Berlin - Die Signale aus Moskau bleiben widersprüchlich, und sie sollen es wohl auch sein: Einerseits wird das Manöver russischer Truppen in Belarus entlang der Grenze zur Ukraine verlängert und die damit einhergehende Bedrohungslage gleich mit. Andererseits hat Präsident Wladimir Putin offenbar mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sofortige Gespräche über einen Waffenstillstand in der Ostukraine vereinbart, wo sich von Russland unterstützte Separatisten und das Militär der Kiewer Zentralregierung an der Kontaktlinie gegenüberstehen. Eine starke Zunahme der Angriffe in den vergangenen Tagen hatte die ohnehin brenzlige Lage weiter angeheizt.
Hochgradig alarmierend
Die Münchner Sicherheitskonferenz sandte am Wochenende ebenfalls doppelte Botschaften aus. Zum einen boten die Nato- und EU-Staaten weiter Gespräche in allen Formaten an, um die aktuelle Krise wie auch die dahinter liegenden grundsätzlichen Fragen der europäischen Sicherheitsarchitektur zu besprechen. Gleichzeitig trieb der „Westen“ seine Vorbereitungen für eine militärische Eskalation voran: Abgestimmt wurden letzte Details eines großen Sanktionspaketes, das freilich auch hierzulande Wirtschaft und Verbraucher hart treffen würde. Und auch Nato-Truppen bereiten sich jetzt vor, falls neben der Ukraine auch osteuropäische Verbündete bedroht werden sollten.
Das ist alles hochgradig alarmierend und zeigt, dass Europa entscheidende Tage bevorstehen. Es geht um Krieg oder Frieden. Gut ist, dass alle Seiten weiter ihre Bereitschaft betonen, die Katastrophe auf diplomatischem Wege abzuwenden – leider war München nicht der Ort dafür. Schlecht ist, dass Konflikte dieser Art auch eine Eigendynamik entwickeln, die von Tag zu Tag schwieriger zu stoppen ist. Man kann nur hoffen, dass alle Beteiligten in dieser Lage einen möglichst kühlen Kopf bewahren.