Ukraine-Flüchtlinge an Stuttgarter Schulen Engagement ersetzt keine Strukturen

Diese Gymnasiasten aus Stuttgart-Feuerbach wollen Frieden – und werden wohl bald neue Mitschüler aus der Ukraine bekommen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Respekt, wie sich die Stuttgarter Schulen für die Flüchtlinge ins Zeug legen. Doch nun braucht es auch eine geregelte Integration, meint Redakteurin Inge Jacobs.

Es ist schon ein starkes Zeichen, das die Stuttgarter Schulen angesichts des Flüchtlingsstroms aus dem Russland-Ukraine-Krieg leuchten lassen: Durch die Bank zeigen die Schulgemeinschaften aller Schularten eine beeindruckende Hilfsbereitschaft und offene Arme für die Neuankömmlinge. Und dies trotz der sehr eingeschränkten eigenen räumlichen und personellen Spielräume. Respekt!

 

Allerdings zeigt unsere Nachfrage auch, dass vieles völlig ungeordnet läuft. So hat derzeit niemand einen Überblick, wie viele dieser Kinder und Jugendlichen welche Schulen besuchen. Da mühen sich die beruflichen Schulen, sieben reine „Auffangklassen Ukraine“ zusätzlich aus dem Boden zu stampfen und zu koordinieren, während die Grundschulen ihre neuen Schäfchen vom Einwohnermeldeamt zugewiesen bekommen und irgendwie unterbringen. Das Staatliche Schulamt kommt mit seiner Koordinierungsstelle Migration und Integration kaum noch hinterher, die Bildungsvoraussetzungen und Wünsche der künftigen Schüler für die Real-, Werkreal- und Gemeinschaftsschulen zu ermitteln. Und viele Familien schicken ihre Kinder zusammen mit deren Stuttgarter Verwandten gleich direkt in die Schulen – ja, auch in die Gymnasien.

Fürs Erste müssen rasch pragmatische Lösungen her

Das ist auch die einzig mögliche pragmatische Lösung, um diesen aus dem Krieg geflüchteten Kindern rasch wieder einen Schulalltag und damit auch ein bisschen Boden unter den Füßen zu bieten. Denn Stuttgart kann weder genügend Vorbereitungsklassen aus dem Boden stampfen, noch kann das Land Lehrer dafür aus dem Hut zaubern.

Eine Dauerlösung kann das natürlich nicht sein. Derzeit weiß niemand, wann oder ob es Rückkehroptionen für die Flüchtlinge aus der Ukraine geben wird. Für eine echte schulische Perspektive müssen diese Kinder und Jugendlichen jedoch erst einmal Deutsch lernen. Zu Recht fordern die Stuttgarter Gymnasien deshalb klare Strukturen für eine geordnete Integration ins Schulsystem. Und genügend internationale Vorbereitungsklassen. Tatsächlich will das Regierungspräsidium die Einrichtung zusätzlicher Vorbereitungsklassen an Gymnasien „im Bedarfsfall“ prüfen. Im Sinne der Flüchtlinge ist zu hoffen, dass die ausgebildeten Deutschlehrer, für die das Land keine Verwendung hatte, jetzt noch verfügbar sind.

Weitere Themen