Uhinger Traditionsfirma Allgaier baut Stellen ab

Allgaier will sich „schlanker aufstellen und noch effizienter werden“. Nächste Woche ist eine Betriebsversammlung. Foto: Giacinto Carlucci

Die Finanzlage des Uhinger Unternehmens hat sich stabilisiert, der geplante Umsatz des sich inzwischen mehrheitlich in chinesischem Besitz befindlichen Betriebs wird aber nicht erreicht. Um effizienter zu werden, sollen Stellen gestrichen werden.

Die Gerüchteküche brodelt schon seit Wochen. Bei Allgaier soll Personal abgebaut werden, Beschäftigte in den Vorruhestand geschickt und die Stellen nicht wiederbesetzt werden. Um 20 Prozent soll die Belegschaft reduziert beziehungsweise Lohnkosten eingespart werden, berichten Mitarbeiter. „Auf Anfragen dazu kommt auch kein Nein“, sagt ein Beschäftigter. Vieles sei sehr vage, „man weiß nicht, wohin die Reise geht“. Aufträge gebe es genügend, erzählen Mitarbeiter des Autozulieferers. Ob die entsprechenden Produktionshallen jedoch im Kreis Göppingen gefunden werden, sei ebenso fraglich. „Es ist vieles offen, die Unsicherheit ist groß“, sagt ein Mitarbeiter. Zumal die Beschäftigungssicherung Ende dieses Jahres ausläuft.

 

Fest steht: Am 13. Dezember findet eine Betriebsversammlung statt, die vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringt. Stilianos Barembas, Vorsitzender des Betriebsrats, will sich vor diesem Termin nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Nur so viel: „Die 20 Prozent stimmen nicht. Richtig ist aber, dass Allgaier sich schlanker aufstellen will.“ Der Betriebsrat habe sich ins Zeug gelegt, um die Altersteilzeitregelung zu verbessern. Mitarbeiter, die kurz vor der Rente stehen, sollen sozialverträglich früher gehen können, so das Ziel. Ein groß angelegter Personalabbau sei aber nicht geplant, „das läuft situationsbedingt“, betont Barembas. Im Übrigen habe sich seit der Übernahme durch die chinesische Westron Group im Juli nichts geändert, sagt der Arbeitnehmervertreter: „Wir haben keine Probleme, auch nicht bei der Mitbestimmung, im Gegenteil.“

Eine vor zwei Wochen an das Unternehmen geschickte Anfrage blieb zunächst unbeantwortet. Nun hat die Uhinger Allgaier-Group mit einer Pressemitteilung reagiert und eine erste Bilanz nach der Übernahme durch den Investor gezogen. Im ersten Schritt habe die Transaktion für Allgaier keine gravierenden Veränderungen mit sich gebracht, teilt das Unternehmen mit. „Die Verträge mit Mitarbeitern, Lieferanten und Kunden wurden weitergeführt.“

Einfach waren die letzten zwei Jahren jedoch nicht. Die Corona-Pandemie habe bereits vor der Übernahme Mitte 2022 in den Märkten ihre Spuren hinterlassen, „und auch nach der Transaktion war die wirtschaftliche Lage weiterhin angespannt“. Der Ukrainekrieg, steigende Preise für Energie und Logistik sowie erhöhte Personalkosten seien begleitet worden von reduzierten Abrufzahlen der Kunden im Bereich Automotive. „Bereits früh war klar: Der geplante Umsatz für 2022 wird nicht erreicht“, heißt es in der Mitteilung.

Durch den Einstieg von Westron sei aber die finanzielle Stabilität wiederhergestellt worden, „was die Basis für eine Neuausrichtung war“. Die betrieblichen Abläufe, Geschäftsprozesse und Strukturen wurden evaluiert und neugestaltet, sowie internationale Strukturen gestärkt. „Hierbei konnte Allgaier vom langjährigen Erfahrungsschatz der Westron Group profitieren. Sowohl im Geschäftsbereich Automotive als auch Process Technology wurden internationale Großaufträge gewonnen.“ Über den Bereich Process Technology beliefert Allgaier die Schüttgut verarbeitende Industrie mit entsprechenden Systemen und Anlagen.

Volker Brielmann, Geschäftsführer Automotive, ist zufrieden und blickt optimistisch in die Zukunft: „Der Auftragseingang in diesem Jahr hat einen Höchstwert erreicht, was zeigt, dass unsere Kunden uns als zuverlässigen Partner sehen. Da die bestehenden Fertigungsflächen nicht mehr ausreichen, planen wir in Europa eine neue Fertigungsstätte.“ Wo diese sein wird, ließ Brielmann jedoch offen.

Um langfristig erfolgreich zu sein, will Allgaier neue Produkte und Technologien in den Fokus nehmen. Vorentwicklungsprojekte im Automotive-Bereich zur Batterieverpackung und zur Wasserstoffspeicherung hätten sowohl mit Zulieferern als auch mit Kunden begonnen. Auch im Bereich Process Technology werde an neuen, innovativen Anwendungen gearbeitet. Michael Weißflog, Chef dieses Geschäftsbereichs, betont: „Aktuell arbeiten wir gemeinsam mit Westron sehr intensiv daran, innovative Kundenlösungen in den stark wachsenden Recycling-Märkten zu etablieren.“

Gerade aufgrund der ungewissen weltwirtschaftlichen Situation sei man sich einig, die Allgaier-Group in Zukunft robuster für wirtschaftliche Veränderungen zu machen, heißt es in der Pressemitteilung. Gerade werde in China eine Allgaier-Gesellschaft zur Herstellung von Presswerkzeugen gegründet.

Fazit des Unternehmens knapp sechs Monate nach dem Verkauf: „Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen haben Unternehmensführung und Mitarbeiter bewiesen, dass der Einstieg von Westron gelungen ist – mit einer positiven Prognose für die Zukunft.“

Anfang Juli wurde der Deal offiziell verkündet

Verkauf
Anfang Juli dieses Jahres wurde es offiziell verkündet: Die chinesische Westron Group wurde Mehrheitsgesellschafter beim Uhinger Autozulieferer Allgaier. Westron hat die Allgaier-Werke GmbH und damit die Mehrheit der Anteile des schwäbischen Traditionsbetriebs, nämlich 88,9 Prozent, übernommen. Das Unternehmen hatte Dieter Hundt, dem langjährigen Arbeitgeberpräsidenten, gehört. Ein im November vergangenen Jahres mit aufschiebenden Bedingungen geschlossener Vertrag war am 1. Juli in Kraft gesetzt worden. Die Allgaier-Group soll mit beiden Geschäftsbereichen Automotive und Process Technology unverändert fortgeführt und weiterentwickelt werden, hatte der neue Eigentümer im Sommer bekannt gegeben.

Investor
Die chinesische Westron Group ist ein globales Industrieunternehmen, dessen Investmentsparte sich auf den Automobil- und Technologiesektor konzentriert.

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