Ulmer Gitarristin Yasi Hofer Die Frau, die Helene Fischer rockt

„Die hat schon Bock auf dieses Rock-Ding“: Yasi Hofer (rechts) mit Helene Fischer Foto: yasihofer/@annaaa.live

Yasi Hofer aus Ulm ist das, was man eine Ausnahmegitarristin nennt. Der Gitarrengott Steve Vai schwärmt von ihr, und für Helene Fischer mimt sie den Straßenköter.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Okay, die Hochseilakrobatik unterm künstlichen Wasserfall war schon ziemlich cool. Oder die Pyro-Effekte, die Lichtshow und die unglaublich hochauflösende Videoleinwand. Und natürlich ist es immer ein Ereignis, wenn Zehntausende gemeinsam „Atemlos durch die Nacht“ grölen. Doch der heimliche Star der letzten Helene-Fischer-Tour war dann doch die Frau an der Gitarre: Eine Frau, die mindestens einen Kopf größer ist als Helene Fischer, genauso umwerfend lachen kann wie diese, aber Lederjacken Glitzer-Outfits vorzieht und mit ihren Riffs und Soli in Songs wie „Blitz“ dafür sorgt, dass die Show auf einmal nicht mehr nach Hochglanz-Schlager-Pop, sondern nach dreckigem Rock ’n’ Roll riecht.

 

Yasi Hofer mag es abseits der Bühne ruhig und entspannt

Die Frau, die Helene Fischer das Rocken beigebracht hat, heißt Yasi Hofer, ist 31, wohnt in einem Dorf bei Ulm, und ist das, was man eine Ausnahmegitarristin nennt. Und wenn sie nicht wie im vergangenen Jahr an 71 Abenden im Jahr in den größten Arenen des Landes Hits wie „Null auf 100“, „Achterbahn“ oder „Herzbeben“ lautstark mit ihrer Gitarre verziert, mag sie es eher ruhig. „Ich bin kein Stadtmensch“, sagt sie beim Treffen in einem Café in der Nähe vom Ulmer Münster. Sie lebt gerne da, wo es „klein und entspannt“ ist. „Ich brauche einen Ort, an den ich mich zurückziehen, ein Stück weit auch vor Menschen verstecken kann, auch um nicht so sehr abgelenkt zu werden.“

„Ich war kein Wunderkind, ich war nur superfleißig.“ Foto: Ralf Schuck Fotografie/Ralf Schuck

Einstiegsdroge: Survivors „Eye of the Tiger“

Denn Yasi Hofer nimmt ihren Job als Gitarristin sehr ernst – und das schon, als sie als Zwölfjährige ihre erste E-Gitarre geschenkt bekommt. Nachdem sie zuvor an der Geige kläglich gescheitert ist („Ich war aber grottenschlecht!“), klemmt sie sich total strebermäßig ins Erlernen des Instruments, übt Tag und Nacht, spielt trotz Blasen und Hornhaut an den Fingern weiter und weiter. „Ich war kein Wunderkind, ich war nur superfleißig“, sagt sie.

Ihr erstes Ziel , das Riff aus dem Song „Eye of the Tiger“ spielen können, erreicht sie sehr schnell. Etwas länger braucht sie zwar dafür, die Soli des Gitarrenvirtuosen Steve Vai nachzuspielen. Doch schon mit 14 ist sie so gut, dass sie Vai bei einem Auftritt im Ulmer Zelt für einen Song auf die Bühne holt. „Ich hatte gedacht, ich ertrag das alles nicht. Das war mein allererster Liveauftritt.“ Wie im Trance kommt sie auf die Bühne, kann sich heute nicht mehr daran erinnern, was da passiert ist. Aber zum Glück gibt es ein Youtube-Video von diesem Auftritt, das zeigt, wie souverän sie an der Seite Steve Vais all die vertrackten Gitarrenparts meistert.

Steve Vais „Freak Show Excess“

Ein anderes Steve-Vai-Stück, die irre schwere Nummer „Freak Show Excess“, sucht sich Yasi Hofer dann auch zwei Jahre später aus, als sie sich beim gerade neu gegründeten Pop/Jazz-Studiengang an der Stuttgarter Musikhochschule bewirbt – und einen der zwei Gitarren-Studienplätze bekommt. Obwohl sie nicht aus einer musikalischen Familie kommt, wird sie von ihren Eltern finanziell und ideell unterstützt, darf für ihren Traum, Musikerin zu werden, die Schule abbrechen und nach drei Semestern in Stuttgart nach Boston aufs Berklee College of Music wechseln – möglich macht’s ein Stipendium. Ein Jahr studiert sie dort, lebt in einem Zimmerchen mit Blick auf einen Hinterhof, das 1200 Dollar Miete pro Monat kostet. Weil Studierende dort nicht nebenher mit Bands gegen Gagen auftreten dürfen, verdient sie sich ein bisschen Taschengeld damit, Hunde Gassi zu führen.

