Unternehmen aus Bad Waldsee Hymer kommt in amerikanische Hände

Von Klaus Dieter Oehler 

Der US-Konkurrent Thor macht das Rennen um den oberschwäbischen Campingfahrzeugspezialisten Hymer aus Bad Waldsee. Was der neue Eigentümer vorhat.

Ein Hymer-Mitarbeiter kontrolliert ein halbfertiges Reisemobil Foto: dpa
Ein Hymer-Mitarbeiter kontrolliert ein halbfertiges Reisemobil Foto: dpa

Bad Waldsee - Rund ein halbes Jahr hat die Familie Hymer mit sich gerungen. Klar war, das hatten die Erben von Firmengründer Erwin Hymer damals erklärt, dass man neues Geld einsammeln wollte, um vor allem den Ausbau in China voranzutreiben. Auch dort nämlich ist Camping zu einer Art Volkssport geworden. Grundsätzlich hätte das Unternehmen, das seit Jahren gut verdient und eine Eigenkapitalquote von über 40 Prozent vorweisen kann, dieses Wachstum auch aus eigener Kraft stemmen können. Doch offenbar hatten Hymers Witwe Gerda sowie seine Kinder Carolin und Christian nicht mehr den Ehrgeiz, dies zu organisieren. Dazu muss man wissen, dass schon einmal 23 Jahre lang an der Börse notiert war, nach dem Tod des Firmengründers 2013 jedoch wieder an die Familie zurückfiel.

Auch zwei Finanzinvestoren waren im Spiel

Ein erneuter Börsengang wurde geprüft und auch zwei Finanzinvestoren zeigten schon früh Interesse an dem größten Hersteller von Campingfahrzeugen in Europa. In der Branche wurde der Wert der Unternehmensgruppe auf 2,5 bis drei Milliarden Euro geschätzt. Die Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 (31.8.) mit ihren weltweit mehr als 6000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Damit wuchs die Gruppe binnen zwei Geschäftsjahren um gut 56 Prozent. Zudem konnte die Geschäftsführung für 2017/18 das Rekordergebnis von über 250 Millionen Euro präsentieren, im neuen Geschäftsjahr sollen es 300 Millionen Euro werden.

Kein Wunder, dass sich Investoren für das Unternehmen aus Bad Waldsee interessierten. Die Investmentgesellschaften KPS Capital und Centerbridge wollten Anfang September verbindliche Gebote für eine Beteiligung an dem Familienunternehmen abgeben, wie die Nachrichtenagentur Reuters damals erfuhr. Doch Anfang September wurde der Familie auch klar, dass die Interessenten sich nicht mit einem Minderheitsanteil zufrieden geben würden. Also, so erzählt ein Insider, wurde die Idee des Börsengangs gekippt und es blieb die Entscheidung zwischen Finanzinvestoren und dem neu aufgetauchten Interessenten Thor, einem Konkurrenten aus den USA.

Amerikaner zahlen rund 2,1 Milliarden Euro

Die Entscheidung fiel zugunsten der Amerikaner, die für die Anteile rund 2,1 Milliarden Euro zahlen, wie Thor am Dienstag mitteilte. Davon bekommt die Eigentümerfamilie knapp 200 Millionen Euro in Form von Thor-Aktien und ist dann mit rund fünf Prozent an Thor beteiligt. Der Restbetrag soll in bar fließen. Wir schaffen einen weltweiten Marktführer“, sagte Thor-Vorstandschef Robert Martin. „Hymer ist eine Gelegenheit, wie man sie einmal im Leben bekommt. Das ist der stärkste Hersteller in ganz Europa.“ Aus Thor und Hymer entstehe der weltgrößte Hersteller von Freizeitfahrzeugen, erklärte der neue Eigentümer. Hymer-Chef Martin Brandt, der im Amt bleiben soll, erhofft sich Unterstützung auf dem nordamerikanischen Markt. Thor-Chef Martin schloss Stellenstreichungen oder die Schließung von Werken aus. Synergien ließen sich etwa im Einkauf von Teilen erreichen. „Wir suchen nach Wegen, das Geschäft auszubauen und dafür zu sorgen, dass die Belegschaft zufrieden bleibt“, sagte Martin.

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