Mit aufwühlenden Appellen und im Schulterschluss mit der „demokratischen Mitte“ wurde bei der Demo der Ukraine-Community auf dem Stuttgarter Schlossplatz ein „gerechter Frieden“ für die Ukraine gefordert.

„Wir werden auf die Straße gehen, bis Frieden ist“, hatte Liubov Smolska auf der Stuttgarter Ukraine-Demo kurz nach dem Überfall der russischen Armee auf ihr Heimatland in die Menge gerufen. Fast drei Jahre danach soll nun „ein Frieden hinterm Rücken des ukrainischen Volkes ausgedealt werden“, sagte Svitlana bei der neuerlichen Demo am Schlossplatz, an der sie mit ihrem 16-jährigen Sohn und ihrer betagten Mutter teilnahm. Sie fügte hinzu: „Es ist absurd, wahnwitzig und unfassbar grausam nach all den Opfern, die uns noch immer abverlangt werden. Unseren Präsidenten wollen sie uns jetzt auch nehmen, aber wir werden das nicht akzeptieren.“

 

Zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns wird am kommenden Montag, 18 Uhr, eine Demo am Börsenplatz stattfinden. Deutlich Laut geben wollte die Ukraine-Community aber angesichts der dramatischen Entwicklung hinsichtlich eines „Friedens-Deals“ zwischen Trump und Putin noch unmittelbar vor der Bundestagswahl. Denn sie wissen, wie bedeutsam die künftigen Mehrheitsverhältnisse für die weitere Unterstützung der Ukraine sind. „Act For Democracy!“ war so das bestimmende Motto der Demo am Schlossplatz – mit flammenden Appellen, beim Wählen „für die Demokratie zu handeln“, also jene Parteien zu wählen, auf die Verlass sei in Sachen Ukraine-Unterstützung.

Vier Vertreterinnen der Ampel-Parteien und der Union

Vor den rund 400 Demonstrierenden am Schlossplatz kam es zum entschlossenen Schulterschluss der demokratischen Mitte des Landes, mit durchweg kämpferischen und solidarischen Redebeiträgen von Vertreterinnen und Vertretern der Ampel-Parteien samt Union: Judith Skudelny (FDP), Lucia Schanbacher (SPD), Simone Fischer (Grüne) und Elisabeth Schick-Ebert (CDU). Skudelny macht sogleich deutlich, dass „die demokratische Mitte an der Seite der Ukraine steht“, als Teil jener Kräfte, „die für Menschenrechte und Menschlichkeit eintreten“. Deshalb müsse „Deutschland in Europa Verantwortung übernehmen“.

„Hände weg von der Ukraine“ stand auf dem Pappschild, das Schanbacher vor drei Jahren hochhielt. Dieser Ruf sei aktueller denn je und bedürfe jetzt der Ergänzung: „USA – take your hands off!“ Denn Trump verhandle „nicht Frieden, sondern Kapitulation“. In ihre Rede fielen mehrfach „Taurus, Taurus“-Rufe. Gemeinsam für Demokratie, Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten, forderte auch Fischer: „Europa ist stark, wenn wir gemeinsam handeln.“ Auch Schick-Ebert forderte, dass es „keinen Diktatfrieden“ geben dürfe und dass die Ukraine „als freies demokratisches Land bestehen bleibt“.

Emotionale Ausführungen

Einmal mehr ganz zu seiner Sache machte sich Sebastian Hoch von Pulse of Europe das Schicksal der Ukraine, mit von starkem Beifall bedachten, hochemotionalen Ausführungen. Russlands Krieg gegen die Ukraine sei „auch ein Krieg gegen die Freiheit dieser Welt“. Kaum zu ertragen sei das „höhnische Lachen“ des US-Präsidenten wie auch das Einverständnis seiner Vasallen hierzulande: „Das ist eine Schande“, rief Hoch aus. Die Ukraine werde trotzdem „frei bleiben und auch wieder lächeln“.

Die Demonstranten gaben sich kämpferisch. Foto: Lichtgut/Stefanie Bacher

Ein einziger Ruf der Verzweiflung und des trotzigen Widerstandes war die Rede der hiesigen Schriftstellerin Kseniya Fuchs. „Ihr versteht nicht, dass Demokratie ein Privileg und Kampf ist“, schmetterte sie über den Platz und fügte hinzu: „Es ist eure Pflicht, die rechtsextremen Parteien von der Regierung fernzuhalten“, sonst könnten wir „eines Tages aufwachen und statt Tickets für Mallorca zu ordern, Särge für eure Kinder benötigen“. Auch deshalb brauche „die Ukraine unsere Unterstützung“.

Direkt den Passanten aus der Königstraße zugewandt, hielt eine größere Gruppe junger Ukraine-Flüchtlinge am Westrand des Areals ihre Parallel-Demo ab, teils mit „Putin-Verstehern“ konfrontiert, was heftige Reaktionen der Verletztheit zeitigte. Unisoni erklärten Bobukh und Arsenij, beide 16, aus Odessa und Kiew geflohen: „Jetzt in diesem Moment kämpfen und sterben unsere Leute zuhause im Kampf gegen die Russen. Die vielen Leute hier sollen begreifen, dass der Krieg nicht vorbei ist. Dass wir für unsere Freiheit, aber auch für die Freiheit dieser Leute kämpfen.“