Ulmer Hochschule für Gestaltung Designerbe im Klammergriff

Otl Aichers Originalpiktogramme für die Olympischen Spiele in München 1972 Foto: Gottfried Stoppel
Otl Aichers Originalpiktogramme für die Olympischen Spiele in München 1972 Foto: Gottfried Stoppel

Von der einstigen Hochschule für Gestaltung in Ulm sind übrig: Tausende von Artefakten und eine Privatstiftung um den Baubürgermeister.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)
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Ulm - Die Fensterscheiben des denkmalgeschützten Hochschulgebäudes über Ulm glänzen blau. Dem Gemäuer sei die "Sonnenbrille" aufgesetzt worden, schreibt in einem schönen Bild, das das Unschöne charakterisiert, die Fachzeitschrift "Bauwelt". In einem Trakt lassen sich die Bewegungen von Mitarbeitern der kürzlich eingezogenen Ulmer Schmuckdesignfirma Ehinger & Schwarz ahnen. Bauarbeiter machen auf der Ladefläche eines Lastwagens Mittagspause.

Einige Schritte weiter beginnen die beiden kleinen Wohnstraßen, in die der Architekt Max Bill die ehemaligen Dozentenhäuser gesetzt hat; wunderbare, lichtdurchflutete Anlagen mit kleinen Terrassen und Gärten, die nach Süden, mit Blickrichtung zum Donautal, gebaut wurden. Für den Ulmer Baubürgermeister Alexander Wetzig gehört das zum "Spirit" der berühmten einstigen Hochschule für Gestaltung, kurz HfG.

Sinnbild für die Selbstherrlichkeit der Stiftung

In einem der Häuser wohnt als Mieterin der Stiftung HfG Monika Maus. Sie ist vor Kurzem zur Vorsitzenden des "Club off Ulm" gewählt worden, einem Verein aus ehemaligen HfG-Schülern, die das Erbe ihrer berühmten Schule lebendig halten wollen. Schnell kam die Designerin Maus in den Verdacht, eine Nestbeschmutzerin zu sein. "Einige Mitbewohner grüßen mich nicht mehr", sagt sie. In der Wohnanlage haben sich honorige Menschen eingerichtet: Architekten, ein Schönheitschirurg, ein Verleger.

Sie gießt einen Kaffee ein, so schwarz, dass er ein Pferd lähmen könnte, und blättert in einem Ordner voller Presseartikel, der sich in nur einem Jahr gefüllt hat. Das Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" etwa spottet, ebenfalls auf die unhistorischen Fenstergläser Bezug nehmend, über die "Fehlfarben der thermischen Aufrüstung". Das blaue Glas ist Sinnbild geworden für die Umwandlung des HfG-Gebäudes zur schnöden Gewerbefläche, für die Selbstherrlichkeit einer Stiftung, die sich für Geschichtswahrung nicht interessiert, sondern nur noch fürs Geldverdienen. Nach 30 Jahren ist die Universität Ulm aus dem Denkmalbau ausgezogen. Schnellstmöglich sollen nun die Mieteinnahmen ersetzt werden. Seit Monaten werden die freien Gewerbeflächen beworben. Monika Maus hatte zeitweise Hausverbot auf der Baustelle.

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