Straßenkonzept gilt als nicht mehr zeitgemäß
Die aktuelle Stadtplanung hält das nicht mehr für zeitgemäß. Bereits mit der Umgestaltung der Neustädter Straße sowie der Devizesstraße wurden alternative Fortbewegungsmittel wie ÖPNV, Rad und auch der Fußgängerverkehr stärker in den Fokus der Betrachtungen gerückt.
Nun soll die in Richtung Stuttgart und Fellbach führende Talstraße in Angriff genommen werden. Vier Jahre lang bastelte das Waiblinger Stadtplanungsamt zusammen mit externen Dienstleistern an einem Umgestaltungskonzept nebst Anschlussplanungen, in die neben allgemeinen verkehrsplanerischen Themen auch die Berücksichtigung von Umweltbelangen eingeflossen sind. So soll das Stadtklima durch zusätzliche Baumpflanzungen sowie Grün- und Retentionsflächen verbessert werden.
Die Fahrbahn soll auf eine Regelbreite von 6,50 Metern reduziert und mit Gehwegen auf beiden Seiten ausgestattet werden. Außerdem sind straßenbegleitende Grünflächen und bergauf ein durchgehender Radweg geplant. Die Kreuzung zu Schmidener Straße und Westtangente könnte wie bisher mit einer Ampel geregelt oder durch einen Kreisverkehr ersetzt werden. Die Stadtverwaltung bevorzugt letztere Variante.
Gut ein Dutzend Bäume muss weichen
Während die Zahl der Parkplätze von derzeit 32 nahezu erhalten werden könnte, müsste der Neustrukturierung gut ein Dutzend Bäume, Birken und Platanen, weichen. Oliver Strauß, Fachbereichsleiter städtische Infrastruktur, sieht darin aber keinen Hinderungsgrund. Zum einen seien die Bäume mangels geeigneter Wurzelbereiche schon jetzt in keinem guten Zustand, zum anderen würden sie durch Neupflanzungen mehr als ersetzt. Die Variante mit Kreisverkehr sehe unter dem Strich ein Plus von mehr als 20 Gewächsen vor – und dazu noch Arten, die besser mit den sich ändernden klimatischen Verhältnissen zurecht kämen.
Endlosdiskussion um Schmidener Straße
Während der von der Verwaltung gewünschte Auftrag zu Bürgerbeteiligung und Konkretisierung der Pläne im zuständigen Gemeinderatsausschuss trotz langer Diskussion am Ende mehr oder weniger zur Formsache geriet, muss ein anderes, eigentlich planerisch deutlich weiter gediehenes Umbauprojekt, die Schmidener Straße, erneut eine Konzeptionsschleife drehen.
Nahezu seit zehn Jahren schon setzen sich die Stadtplaner mit dem Thema auseinander, die einstige Haupteinfallstraße der Stadt unter ähnlichen Gesichtspunkten wie die Talstraße auf aktuelle Bedürfnisse anzupassen. Mehrere Entwürfe sind dabei vorgelegt, vom Gremium aber immer wieder verworfen worden. Der Knackpunkt: Egal mit welcher Variante, der Umbau ist mit einem nicht unerheblichen Wegfall von Stellplätzen verbunden. Zwar sind im jüngsten Verwaltungsvorschlag noch drei Stellplätze rausgeschwitzt worden, doch in Summe würden letztlich gegenüber dem aktuellen Bestand immer noch zwölf Parkmöglichkeiten wegfallen.
Traditionsmetzgerei sieht Existenz bedroht
Auch wenn Oliver Strauß und sein Chef, Baubürgermeister Dieter Schienmann, unisono beteuerten, auch zahlreiche Wünsche und Anregungen aus einer bereits zweiten Bürgerbeteiligungsrunde mit in die Pläne aufnehmen zu wollen, ist das einem Gutteil der Gemeinderäte nicht genug. Insbesondere das Problem einer örtlichen Traditionsmetzgerei, die den Wegfall der Parkplätze als existenzbedrohend ansieht, soll auf Biegen und Brechen gelöst werden. Deren zwei aktuell geduldete, wohl schon jetzt aber nicht ganz straßenverkehrsregelkonforme Stellplätze in unmittelbarer Nähe müssten zu Gunsten eines durchgängigen Fußweges und einer behindertengerechten Bushaltestelle weichen. Man habe planerisch alles versucht, um an der Stelle doch noch Parkplätze möglich zu machen, versichert der Baubürgermeister Schienmann, habe dies letztlich aber verwerfen müssen. „Mehr ist leider nicht möglich.“
Dennoch biss er im Gremium derart auf Granit, dass er sich letztlich darauf einließ, in einer neuerlichen Entwurfsplanung noch einmal eingehend prüfen zu lassen, ob eine Verlegung der Bushaltestelle nicht doch noch die heiß ersehnten Parkplätze möglich machen könnte.