Überwintern in Stuttgart Ape sucht Winterquartier

Marianna Bisceglia (Mitte) freut sich: Bis jetzt kommt ihre Ape mit Feuerschale und Kuscheldecken gut durch den Winter. Foto: privat

Die Ape von Marianna Bisceglia ist nicht nur ein Happy Place auf Halbhöhenlage, sie ist auch zum Treffpunkt für die Nachbarschaft in Stuttgart-West geworden. Nun sucht das magische Dreirad ein Winterquartier – und im besten Fall ein neues, dauerhaftes Zuhause.

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

Marianna Bisceglia, genannt Marie, kann immer noch nicht glauben, was die Ape mit der Hasenbergsteige und ihren Bewohner:innen gemacht hat. Liebespaare finden sich, Jugendliche haben eine Beschäftigung, Streit wird aus der Welt geschafft und Einsamkeit überwunden. Und das alles vor einer Garage, auf privatem Grund.

 

Apropos Grund, viele Gründe sprechen dafür, dass die Ape überdauert – für die Nachbarschaft, für Stuttgart-West und so viele Menschen mehr, die hier Pause machen, sich stärken und bei Marie Gastfreundschaft vom Feinsten – und vor allem von Herzen – erleben wollen. Doch wie wird der beliebte Treffpunkt durch den Winter kommen? Schließlich ist die Ape vor allem auch eine mobile Café-Theke, bei der sich eben alles draußen abspielt.

Der erste Ape-Einsatz

Angefangen hatte alles im Mai dieses Jahres – zumindest an der Hasenbergsteige. Dort kam die Ape zum ersten Mal zum Einsatz. Das Wetter spielte mit und die Passanten, die zufällig vorbeikamen, sind Marie bis heute treu geblieben. „Es ist etwas ganz besonderes. Die Menschen, die hier vorbeikommen, tun mir so gut“, ließ uns die leidenschaftliche Gastgeberin schon zu Beginn wissen.

Bis jetzt seien immer mehr Nachbar:innen hinzukommen. „Ich habe ja gedacht, ich kenne die Hasenbergsteige und erlebe mit der Ape ein Sommermärchen und das war’s, aber als es noch warm war, ermutigte mich die Nachbarschaft bereits: Marie, der Herbst kommt, du darfst nicht aufhören. Wir brauchen einen Plan B! Das ist wirklich das Größte für mich“, berichtet die 45-Jährige begeistert und gerührt von ihren motivierten Stammgästen, die ihr Vorschläge zum Überwintern unterbreiten.

Feuerschale und Kuscheldecken

Das habe ihr Mut gemacht. „Und ich dachte direkt: Okay, das kriegen wir hin! Ich weiß ja wie es ist, bei Minusgraden im Winter draußen vor der Ape für die Leute da zu sein. Also habe ich direkt eine Feuerschale besorgt – und Kuscheldecken. Ich versuche es jetzt einfach gemütlich zu machen.“

Dazu muss man wissen, dass die Ape diesen Sommer sozusagen ihren zweiten Sommer erlebt hat. Vor mehreren Jahren war Marie bereits mit dem besonderen Dreirad unterwegs, musste es aber aus privaten Gründen verkaufen, was sie lange bereut hat. Doch nach sechs Jahren ergab sich für die Gastronomin mit italienschen und griechischen Wurzeln die Gelegenheit, die Ape zurückzukaufen. „Das war für mich einer der besten Momente, die ich je erleben durfte!“

Ein besonderer Nachbarschaftreff

Und seitdem geht es bergauf – und das nicht nur aufgrund der Hasenbergsteige. Die Ape ist zurück und die Nachbarschaft im Glück. Es ist erstaunlich, was Marie mit diesem Treffpunkt geschaffen hat. „Viele Nachbarn kannten sich vor der Ape nur flüchtig und freuen sich so über diese Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und gemeinsam eine gute Zeit zu haben und betonen dabei immer wieder, wie gut ihnen die Ape tut.“ Es sei unglaublich und etwas ganz Besonderes, findet Marie.

„Ich bin wieder bereit groß zu träumen“, so die gebürtige Nürtingerin weiter. Denn vor Corona hatte die ehemalige Geschäftsführerin eines kleinen Boutique-Hotels ihr eigenes Café eröffnet, das jedoch direkt der Pandemie zum Opfer fiel. Nach 17 Tagen war Schluss, der Traum zerplatzt. Doch nun keimt wieder Hoffnung auf. Die Nachbarschaft trommelt ihr Netzwerk zusammen, um für die Ape ein Winterquartier zu finden.

Gesucht: Mindestens ein Winterquartier

Denn Marie wünscht sich von Herzen, die Nachbar:innen an einem festen, warmen Ort willkommen zu heißen – am liebsten in der Nähe, rund um die Hasenbergsteige und Aussichtsplattform. Dafür würden sich sicherlich bestimmte und bekannte Objekte in der Nähe gut eignen. Und das habe die Nachbarschaft in ihren Augen auch verdient. Denn die Geschichten, die an diesem besonderen Ort geschrieben werden, sind einfach magisch – „und krass!“

„Ich dachte immer die Ape heilt mich, aber die Menschen sind mir so dankbar und lassen mich immer wieder wissen, wie froh sie sind, dass ich da bin.“ Für eine kleine Hütte auf der Aussichtsplattform wurde Marie vergangene Woche abgesagt, doch die sympathische Ape-Besitzerin lässt den Kopf nicht hängen. Am 6. Dezember wird erst einmal gefeiert.

Am 6. Dezember wird gefeiert

Bis jetzt war der Winter ein Geschenk und trotzdem sind die kälteren Temperaturen eine Challenge, nicht nur, weil die Nutella immer wieder einfriert. „Aber ich will mit dem Fest am Nikolaustag einfach mal Danke sagen!“ Außerdem habe sie gemerkt, dass viele Menschen in ihrem Umfeld einsam sind, obwohl sie augenscheinlich alles haben. „Aber das Zwischenmenschliche fehlt einfach und bei mir finden alle zusammen.“

Bei heißen Maronen und noch heißeren Getränken ist jede:r willkommen, die/der mitfeiern will. Und solange es nicht in Strömen regnet, wird die Ape weiterhin für die Nachbarschaft da sein. „Dann halt für zwei, drei Stunden und auch am Heiligen Morgen werde ich da sein, von 10 bis 14 Uhr.“ Außerdem läuft aktuell die Aktion „Tausche kreativen Baumschmuck gegen einen Glühwein!“

Party bei der Bella Vista-Ape, gegenüber der Aussichtsplattform, Hasenbergsteige, Stuttgart-West, 6.12., ab 17 Uhr

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Stuttgart ape Stuttgart-West Winter