Umbau Villa Berg in Stuttgart Stolze Welle oder wieder tiefer legen?
Bürgerschaftliches Engagement für den Erhalt und Umbau der Villa Berg im Stuttgarter Osten hat sich gelohnt – hoffentlich folgt Mut zur Architektur.
Bürgerschaftliches Engagement für den Erhalt und Umbau der Villa Berg im Stuttgarter Osten hat sich gelohnt – hoffentlich folgt Mut zur Architektur.
Blickt man auf die Liste der erst in der Nachkriegszeit abgerissenen architektonischen Perlen der Stadt, könnte man vor Wut erbleichen. Dass die Villa Berg, obschon im Zweiten Weltkrieg zerbombt, noch steht, ist dem SDR (heute SWR) zu danken. Das Denkmalschutzamt habe in den 1950ern wenig übrig gehabt für den Bau im italienischen Neo-Renaissancestil, das haben die Architekten vom renommierten Atelier Brückner recherchiert, die nun zwei Entwürfe für den Umbau vorgelegt haben.
Die Menschen hingegen wertschätzen die Villa. Als 2016 die Stadt die langsam verfallende Villa gekauft hatte, startete zugleich die informelle Bürgerbeteiligung – und ist bis heute engagiert drangeblieben. Tausende Bürgerinnen und Bürger setzten sich vehement für den Villenerhalt und die Wiederbespielung ein.
Dass das Atelier Brückner heute zwei unterschiedliche Entwürfe präsentieren kann, von denen einer auf jeden Fall umgesetzt wird, das ist diesem ausdauernden Gestaltungswillen zu danken.
Der Neubau muss sich zwischen denkmalgeschützten Heroen – Villa von Architekt Christian Friedrich von Leins von 1853 und SWR Funkhaus von Architekt Rolf Gutbrod von 1976 – behaupten. So behutsam mit dem Bestand und der Historie des Ortes umgegangen wird – ob es gelingt, wenn so ein Mammutprojekt tiefer gelegt wird, Räume in den Keller verbannt werden und die Villa ihre Türmchen zurückerhält?
Womöglich können Konzertsaal, Proberäume, Orte für die soziokulturelle Szene oberirdisch, demokratisch selbstbewusst, gleichberechtigt neben dem einstigen Adelsferienhaus stehen.
Ein architektonisch mutiger Bau, der sich mit seiner Wellenfassade dennoch am Bestand orientiert, dürfte langfristig, also nachhaltig, auch Strahlkraft sowohl für Bürgerinnen und Bürger der Stadt und für Besucher von außerhalb entfalten.