Kaum wird es dunkel in der Stuttgarter Liederhalle, applaudieren die Zuschauerinnen und Zuschauer lautstark. Hier und dort hört man jemand „Umbertooo“ rufen. Und da kommt Umberto Tozzi schon auf die Bühne, im schwarzen Samtanzug und mit getönter Sonnenbrille, und sagt: „Das ist schön.“ Das sei leider der einzige Satz, den er auf Deutsch sagen könne, fügt er hinzu. Ob er vielleicht Italienisch sprechen könne, fragt der berühmte italienische Popstar. Natürlich rufen alle im Saal „Siiiiiiiii!“ Die meisten seiner Fans hier leben vermutlich schon lange in Deutschland, aber im Herzen sind sie natürlich immer auch Italienerinnen und Italiener geblieben.
Bei seiner Abschiedstournee bringt er noch einmal seine größten Hits
„L’ultima notte rosa“ – „die allerletzte rosa Nacht“ heißt Tozzis Abschiedstour. Nach fast 60 Jahren Musikkarriere und rund 80 Millionen verkauften Alben verabschiedet sich der italienische Singer- und Songwriter von der Bühne. Den Abend eröffnet Tozzi mit einer Lichtershow zu „Notte Rosa“, danach kommen seine italienischen Anhänger direkt bei seinem Welthit „Ti amo“ auf ihre Kosten. Natürlich können alle fast jede Zeile auf Italienisch mitsingen. „Ti amo“, der Song, der später so oft in anderen Sprachen gecovert wurde, hat den Musiker aus Turin 1977 international berühmt gemacht.
Bei seiner letzten Tour bringt Tozzi aber natürlich seine großen Klassiker: Nach „Gli altri siamo noi“ und „Gli innamorati“ folgt direkt „Si può dare di più“. Mit diesem Song habe er einst das Sanremo-Festival gewonnen, kündigt Tozzi an.
Den ersten Teil des Abends widmet Tozzi seinen ruhigeren Herzschmerzballaden, die er teils am Klavier begleitet: „Qualcosa, qualcuno“, „Lei“ und „Eva“. Richtig Stimmung kommt in der Liederhalle erst bei dem Lied auf, das Tozzi allen Italienern widmet, nämlich „Gente di Mare“. Und plötzlich sind es nicht nur mehr die drei sympathischen, älteren italienischen Herren vor einem, die begeistert mitklatschen und mitsingen, sondern der ganze Saal singt aus tiefstem Herzen: „Gente di Mare – che se ne va – dove gli pare – dove non sa“.
Große Gefühle und viel Nostalgie
Zwei seiner allergrößten Hits hat er für das Finale aufgehoben. Bei „Tu“ und „Gloria“ stürmen die Italienerinnen und Italiener in Richtung Bühne, tanzen und singen inbrünstig mit. Es ist ein Abend voller Emotionen, Nostalgie und eine Liebeserklärung an das italienische Lebensgefühl. Und als längst das Licht wieder an ist, hält der Applaus für Tozzi und seine Band noch minutenlang an. Und sogar einer der wenigen Deutschen ruft: „Hammer! Hammer! Hammer!“