Die Flüsse Rhone (oben) und Navizence (links) waren Ende Juni in Chippis über die Ufer getreten und hatten das Aluminium-Werk von Constellium überflutet. Auch der Hersteller Novelis musste die Produktion stoppen. Foto: KEYSTONE//Olivier Maire
Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche muss seine Umsatz- und Renditeerwartungen nach unten schrauben. Der Auslöser des Problems findet sich im Rhonetal.
Gemäß den strengen Gepflogenheiten im Verhältnis von Autoherstellern und ihren Zulieferern hält sich Porsche bedeckt. Das Stuttgarter Unternehmen nennt die Firma nicht, deren Probleme jetzt zu Produktionsausfällen und einer korrigierten Jahresprognose führen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass der Grund für die drohenden Ausfälle in der Produktion von Porsche in der Schweiz zu finden sind.
In der Ad-hoc-Börsenmeldung ist nur die Rede von „Lieferengpässen in Folge der Überflutung einer Produktionsstätte eines wichtigen europäischen Aluminiumlieferanten“. Der Lieferant steht auch nicht direkt mit Porsche in einer Handelsbeziehung, sondern verkauft an mehrere Zulieferer das Rohmaterial, aus dem diese Karosserieteile für sämtliche Baureihen des Konzerns formen.
Schwere Unwetter in der Schweiz führten zu Überschwemmungen
Hinter dem Engpass stehen Überschwemmungen im schweizerischen Wallis, wo Ende Juni die Rhone nach schweren Unwettern über die Ufer getreten war. Wie die „Neue Zürcher Zeitung“ berichtete, mussten die Werke von zwei Aluminiumherstellern geräumt und die Produktion gestoppt werden. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden.
Beide Firmen gehen auf Betriebe der ehemaligen Alusuisse zurück: Novelis ist mittlerweile in indischer Hand und beschäftigt laut der Zeitung in Siders im Wallis mehr als 500 Mitarbeiter, der amerikanische Konkurrent Constellium hat im Wallis an zwei Standorten 700 Beschäftigte.
Welches der beiden Unternehmen nun dauerhafte Produktionsprobleme wegen höherer Gewalt ankündigen musste, blieb zunächst offen. Nach „Handelsblatt“-Informationen produzieren beide Firmen spezielle Aluminiumlegierungen für Porsche-Zulieferer. Porsche rechnet mit Beeinträchtigungen der Produktion, die mehrere Wochen dauern könnten.
Aluminium spielt bei Porsche als Leichtbauwerkstoff schon lange eine tragende Rolle. Das Metall wurde aus dem Rennsport in die Serienproduktion übertragen. Bereits 1951 fuhr ein Porsche 356 beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans mit einer Alu-Karosserie zum Sieg. 1982 bestand die gesamte Fahrer-Zelle des Porsche 956 – das Monocoque – in Le Mans erstmals komplett aus Aluminium.
Weger der Lieferprobleme muss die Produktion bei Porsche wohl zeitweise eingestellt werden. Hier ist die Fertigung des Macan in Leipzig zu sehen. Foto: dpa/Jan Woitas
Beim Porsche 911 konnte durch den immer größeren Anteil von Aluminium im Materialmix für die Karosserie zuletzt der Stahlanteil von 63 auf 30 Prozent gesenkt werden.
Porsche erweitert die Zahl der Lieferanten auch wegen des Klimas
Neben Porsche haben auch andere Sportwagenbauer zur Gewichtsreduzierung schon lange auf Aluminium gesetzt, wenn auch nicht alle in so hohem Ausmaß wie Porsche. Mit Blick auf die Produktion von Elektro-Autos und deren gewichtsabhängige Reichweite spielt Aluminium nun aber für alle Pkw-Hersteller eine immer wichtigere Rolle.
Vor einem Jahr ist Porsche die Zusammenarbeit mit dem norwegischen Aluminiumproduzenten Hydro eingegangen, der sowohl den Zuffenhäuser Hersteller direkt als auch verschiedene seiner Zulieferer die Ware zukommen lässt. Dieses sogenannte Aluminium-Vormaterial verfügt über einen der niedrigsten CO₂-Fußabdrücke auf dem Markt und wird mit erneuerbarer Energie produziert.