Übermorgen: die Nachhaltigkeits-Kolumne Methan: Ein Klimasünder, der uns hilft?

Kühe pupsen zwar viel Methan in die Atmosphäre –  es gibt aber noch eine Reihe anderer Quellen. Foto: imago/Jochen Eckel
Kühe pupsen zwar viel Methan in die Atmosphäre – es gibt aber noch eine Reihe anderer Quellen. Foto: imago/Jochen Eckel

Methan ist extrem klimaschädlich. Weil es relativ kurz in der Atmosphäre bleibt, hat es aber großes Potenzial in Sachen Klimaschutz.

Leben: Florian Gann (fga)
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Stuttgart - Während ich diese Zeilen schreibe, flimmern alle paar Minuten Meldungen über die Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow über meinen Bildschirm. Es geht um leidenschaftliche Appelle, um ernste Warnungen, um erste Zusagen: Indien will bis 2070 klimaneutral werden (25 Jahre später als Deutschland), Kanada will bis 2030 aus der Kohle raus (acht Jahre früher als Deutschland), die Entwaldung soll gestoppt werden.

Die ganze Welt wartet gebannt darauf, auf welche Maßnahmen sich die 200 Teilnehmerländer festlegen, um das Pariser 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Die Erwartungen sind hoch, die Wahrscheinlichkeit einer Enttäuschung auch. Aber ich will hier nicht über Politik reden, sondern über Lösungen. Und über Methan.

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Das Klimagas Methan ist extrem klimaschädlich. Über einen Zeitraum von 100 Jahren richtet Methan pro emittiertem Kilogramm 28 Mal mehr Schaden an als Kohlendioxid bei gleicher Menge. Kurzfristiger betrachtet ist die Klimawirkung von Methan sogar mehr als 80 Mal stärker als bei CO2. Und die Konzentration von Methan in der Atmosphäre ist laut der Weltwetterorganisation WMO seit Beginn der Industrialisierung besonders stark gestiegen, um das Eineinhalbfache. CO2 stieg dagegen nur um die Hälfte.

Methan verspricht schnellere Klimaschutzerfolge

Expert:innen sehen in Methan aber auch großes Potenzial in Sachen Klimaschutz. Denn das Gas baut sich relativ schnell in der Atmosphäre ab – innerhalb von zehn bis zwölf Jahren. CO2 baut sich dagegen frühestens nach 100 Jahren ab. Das heißt: Selbst wenn wir ab morgen kein CO2 mehr ausstoßen würden, bliebe die Konzentration des Klimagases noch 100 Jahre gleich. Schränkt man dagegen den Ausstoß von Methan ein, lassen sich Erfolge gegen die Klimaerhitzung schneller erzielen.

Aber wo kommt es eigentlich her, wie kann man den Methan-Ausstoß einschränken und was können wir vielleicht sogar selbst tun?

Der weltweite Methanausstoß geht fast ausschließlich auf fünf Industrien zurück, wie etwa der Spiegel berichtet: Die Landwirtschaft (40 bis 50 Prozent der weltweiten Methanemissionen), die Öl- und Gasindustrie (20 bis 25 Prozent), der Kohlebergbau (10 bis 15 Prozent) und die Abfall- und Abwasserwirtschaft (sieben bis zehn Prozent).

45 Prozent weniger Methan ist schnell möglich

Methan entsteht immer dann, wenn organisches Material unter Luftausschluss abgebaut wird: Etwa im Magen von Wiederkäuern wie Kühen und Schafen, auf Reisfeldern, in Mülldeponien. Es wird durch Lecks an Erdgasleitungen freigesetzt (Erdgas besteht hauptsächlich aus Methan) oder wenn Kohle aus der Erde geholt wird.

Aber der Methanausstoß lässt sich in diesen fünf Industrien bis 2030 um 45 Prozent senken, wie etwa aus einem Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP hervorgeht. Das UNEP sieht die Reduktion des Methan-Ausstoßes als „stärksten Hebel“, um den Klimawandel zu verlangsamen. Bis 2045 soll so die globale Erwärmung um 0,3 Grad verringert werden können. Und das ohne neue, teure Maßnahmen.

Eine Biotonne lohnt sich

Ein effektives Mittel ist etwa, die Lecks in Gas- und Ölleitungen zu schließen. Weniger Fleisch essen hilft ebenfalls, allerdings ließe sich laut dem UNEP-Bericht auch durch Futterzusätze in der Viehhaltung der Methanausstoß verringern. Aber es gibt auch Tipps für dich zuhause, nämlich organische Abfälle möglichst früh von anderen Abfällen zu trennen. Eine Biotonne lohnt sich also. Und zum Thema Reis gibt es unten einen Öko-Tipp für dich.

Methan steht übrigens auch im Fokus des Klimagipfels COP26. Mehr als 80 Staaten haben sich einer Initiative der EU und USA angeschlossen, deren Ziel es ist, die Methanemissionen bis 2030 um 30 Prozent gegenüber 2020 zu senken. Es tut sich also was an der Klimafront.

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