Allein schon diese Zeitspanne zeigt: Dieses Vorhaben wird kein Spaziergang. Es ist viel zu tun, bis hier eine 80 Meter breite Freitreppe zwischen dem Palais-Vorfeld sowie einem neu angelegten Gehweg entlang der Konrad-Adenauer-Straße (B 14) mit barrierefreier Bushaltestelle entstanden ist. Aber es geht noch um mehr: Auch im Abschnitt vor dem Hauptstaatsarchiv wird gebaut. Und da lauern im Untergrund Tücken.
Niemand weiß genau, was im Untergrund los ist
Alexander Gass vom städtischen Tiefbauamt sagt: „Ein großer Teil der Baumaßnahme sind Umbauten an bestehenden Bauwerken im Untergrund. Wir können uns da nie ganz sicher sein, ob wir sie so antreffen, wie sie auf unseren Plänen gezeigt werden.“ Umgebaut werden müssen beispielsweise der Pumpenraum des Hauptstaatsarchivs, ein Schacht mit einem Wärmetauscher des Stadtpalais sowie ein Lüftungskanal, der zu den Bauten der SSB-Station Charlottenplatz gehört. Der Lüftungskamin wird künftig mit der Bushaltestelle vor dem Stadtpalais und mit dessen Werbeanlage in einem neuen Bauwerk kombiniert.
Dieser kleine Neubau wird am Rande einer Freitreppe stehen, die an dieser Stelle, beim Charlottenplatz, sehr niedrig sein wird, aber am anderen Ende, zum Hauptstaatsarchiv hin, deutlich höher. Ein Pendant dazu ist inzwischen schon neben dem Neubau der Landesbibliothek entstanden. Verbunden werden können diese beiden Treppenanlagen aber nicht. Der Grund: Der Abstand zwischen dem Hauptstaatsarchiv und dem auf oberem Niveau verlaufenden Gehweg sowie der tiefer liegenden B 14 ist sehr gering, der Höhenunterschied erheblich. Daher müsste eine Treppe in diesem Mittelstück sehr steil ausfallen. Deshalb haben die Planer hier eine rund 60 Meter lange und dreieinhalb Meter hohe Stützmauer aus Sichtbeton vorgesehen. Durch den Verzicht auf eine Treppe bleibt unten neben der Straße Platz für Bäume – und für den Gehweg, der sich nebst Radweg künftig auch auf der Straßenebene zwischen dem Charlottenplatz und der Ulrichstraße durchzieht.
Neue Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer
Früher, als hier noch die Einfahrt zur Parkgarage der Landesbibliothek war, hatten Fußgänger keine Chance, sich an diesem Seitenrand der B 14 zu bewegen. Von der Neuerung verspricht man sich im Rathaus eine Belebung und eine Veränderung in Richtung Stadtboulevard. Der Architekt des Bibliothek-Neubaus, Arno Lederer, hatte das in seinen Plänen vorweggenommen. Das neue Bibliotheksgebäude öffnet sich auch unten zur Straße hin, nicht nur eine Ebene höher zu dem Gehweg, wo bisher Fußgänger zwischen Charlottenplatz und Haus der Geschichte pendeln.
Auch Stadtpalais-Direktor Torben Giese freut sich über die „wichtige städtebauliche Geste“, dass die Trennung der Ebenen an der Kulturmeile überwunden wird. „Für uns wird das absolut toll. Bisher gibt es vor unserem Gebäude ein undefinierte Geländekante. Nachher ist da eine Treppe, auf der sich Menschen aufhalten, wie bisher schon jeden Abend vor unserem Gebäude.“ Das passe zum Ansatz des Stadtpalais, sich zur Stadt hin zu öffnen und den Menschen und der Stadtgesellschaft tatsächlich öffentlichen Raum zu geben.
Stadt und Land haben Baukosten von insgesamt 5,6 Millionen Euro
Für das Gesamtvorhaben müssen das Land und die Stadt eng zusammenwirken. Im Bereich Landesbibliothek verantwortete und bezahlte das Land die bereits gebaute Treppe, im Bereich Stadtpalais baut und bezahlt die Stadt: rund 3,3 Millionen Euro. Für den rund 2,3 Millionen Euro teuren Abschnitt beim Hauptstaatsarchiv wird man sich die Kosten teilen.
Vor allem die Busfahrgäste und Fußgänger werden die Bauarbeiten zu spüren bekommen. Die Bushaltestelle vor dem Stadtpalais wird zur Bushaltestelle jenseits der Charlottenstraße, bei der Esslinger Straße, verlegt. Der Überweg über den B-14-Deckel zwischen Stadtpalais und Akademiegarten soll zeitweise gesperrt werden. Die Fahrspuren werden zeitweise reduziert und verschwenkt werden, doch über die ganze Bauzeit hinweg sollen alle Fahrbeziehungen erhalten bleiben.