Ukraine-Konflikt Wie ukrainische und russische Communitys in Deutschland reagieren

Wie die Demonstranten hier in München, wollen die postsowjetischen Communitys in Deutschland auf keinen Fall einen Krieg. (Symbolbild) Foto: imago//Sachelle Babbar

Ukrainische Gruppen in Deutschland reagieren laut Experten anders auf den Ukraine-Russland-Konflikt als russische. Doch ein Ziel verfolgen beide.

Baden-Württemberg: Florian Dürr (fid)

Berlin - Sie sind verärgert, enttäuscht und wünschen sich im Ukraine-Konflikt viel mehr Unterstützung von der deutschen Politik – und der Gesellschaft: Die Rede ist von postsowjetischen Communitys in Deutschland. „Warum gibt es zum Beispiel keine Friedensbewegung?“, fragt Nikolai Klimeniouk und sagt: „Wenn es um amerikanischen Imperialismus geht, wie etwa beim Irak-Krieg, sind die Deutschen bereit zu protestieren. Aber bei Russland denkt man sich, das wird sich schon regeln.“

 

Der auf der Halbinsel Krim geborene Journalist ist Programmleiter einer Nichtregierungsorganisation für Partizipation von Menschen mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion. Mehr als 1,2 Millionen Menschen in Deutschland haben einen russischen Migrationshintergrund, rund 331 000 einen ukrainischen. Wie reagieren sie auf den Ukraine-Konflikt? Um diese Frage zu beantworten, hat der Mediendienst Integration am Montag Experten zu einem Pressegespräch eingeladen.

Russische Communitys versuchten es mit Realitätsflucht

Ein Thema waren auch die von Deutschland angekündigten Lieferungen von Helmen in die Ukraine. Das sei laut Klimeniouk vor allem bei ukrainischen Gruppen in Deutschland überhaupt nicht gut angekommen. „Mehr klare Worte, eine klare Linie und Waffenlieferungen sind die Forderungen“, erzählt Anna Litvinenko von der Freien Universität in Berlin von ihren Beobachtungen der ukrainischen Gruppen in den sozialen Medien. Zudem würden vermehrt ukrainische Flaggen geteilt.

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Aber nicht nur virtuell, auch auf den Straßen in deutschen Städten wie Berlin oder Köln hätten jene Gruppen bei Kundgebungen zur Solidarität mit der Ukraine aufgerufen. Seit der Annexion der Krim im Jahr 2014 werde die Verantwortung für die Spannungen an der Grenze ganz klar Russland zugewiesen. Bei russischen Communitys in Deutschland beobachtet Litvinenko hingegen eher eine Art Eskapismus, also eine Realitätsflucht und die Überzeugung, dass es sowieso zu keinem Krieg kommen werde. „Es gibt dort keine wirklichen Diskussionen, keine Schuldzuweisungen“, sagt die Expertin.

Postsowjetische Gruppen in Deutschland für Russland irrelevant

Doch von einer Spaltung der Gruppen keine Spur, im Gegenteil, sie alle wollen eine friedliche Lösung des Konflikts. Bei der Annexion der Krim sei das noch anders gewesen, sagt Klimeniouk: „Die Krim ist symbolisch wichtiger als alles andere im ehemaligen russischen Reich. Die Leute waren damals begeistert, heute ist die Situation eine komplett andere.“ Denn auch wenn manche in den postsowjetischen Communitys Putins Politik befürworten, seien sich laut den Experten alle in einem einig: Bloß keinen Krieg.

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