Umbau des Vorstands bei der EnBW Was Stamatelopoulos jetzt zur Chefsache macht
Die EnBW krempelt ihren Vorstand drastisch um. Der Energieversorger verändert Zuständigkeiten in zentralen Geschäftsbereichen. Nicht alle freut das.
Die EnBW krempelt ihren Vorstand drastisch um. Der Energieversorger verändert Zuständigkeiten in zentralen Geschäftsbereichen. Nicht alle freut das.
Der EnBW-Konzern will Milliarden in die Energiewende investieren – und sieht sich im Zuge dieses Wachstumskurses zu drastischen Veränderungen im Vorstand veranlasst. Der Energieversorger will ab September die Zuschnitte für wesentliche Ressorts verändern, wie der Karlsruher Konzern am Dienstag mitteilte. Zur Chefsache macht der Vorstandsvorsitzende Georg Stamatelopoulos fortan drei Geschäftsbereiche, die zurzeit noch anderen Ressorts zugeordnet sind.
In die Verantwortung des 54-jährigen Managers fallen künftig die Kernthemen Innovation, Forschung und Entwicklung sowie Arbeitssicherheit und Krisenmanagement. „Darauf haben wir uns im Vorstand nach ausführlicher Diskussion verständigt“, sagte Stamatelopoulos. Einer Sprecherin zufolge will die EnBW mit diesem Schritt in der Konzernspitze alle Bereiche bündeln, die sich mit technologischen Weiterentwicklungen in der Energiewelt beschäftigen. Der Aufsichtsrat hat einem entsprechenden Vorschlag des Vorstands grünes Licht gegeben.
Als Gründe für den veränderten Zuschnitt im Vorstand nennt die EnBW in einer Mitteilung „anspruchsvolle Wachstumsziele“, die eine „beispiellose Einstellungsoffensive“ erforderten. Bis 2030 will Stamatelopoulos 40 Milliarden Euro in die Energiewende und in das Wachstum der EnBW investieren – das erfordert viel Personal, doch es mangelt an Fachkräften. In den kommenden sechs Jahren muss die EnBW eigenen Angaben zufolge Neueinstellungen in einem Umfang von mehr als 50 Prozent der heutigen Belegschaft schultern. Mehr als 9600 neue Mitarbeiter werden bereits in den kommenden zwei Jahren benötigt.
Um diesen Kraftakt zu bewältigen, schreckt die EnBW nicht vor drastischen Schritten zurück. Leidtragende dabei ist die für Recht und Personal zuständige Vorständin Colette Rückert-Hennen. Die 63-Jährige soll sich ab September nurmehr „voll und ganz“ auf die Leitung des Personalressorts konzentrieren. Die Verantwortung für das Vertriebsressort indes verliert die Managerin. Stattdessen wandert das Endkundengeschäft mit Strom und Gas in die Hände von Vorstandsmitglied Dirk Güsewell. Der 54-Jährige leitet das Ressort Systemkritische Infrastruktur – bald sollen alle kundenorientierten Geschäftsfelder in seinen Händen gebündelt werden.
Die Verantwortung für die ebenfalls zum Vertriebsressort gehörende kriselnde EnBW-Tochter Senec in Leipzig übernimmt vorübergehend Finanzvorstand Thomas Kusterer. Das Unternehmen, einer der großen Anbieter von Stromspeichern für Photovoltaikanlagen, soll nach Problemen mit Zehntausenden von Geräten neu ausgerichtet werden. Derzeit werde auf Basis einer neuen Batterietechnologie ein neues Produktportfolio entwickelt, hieß es. Danach soll die Stromspeicherfirma in das Vertriebsressort unter Führung von Vorstand Güsewell integriert werden.