoch höchst umstritten ist. Das Öl wird aus dem Fruchtfleisch beziehungsweise aus den Fruchtkernen der Ölpalme gewonnen, die vor allem in den Tropen angebaut und durch Brandrodung abgeholzt wird – und das bedroht die ökologische Vielfalt und ist eine der Hauptursachen der Klimakrise. Mehr zu Palmöl und wie böse es tatsächlich ist, kannst du übrigens in diesem Übermorgen-Text nachlesen.

Eine Kerze ohne Regenwaldzerstörung zu erkennen, ist leider nach wie vor sehr schwer. Der Kerzencheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt, dass ein Drittel von 52 befragten Herstellern und Händlern darüber schweigt, ob in ihren Kerzen Palmöl enthalten ist oder ob das verwendete Palmöl aus einem nachhaltigen und zertifizierten Anbau bezogen wird.

Kerzen aus Raps- oder Sojaöl

Wer Kerzen aus Erdöl, Palmöl oder tierischen Fetten vermeiden will, kann zu solchen aus dem Öl der Sojabohne greifen. Bei hohem Druck und Hitze wird das Sojaöl zu einer wachsähnlichen Masse gepresst. Kerzen aus Sojawachs brennen in der Regel langsamer ab als vergleichbare Paraffinkerzen. Für Sojawachs spricht außerdem, dass es fast rußfrei verbrennt.

Sojabohnen als Grundstoff sind natürlich nur dann nachhaltig, wenn sie möglichst in Europa – vorwiegend in Italien, Frankreich oder Serbien – und ohne Einsatz von Pestiziden ökologisch angebaut werden. Für Wachs, das aus Rapsöl gewonnen wird, gilt das genauso. Raps hat zudem den Vorteil, dass er sogar häufig in Deutschland angebaut wird. 2022 konnte Deutschland den Rapsölbedarf zu 43 Prozent selbst decken. Die Stuttgarter Kerzenmanufaktur Lumina verwendet zum Beispiel Rapsöl, das in Deutschland hergestellt wird. Und das bayrische Familienunternehmen Wenzel führt eine eigene Produktlinie mit Kerzen aus Pflanzenölen, darunter Raps- oder Olivenöl aus Europa.

Alternativen zur klassischen Kerze

Eine Kerze verbrennt nie vollständig, Restwachs bleibt immer übrig. Spannend finde ich deshalb die Idee eines Wachsfressers. Der meist runde oder quadratische Brennkörper des Gefäßes kann mit beliebigen Wachsresten (am besten Pflanzenwachsen) befüllt werden. Der Docht, meist hergestellt aus Glasfasern, ist durch seine besondere Struktur extrem langlebig.

Hier findest du zudem eine Anleitung, wie du aus Wachsresten selbst Kerzen herstellst. Abgefüllt werden diese einfach in leere Schraubgläser, Metall- oder Konservendosen. Das ist sicher auch ein schönes Mitbringsel für anstehende Advents- und Weihnachtstreffen.

Eine Alternative zu Kerzen mit Wachs sind Sonnengläser – einem Licht im Einmachglas. Das Prinzip ist simpel: Das Glas ist mit LEDs ausgestattet, die über ein Solar-Sonnenmodul im Deckel aufgeladen werden. Stellt man es ans Tageslicht, wird der integrierte Akku aufgeladen und die LEDs spenden dann für viele Stunden weiches und helles Licht. Während der Akku im Sommer in wenigen Stunden vollständig geladen ist, kann die Ladung im Winter leider mehrere Tage dauern. Hier ist also Geduld gefragt.

Rußen bei Kerzen vermeiden

Schadstoffe
Kerzen verbreiten zwar eine wohlige Atmosphäre, unbedenklich sind sie jedoch nicht immer. Im Kerzenwachs können Schadstoffe enthalten sein, zum Beispiel Formaldehyd, Stickstoffoxide oder auch das oben bereits erwähnte Paraffin. Je mehr die Kerze flackert, desto mehr Schadstoffe werden übrigens freigesetzt. Die Partikel steigen langsam mit der Wärme nach oben, verbinden sich mit Staubkörnchen und können so in die Atemwege gelangen.

Kerzen mit dem RAL-Siegel kaufen
Kerzen, die mit diesem Gütezeichen ausgestattet sind, sollen nicht rußen und nicht tropfen. Grenzwerte für bestimmte Zusatzstoffe wie Paraffin dürfen nicht überschritten werden.

Staub und Schmutz entfernen
Auch Staub und Schmutz auf der Kerzenoberfläche können zu vermehrter Rußbildung führen. Kerzen sollten deshalb regelmäßig mit einem feuchten Lappen abgewischt werden. Wer den Kerzenrand regelmäßig zurückschneidet, verhindert zudem, dass das Feuer stark flackert und somit rußen könnte.

Ersticken statt pusten
Vor allem beim Auspusten einer Kerze entstehen Rauchschwaden. Taucht man den Docht jedoch zum Löschen in das flüssige Kerzenwachs, wird die Flamme erstickt. Danach kann der Docht wieder aufgerichtet werden, zum Beispiel mit einem Zündholz. Alternativ gibt es auch kleine Hütchen, mit denen die Flamme erstickt werden kann.

Neutralen Duft wählen
Verbraucherschützer empfehlen Kerzen ohne Duftzusätze, da diese Allergien und Kopfschmerzen auslösen können. Außerdem lässt sich in der Produkt-Deklaration schwer erkennen, ob gesundheitsschädliche Duftstoffe enthalten sind. Wer es dennoch duftend mag, sollte Kerzen mit Düften aus ätherischen Ölen wählen.