Übernahmekampf Zulieferer SHW lehnt Angebot von Pierer-Gruppe ab

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Der Aalener Bremsenhersteller SHW, der einen großen Teil seines Geschäfts mit Marken des VW-Konzerns macht, hat seine Ziele im vergangenen Jahr nicht erreicht. Doch das Angebot der Österreicher lehnt SHW „aus finanzieller Sicht als unangemessen“ ab.

Ein Kettenrad aus Aluminium – das sind Teile, die SHW fertigt. Foto: SHW
Ein Kettenrad aus Aluminium – das sind Teile, die SHW fertigt. Foto: SHW

Stuttgart - Der Autozulieferer SHW AG hat den Übernahmeplänen der österreichischen Pierer-Gruppe eine Absage erteilt. Die Pierer Industrie AG in Wels/Oberösterreich, die bereits knapp 19 Prozent der SHW-Aktien hält, hatte 35 Euro je Aktie geboten. Vorstand und Aufsichtsrat des Aalener Unternehmens haben die Offerte nun „aus finanzieller Sicht als nicht angemessen“ abgelehnt. Die beiden Gremien empfehlen „den Aktionären der SHW AG, das Angebot nicht anzunehmen“.

Am Montag notierte das SHW-Papier bei rund 37 Euro. Wie die Pierer-Gruppe auf das Nein aus Aalen reagieren wird, ist derzeit unklar. „Wir müssen uns die Begründung erst anschauen“, heißt es bei dem österreichischen Unternehmen. Die von Pierer gebotenen 35 Euro lagen rund zehn Prozent über dem Schmitt des SHW-Kurses in den Monaten davor.

SHW hat große Ziele

SHW, ein Hersteller von Bremsscheiben, Pumpen und Motorkomponenten, begründet die Entscheidung damit, dass das Pierer-Angebot „den Wert des Unternehmens, den SHW aus eigener Kraft erzielen kann, nicht angemessen“ widerspiegele. Mit der Strategie 2020 habe die Gesellschaft in den zurückliegenden 18 Monaten die Weichen für einen erheblichen Umsatz- und Ertragsschub in den Jahren ab 2018 gestellt, schreibt SHW in einer Mitteilung. So sei ein „substanzielles Investitionsprogramm von über 30 Millionen Euro zur Internationalisierung der Pumpenaktivitäten“ angelaufen. Bis 2020 erwarte das Aalener Unternehmen – verglichen mit 2017 – einen um rund 50 Prozent höheren Umsatz und eine signifikante Margen- und Ergebnisverbesserung. Dies berge für die SHW-Aktie ein erhebliches Wertsteigerungspotenzial, heißt es in der Mitteilung weiter. Für die Bewertung hat sich SHW Unterstützung bei der Investmentbank Joh. Berenberg in Hamburg geholt.

Wachstumsziel 2016 nicht erreicht

SHW hat im vergangenen Jahr die Wachstumsziele nicht erreicht, nicht zuletzt weil ein Großauftrag weggebrochen ist. SHW hat den Kundennamen zwar nie genannt; in der Branche geht man jedoch davon aus, dass es sich dabei um den US-Autobauer Tesla handelt. SHW will auf den bereits entstandenen Anlaufkosten nicht sitzen bleiben; die Gespräche mit dem Kunden laufen noch. Deswegen wurde 2016 statt des ursprünglich angepeilten Umsatzes von 440 bis 460 Millionen Euro ein Umsatz von 406 Millionen Euro ausgewiesen (minus zwölf Prozent). 2017 wollen die Aalener nun zwischen 400 Millionen und 420 Millionen Euro erlösen; bis 2020 soll der Umsatz in der Größenordnung von 620 bis 650 Millionen Euro liegen.

Die Pierer-Gruppe (5400 Mitarbeiter, 1,3 Milliarden Euro Umsatz) ist eine Industriebeteiligung, die auch Aktivitäten im Autobereich hat. So ist Pierer etwa an der KTM-Gruppe beteiligt, ein Hersteller von Fahrzeugen im Offroad- und Straßenbereich (Marken KTM und Husqvarna).