Übers Zuhören Wenn aus der „Energiesparlampe“ eine „Energiesparschlampe“ wird
Warum Kolumnist KNITZ bisweilen ein schlechter Zuhörer ist, ihn selbst aber dabei kaum eine Schuld trifft.
Warum Kolumnist KNITZ bisweilen ein schlechter Zuhörer ist, ihn selbst aber dabei kaum eine Schuld trifft.
KNITZ dachte, mitten in der Fasnet wäre es an der Zeit, mal die Hosen runterzulassen. Er kann das gefahrlos tun, da er optisch ja nie in Erscheinung tritt.
Wenn mal einer vor die Kamera muss, dann schickt er seinen Fressesprecher ins Rennen. Der heißt übrigens wirklich so. Zum einen, weil der Kollege kein noch so kleines Rampenlicht scheut, also keine Scham hat, sich als Sprachrohr von KNITZ in den Vordergrund zu spielen. Zum andern, weil das Verhältnis zwischen Chef und Lakai nicht ohne Spannungen ist. Da hat man sich vor Jahren auf den Begriff geeinigt.
Dies nur, weil KNITZ manchmal Post bekommt, in der freundlich darauf hingewiesen wird, dass er sich wohl verschrieben habe. KNITZ ist nicht frei von Fehlern, aber der Fressesprecher ist ernst gemeint.
Doch nun zu der heruntergelassenen Hose. KNITZ wäre gern ein besserer Zuhörer, was ja schon deshalb nicht schlecht wäre, da er als Kolumnist ständig auf der Suche nach Geschichten und Themen ist. Er gibt sich auch reichlich Mühe beim Zuhören, doch hin und wieder schafft er es einfach nicht. Dann schweifen seine Gedanken mitten im Gespräch ab, was jetzt nicht immer mit dem Gespräch zu tun hat.
Verstehen Sie KNITZ jetzt bitte nicht falsch. Die Rede ist nicht von jener Art Abschweifen, das uns allen hin und wieder passiert. Man schaut im Fernsehen eine Talk-Show an, in der ein Mensch zu Wort kommt, der eine sprachliche Marotte hat, womöglich einen Sprachfehler. Plötzlich ist es vorbei mit der Konzentration, selbst wenn der Mensch noch so kluge Dinge von sich geben sollte. Man ist nur noch auf den Sprachfehler fixiert.
Bei KNITZ liegt die Sache etwas anders. Ein Grund dafür mag sein, dass er nicht nur auf Geschichten, sondern auch auf Pointen scharf ist. Nur mal angenommen, sein Gegenüber verwendet den italienischen Begriff für Liebe, Amore. Da kann es sein, dass KNITZ die lautliche Ähnlichkeit zu „am Ohre“ auffällt. Und schon beginnt es zu brodeln, was er daraus machen könnte.
Oder in einer eigentlich ernsthaften Unterhaltung übers Stromsparen erwähnt jemand den Begriff „Energiesparlampe“. KNITZ meint „Energiesparschlampe“ vernommen zu haben – und grübelt drüber nach, wie man das humoristisch ausschlachten könne, ohne gleich eine #metoo-Debatte unter seiner Leserinnenschaft auszulösen. Dass ihm bei dem restlichen Vortrag einiges entgeht, versteht sich von selbst.
So ein Verhörer könnte aber auch damit zusammenhängen, dass das Gehör von KNITZ nachlässt (wohl zu viel laute Musik in der Jugend reingezogen) und deshalb manche Worte bei der Übertragung von Sender zu Empfänger einen Bedeutungswandel erfahren. Wenn dies zu einer guten Pointe führt, hätte die fortschreitende Schwerhörigkeit immerhin auch was Gutes.
An diesem Dienstag hat KNITZ frei. Wiewohl er mit der Fasnet nicht viel am Hut hat, hat er beschlossen, auf einen Fasnetumzug zu gehen. Ob er sich verkleidet, wird nicht verraten. Aber falls Sie meinen, ihn erkannt zu haben, sprechen Sie KNITZ ruhig an. Er wird freundlich, wohlwollend und verständnisvoll nicken, auch wenn er bei dem ganzen Tschingderassabum kein Wort von Ihnen verstehen sollte.