Übung in Schorndorf Wieder Trinkwasser in der Daimlerstadt

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Eine Spezialtruppe des Technischen Hilfswerks übt in Schorndorf den Einsatz nach einer vermeintlichen Naturkatastrophe. Dabei zeigt sich unter anderem auch, dass Latrinenbau nicht gleich Latrinenbau ist.

Auch Latrinenbau mit einfachen Mitteln ist Teil der THW-Übung gewesen. Foto: Stoppel
Auch Latrinenbau mit einfachen Mitteln ist Teil der THW-Übung gewesen. Foto: Stoppel

Schorndorf - Die genauen Hintergründe der Naturkatstrophe, die Schorndorf heimgesucht hat, sind nicht bekannt. Als sicher gilt, dass das komplette örtliche Trinkwassernetz zusammengebrochen ist. Eine Spezialeinheit des Technischen Hilfswerks (THW), die Mitglieder aus ganz Süddeutschland auf dem Zirkusplatz an der Schorndorfer Max-Eyth-Straße zusammengezogen hat, soll ihrer Bestimmung nachkommen. Die Truppe bekommt den Auftrag, eine Notversorgung sicher- und aus einem braun-trüben Nebenarm der Rems eine Flüssigkeit herzustellen, die den strengen Richtlinien der deutschen Trinkwasserverordnung Genüge tut.

Innerhalb weniger Stunden aufbruchbereit

Die Katastrophe in Schorndorf ist an diesem Wochenende zum Glück nur das konstruierte Szenario für die Jahresübung der sogenannten Schnell-Einsatz-Einheit Wasser Ausland des THW gewesen. Die SEEWA ist vor knapp 15 Jahren geründet worden, um – wie es im THW-Jargon heißt – schnell auf aktuelle Gefahrenlagen im WASH-Bereich (Water, Sanitation and Hygiene) reagieren zu können. Die Einsatzteams sollen in der Lage sein, innerhalb weniger Stunden in ein Katastrophengebiet aufzubrechen, um dort kurzfristig, aber auch nachhaltig Versorgungssysteme aufzubauen. Erstmals war die SEEWA 2004 nach dem Tsunami in Sri Lanka im Einsatz, schon ein Jahr später wurde sie bei dem verheerenden Erdbeben in Pakistan angefordert, zuletzt in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu geschickt.

Damit auch unter widrigen Bedingungen jeder Handgriff sitzt, die Teams zusammenwachsen und ihre Improvisationsfähigkeiten schärfen, muss natürlich geübt werden. In Schorndorf stellte sich den rund 35 Teilnehmern aus Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz nicht nur die Aufgabe, Wasser aufzubereiten, zwischenzulagern und transportfähig bereitzustellen, auch im Bereich der „Sanitation“ galt es, ein Problem zu lösen. Die Aufgabe: in einem muslimischen Land eine entsprechende Toilette mit Waschgelegenheit zu bauen.

Nachhaltigkeit auch beim Latrinenbau

„Unsere Hilfe soll auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein“, sagt Sebastian Klein. Der 33-jährige Maschinenbauingenieur aus Völklingen im Saarland ist der Projektleiter bei der Jahresübung in Schorndorf. „Es hat keinen Sinn, mit Hightechgerät kurzfristig für Abhilfe zu sorgen und dann alles abzubauen und wieder zu verschwinden“, betont er. Das Ziel müsse sein, vor Ort Menschen einzubinden, zu schulen und mit den vorhandenen Möglichkeiten und Gegebenheiten auszukommen.

Für die Latrine, die im muslimischen Schorndorf mit einfachen Steinen gemauert werden soll, heißt das etwa, auf eine Sitzgelegenheit zu verzichten, weil diese von den potenziellen Nutzern nämlich gar nicht angenommen würde. Das Waschbecken, das den Übenden nebenbei auch zum Zähneputzen dienen soll, wird aus einem halbierten Plastikfass und vier Kanthölzern gezimmert.

„Es ist ganz wichtig, sich zu informieren, was in dem jeweiligen Land üblich und was verpönt ist, und die Hilfe darauf auszurichten“, sagt Daniel Kuhn, der Ortsbeauftragte des THW in Schorndorf. Und das könne im Fall der Latrine nicht nur Sitz- oder Plumpsklo bedeuten, sondern auch, in welcher Himmelsrichtung das stille Örtchen ausgerichtet ist, ob es nah oder lieber weit weg von den Wohnstätten installiert wird und für welche Personengruppen und Anwendungen geeignet ist.

Sebastian Klein, der schon seit 23 Jahren Mitglied beim THW ist, hat schon Einsatzgebiete unterschiedlichster Natur erlebt: Am Rande von Bürgerkrieg und Dürre an der somalisch-äthiopischen Grenze mitten in der Wüste, nach dem Taifun auf den Phillipinen, den Überflutungen auf dem Balkan oder während der Flüchtlingskrise in Jordanien. In vielen Fällen sei der Schnelleinsatz durch längerfristige Projekte der Hilfe zur Selbsthilfe ergänzt worden, die heute noch nachwirkten.

Auch die Stadt profitiert

Auch die Stadt Schorndorf kann von der Übung am Wochenende wohl noch längerfristig zehren. Ein Teil der Aufgaben der THWler war, in einem nicht mehr funktionierenden Brunnen im Teilort Schornbach das defekte Pumpwerk auszubauen, zu reparieren und das Wasser wieder zum Laufen zu bringen. Auch eine Quellfassung im Aichenbacher Wald wurde mit der ehrenamtlichen Hilfe der Experten wieder auf Vordermann gebracht.