Umbauarbeiten laufen Gebetsräume sollen im April fertig sein

An der Herschelstraße  entsteht ein Gebetsraum für Muslime. Foto: Alexandra Kratz
An der Herschelstraße entsteht ein Gebetsraum für Muslime. Foto: Alexandra Kratz

Dort wo einst neben der BW-Bank eine Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker residierte wird an der Herschelstraße in Dürrlewang gegenwärtig ein türkisches Kulturzentrum mit Gebetsräumen für Muslime eingerichtet. Die Einweihung ist im April geplant.

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Dürrlewang - Ein wenig kann Orhan Oktay die Bedenken einiger Bürger aus Dürrlewang verstehen, die nicht so recht wissen, was sie davon halten sollen, dass im Gebäude an der Herschelstraße 1 ein türkisches Kulturzentrum mit Gebetsräumen eingerichtet wird. Der Vorsitzende des türkischen Kulturvereins Vaihingen unter dem Dach des Landesverbands Baden-Württemberg der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) weiß schließlich nur zu gut, dass Menschen muslimischen Glaubens derzeit nicht überall im besten Licht dastehen. Dennoch muss er ein wenig schmunzeln, wenn er mit Fragen konfrontiert wird, ob das Gebäude, in dem einst die Drogeriemarktkette Schlecker mit einer Filiale residierte, ein Minarett erhält und ob von dort auskünftig vielleicht sogar ein Muezzin die Muslime zum Gebet ruft.

„Solche Fragen wurden mir bei unseren Tagen der offenen Baustelle mehrfach gestellt“, sagt Oktay. Er hofft aber, dass er und die anderen Mitglieder des Vereins bei den Tagen der offenen Baustelle kürzlich allen Besuchern die Sorgen nehmen konnten, dass mitten in Dürrlewang eine Moschee entsteht, die negativ auf ihre Umgebung wirkt. Denn genau das Gegenteil wolle der türkische Kulturverein erreichen, sagt Oktay. In den einstigen Verkaufs- und Lagerräumen soll neben Gebetsräumen für Menschen des muslimischen Glaubens auch ein Platz für offene Begegnungen entstehen – für Menschen aller Glaubensrichtungen.

Im Erd- und Untergeschoss entstehen Gebetsräume

Anfang April sollen die derzeit laufenden Umbauarbeiten in dem Gebäude abgeschlossen sein. „Wir müssen einige Dinge umgestalten, damit wir die Räume künftig für unsere Zwecke nutzen können“, sagt Orhan Oktay. So würden aus dem Lager- und dem Geschäftsraum im Unter- und Erdgeschoss Gebetsräume werden, es würden zusätzliche Sanitärräume eingebaut und Räume für Zusammenkünfte geschaffen. Auch eine Art Café wolle man einrichten, um dort mit Nachbarn und anderen Interessierten einen Dialog führen zu können, macht Oktay deutlich.

Um ihre Religion in der Gemeinschaft ausüben zu können, waren die in Dürrlewang und Umgebung lebenden Muslime, die vor etwa anderthalb Jahren den türkischen Kulturverein Vaihingen gegründet haben, über Jahre in der evangelischen Stephanusgemeinde zu Gast. „Wir haben dort immer wieder den Gemeindesaal gemietet“, sagt Oktay. Er freut sich vor allem darüber, dass das Verhältnis zur Stephanusgemeinde stets gut war und immer noch ist. „Wir haben dort zu Ramadan auch gemeinsam das Fastenbrechen gefeiert“, sagt Oktay, der auch in Zukunft auf die Freundschaft zur Stephanusgemeinde setzt.

Auch Muslime aus Vaihingen und Büsnau kommen

Die Muslime, die das Kulturzentrum nutzen werden, kommen laut Oktay primär aus Dürrlewang, aber auch aus Vaihingen, Büsnau oder dem Stuttgarter Süden kämen die Mitglieder des Vereins. Mit den Tagen der offenen Baustelle habe man einen ersten Kontakt zur Öffentlichkeit gesucht und gefunden. „Es sind viele interessierte Leute gekommen“, sagt Oktay erfreut.

Einer, der sich vor Ort umgesehen hat, war der ehemalige SPD-Bezirksrat und Rohrer Vereinsringvorsitzende Klaus Trott. Auch er war mehrfach von Bürgern gefragt worden, was denn im Gebäude Herschelstraße 1 passiere. Dass künftig bei Veranstaltungen bis zu 150 Personen in das türkische Kulturzentrum kommen, bereitet Trott etwas Kopfzerbrechen. Vor allem wegen der nicht vorhandenen Parkplätze. Trott hätte sich zudem von den Verantwortlichen der Stadt eine umfassende und frühe Information zum Thema gewünscht.

Verein war schon länger auf Suche nach Räumen

Für den Vaihinger Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt sind die Parkplatzsorgen nicht ganz nachzuvollziehen. „Wenn wir dort ein Geschäft hätten, müssten die Kunden auch parken“, sagt er. Auch ansonsten sei alles rechtens. Über die Einrichtung des türkischen Kulturzentrums an der Herschelstraße hatte er selbst „eher hinten rum“ erfahren, wie er sagt. Dies sei aber auch nichts Ungewöhnliches, denn der Verein sei ja nicht verpflichtet, sich beim Bezirksamt zu melden. Die Information hatte Meinhardt über eine Mitteilung des Baurechtsamts erreicht, mit der er über die Umwandlung und Nutzungsänderung der Räume an der Herschelstraße informiert worden war. Dass einige Bürger angesichts des Vermerks „...und gottesdienstliche Zwecke in Form einer Moschee“ auf dem roten Punkt zur Baugenehmigung irritiert gewesen seien, kann er verstehen. Der Verein sei aber schon länger „auf der Suche nach Räumen für eine Gebetsstätte, als Versammlungsraum und zur Hausaufgabenhilfe“ gewesen. Man habe auch bei ihm angefragt, ob es geeignete Räume mit einer Größe von bis zu 250 Quadratmetern gebe. Die gab es von kommunaler Seite aber nicht.

Etwas über dieser Größenordnung liegt das Objekt, das der türkische Kulturverein jetzt von der Achte Argon GmbH gemietet hat. Das Unternehmen, das zum Imperium des ehemaligen Porsche-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch gehört, hat laut Handelsregistereintrag als Geschäftszweck unter anderem „den Erwerb, das Halten, Verwalten und Verwerten von Gebäuden und Grundstücken sowie deren Bebauung“. Von daher rätselt man in Dürrlewang freilich nicht nur darüber, wie sich der Kulturverein künftig entwickelt und welche Auswirkungen es auf das Umfeld gibt. Auch was langfristig aus der BW Bank wird, die ebenfalls in der Immobilie an der Herschelstraße zu finden ist, fragen sich viele Bürger. An dem vor Ort kursierenden Gerücht, die Filiale würde in absehbarer Zeit geschlossen, ist nach Auskunft eines BW-Bank-Sprechers nichts dran: „Die Filiale bleibt an ihrem Standort erhalten.“




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