„Wow, wie schnell die spielen kann!“

Zurück in Deutschland beginnt Yasi Hofer dann Alben aufzunehmen – und es drängt sie auf die Bühne. Anfangs spielt zwar auch in Coverbands mit, doch ihre eigene Musik ist ihr zu wichtig – Songs, bei denen sie sich nicht als Gitarrenvirtuosin präsentiert: „Die Technik ist mir zwar wichtig. Aber mir geht’s nicht darum, dass alle denken: Wow, wie schnell die spielen kann! Oder: Guck mal, wie krass diese Läufe sind! Mir geht es eigentlich um die Songs.“ Als Songwriterin vermengt sie tatsächlich raffiniert Rock, Funk, Pop und Soul und tritt immer häufiger auch als Sängerin in Erscheinung. Mit ihrer Band geht sie jetzt auch endlich wieder auf Tournee. Auftakt ist an diesem Freitag, 11. Oktober, im Kulturzentrum Dieselstraße in Esslingen.

Dracula, Berliner Philharmoniker und die No Angels

„Mit meiner eigenen Band verdiene ich mittlerweile mehr als bei Cover-Jobs. Man wird damit nicht reich, aber es geht“, sagt die Frau, die sich groß das Wort „vegan“ auf den linken Oberarm hat tätowieren lassen, sich für Tierrechte einsetzt, es gerade genießt, endlich mal mehr Zeit für ihre Freunde, ihre Familie und ihren Hund – und für die über 30 Gitarren zu haben, die sich inzwischen bei ihr zu Hause angesammelt haben. In der YouTube-Serie „Guitar of the Week“ stellt Hofer derzeit einige Exemplare aus ihrer Sammlung vor: „Ich bespreche, all die Gitarren, die für mich eine besondere Story haben. Zum Beispiel die, die mit mir in Boston war“, sagt sie und gibt zu: „Es geht dabei natürlich auch um die Frage: Wie mache ich mehr Menschen auf meine Musik aufmerksam, wie bekomme ich mehr Reichweite?“

Sie hat zwar auch schon 2021 unter der Leitung von Martin Grubinger mit den Berliner Philharmonikern ein aufsehenerregendes Crossover-Projekt gemacht, war zum Beispiel an einer Ulmer Produktion des Musicals „Dracula“ beteiligt oder mit der Girlgroup No Angels auf Tour. Richtig berühmt ist Yasi Hofer trotzdem vor allem als Helene Fischers neue Gitarristin geworden.

Helene Fischer „hat Bock auf dieses Rock-Ding“

Für die Riesenshow im August 2022 in München vor 150 000 Fans und die folgende Arena-Tournee im Jahr 2023 hatte Helene Fischer das komplette Personal auf der Bühne ausgewechselt: „Die neue Band und ich hatte von Anfang an das Gefühl, wir wurden sehr gezielt so ausgesucht, weil wir eine neue Farbe in die Produktion bringen sollten“, sagt Hofer. Und da ging es auch um ein kleines bisschen Rock ’n’ Roll: „Wir durften uns in München sogar noch mehr ausleben als später bei der Tour“, sagt sie. „Wir mussten dann aber ein bisschen zurückrudern, nachdem man gemerkt hat, dass das beim Publikum nicht so ankam, dass es vielen zu rockig war. Das ist ein bisschen schade, weil ich das schon sehr geil fand. Gerade wir Gitarristen, haben das natürlich voll gefeiert, weil viele coole Parts dabei waren und Helene Fischer das auch so wollte. Die hat schon Bock auf dieses Rock-Ding.“

Backstage-Fitness-Studio und Catering vom Feinsten

Aber einige Rock ’n’ Roll-Momente gab es auf der Tour dann trotzdem. Etwa bei „Blitz“ oder bei dem Band-Feature „Elektrischer Traum“: „Das ist komplett unsere Erfindung. Und wenn ich da mein Solo spiele, dann darf ich das genauso dreckig spielen, wie ich will. Ich habe sowieso das Gefühl, dass ich in der Band der Straßenköter bin, der so ein bisschen den Schmutz mit reinbringt.“

