Umfrage der EdF nach EnBW-Deal Wie ist die Stimmung im ganzen Land?

Die EdF-Konzernzentrale in Paris – hier wird die Umfrage zum Image des Energiekonzerns koordiniert. Foto: StZ
Die EdF-Konzernzentrale in Paris – hier wird die Umfrage zum Image des Energiekonzerns koordiniert. Foto: StZ

Ausgerechnet Abgeordnete aus dem EnBW-Ausschuss fragt der Pariser Stromkonzern Électricité de France nach seinem Image. Deren Rat: die EdF solle endlich bei der Aufklärung in Sachen EnBW-Deal mithelfen.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Bei der Electricité de France (EdF) hat sich der Untersuchungsausschuss zum EnBW-Deal bisher nur Abfuhren eingehandelt. Allzu gerne hätten die Landtagsabgeordneten den Konzernchef Henri Proglio und weitere Manager zu dem Milliardengeschäft von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) befragt. Doch die Franzosen wollen partout nicht als Zeugen nach Stuttgart kommen, und zwingen kann man sie nicht. Auch ein schriftlicher Fragenkatalog, den der Ausschuss ersatzweise nach Paris schickte, ist seit Monaten unbeantwortet. Der Grund der Funkstille: die EdF ist offenkundig höchst verärgert über die Schiedsklage, mit der das Land Baden-Württemberg gut 800 Millionen Euro zurückfordert – knapp ein Fünftel des Kaufpreises von 4,6 Milliarden Euro.

Umso überraschter waren Mitglieder des Ausschusses, als sich der französische Staatskonzern jetzt indirekt bei ihnen meldete. Teils telefonisch, teils schriftlich erkundigte sich das Marktforschungsinstitut TNS Sofres, ob sie an einer Studie teilnehmen würden. Man sei von der EdF beauftragt, „auf Basis von Einzelinterviews ihr Image bei deutschen Meinungsführern zu untersuchen“. Die Wahrnehmung des Unternehmens, Einschätzungen zu Stärken und Schwächen sowie zu den „Entwicklungsperspektiven in Deutschland“ – darum solle es in den ein- bis anderthalbstündigen Interviews gehen, entweder telefonisch oder „in Ihrem Büro“. „Ihre Meinung als erfahrene Persönlichkeit aus dem Energiemarkt ist uns sehr wichtig und würde uns helfen, das Image von EdF in Deutschland präzise zu definieren“, schrieben der Institutschef und die Projektleiterin.

Keine konkreten Pläne für Rückkehr nach Deutschland

Alle Angaben würden „vertraulich und anonym“ ausgewertet, die Namen blieben aus dem Spiel. Zuständig in der Konzernzentrale sei nebst dem Chef der Marktforschung der Europa-Direktor Gérard Roth – just jener frühere Deutschland-Chef, den der Ausschuss ebenfalls gerne hören würde. Der von Mappus gebotene Preis für die EnBW-Aktien, soll er gesagt haben, sei für die EdF einfach unwiderstehlich gewesen. Angesichts des Aufschlages von 18 Prozent auf den aktuellen Kurs hätten sich die Diskussionen über Für und Wider des Verkaufs schnell erledigt. Die Interviewanfrage verblüffte die Abgeordneten gleich doppelt. Planten die Franzosen zwei Jahre nach dem EnBW-Deal etwa wieder die Rückkehr nach Deutschland? Führende Manager wie der einstige EnBW-Vizevorstandschef Pierre Lederer hatten schließlich schon früh angekündigt, man wolle auf dem „größten Energiemarkt in Europa“ bald wieder präsent sein; derzeit unterhält die EdF nur ein Büro in Berlin.

Doch aus Konzernkreisen verlautet, es gebe keine konkreten Pläne für ein neues Engagement. Nach der Energiewende sei der Markt bekanntlich sehr schwierig. Man lasse das eigene Image regelmäßig untersuchen, hieß es, und das in vielen Ländern. Bei der Deutschland-Studie liege diesmal aber ein besonderer Fokus auf Baden-Württemberg. Dort sei das Ansehen ja womöglich beeinträchtigt.

Abgeordnete von SPD und Grünen reagieren spöttisch

Die Reaktionen aus Stuttgart dürften die Franzosen in dieser Sorge bestätigen. Verwunderung und Spott ernteten sie bei den Obleuten von Grünen und SPD im EnBW-Ausschuss. „Wir warten seit Monaten vergebens auf die Beantwortung unseres Fragenkatalogs. Kein Wunder sorgt sich die EdF um ihr Image“, sagt der SPD-Abgeordnete Sascha Binder der StZ. Sein Angebot: „Wenn Herr Proglio nach Stuttgart kommt, können wir im Untersuchungsausschuss gerne die Rolle der EdF in Baden-Württemberg erörtern.“ Sein Grünen-Kollege Hans-Ulrich Sckerl hat ebenfalls einen „Tipp zur Imageverbesserung“ parat: „Die EdF könnte das langwierige Schiedsverfahren abkürzen und dem Land einen großzügigen Vergleich zur Rückerstattung des beim Aktienkauf überzahlten Betrags anbieten.“ An der Studie wollen sich beide, natürlich, nicht beteiligen.

Wer sonst noch kontaktiert wurde, ist nicht bekannt. Ausgerechnet der CDU-Obmann im Ausschuss, Volker Schebesta, hat nach eigenen Angaben bisher keine Post aus Paris erhalten. Dabei könnte die EdF bei ihm vielleicht auf mehr Verständnis hoffen: CDU und FDP kritisieren die Schiedsklage schließlich scharf – was ihnen die Regierungsparteien gleichsam als Verrat von Landesinteressen ankreiden.

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