Für den „Straßenköter“ Yasi Hofer, der sonst in kleinen Clubs auftritt, war so eine Superlativ-Tournee natürlich aber auch ein großartiges Erlebnis: „Das war für mich alles Neuland. Vor allem in so einer Größenordnung und mit einer Künstlerin wie Helene Fischer. Uns ging es aber sehr gut auf der Tour: In jeder Halle wurde ein Fitnessstudio aufgebaut, wir hatten eine Physiotherapeutin dabei, es gab jede Woche Massagen, und das Catering war vom Feinsten.“

Zwar hofft sie, auch bei der nächsten Helene-Fischer-Tour im Jahr 2026 wieder dabei sein zu dürfen („Da ist noch nichts offiziell“), aber es ist nicht so, dass Hofer, die Auftritte mit Superstars den eigenen Konzerten mit eigener Musik vorzieht. „Für die No Angels und Helene würde ich das immer wieder machen, aber es gibt auch viele Anfragen, die ich absage“, sagt sie. „Natürlich sind solche Shows eine tolle Werbung für mich, aber ich will nicht, dass mein eigenes Projekt auf der Strecke bleibt. Als Künstlerin liegen mir meine eigenen Songs sehr am Herzen.“

AC/DC oder Taylor Swift? Das ist hier die Frage

Für Pink würde sie vielleicht trotzdem eine Ausnahme machen. Und wenn man sie fragt, ob sie lieber mit Taylor Swift oder AC/DC auftreten würde, kommt sie ins Grübeln: „Natürlich hätte ich große Lust, mit AC/DC so richtig abzuzocken. Aber es wäre auch spannend, mich in Taylor Swifts Welt zu wagen.“ Als Quotenfrau an der Gitarre würde sie sich niemals engagieren lassen, sagt sie: „Ich will nicht, dass man mich anruft, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich eine gute Gitarristin bin, weil ich was kann, und weil ich eine besondere Art zu spielen, meinen ganz eigenen Style habe.“ Gerade seien Musikerinnen zwar im Rockbusiness gefragter denn je. „Der Nachteil ist aber, man muss sich den Respekt viel härter erarbeiten als männliche Kollegen.“

Yasi Hofer auf Tour

  • Freitag, 11. Oktober Kulturzentrum Dieselstraße Esslingen
  • Samstag, 12. Oktober Kofferfabrik Fürth
  • Freitag, 18. Oktober Reigen, Wien (AUT)
  • Samstag, 19. Oktober Bluesclub Chiemgau, Rimsting
  • Mittowch, 6. November Spectrum Augsburg
  • Samstag, 9. November Village Habach
  • Samstag, 16. November Fiddlers Green, Pfaffenhofen a.R. (SPECIAL SHOW TBA)
  • Samstag, 28. Dezember Adler Meidelstetten
  • Sonntag, 29. Dezember Kammgarn, Hard ( AUT)
  • Donnerstag, 16. Januar 2025 Theaterstübchen, Kassel
  • Freitag, 17. Januar 2025 Lichtentanne, St. Barbara
  • Samstag, 18. Januar 2025 Junges Theater, Forchheim
  • Samstag, 1. Februar 2025 Kulturbastion, Torgau
  • Donnerstag, 20. Februar 2025 Colos-Saal, Aschaffenburg
  • Freitag, 21. Februar 2025 dieHalle, Reichenbach
  • Donnerstag, 13. März 2025Harmonie, Bonn
  • Freitag, 14. März 2025 Blues Notez, Dortmund
  • Donnerstag, 27. März 2025 Backstage, München
  • Freitag, 28. März 2025 Kammerspiele, Ansbach
  • Samstag, 29. März 2025 Jazzhaus, Freiburg
  • Samstag, 12. April 2025 Klag Bühne, Gaggenau
  • Samstag, 3. Mai 2025 Hirsch, Metzingen Glems
  • Samstag, 10. Mai 2025 Inninger Bluestage, Groundlift, Inning am Ammersee
  • Freitag, 27.Juni 2025 Blaues Haus, Kirchheim Bolanden
  • Freitag, 5. September 2025 Mon Ami, Weimar
  • Freitag, 24. Oktober 2025 Kaminwerk, Memmingen

Mehr Informationen zu Yasi Hofer und ihrer Musik gibt es hier auf ihrer Homepage.

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