Umfrage unter Mountainbikern Größter Wunsch: legal unterwegs sein in Stuttgarts Wäldern

Von dane 

Naturerlebnis, Fitness und Spaß wollen Mountainbiker möglichst miteinander verbinden. Die meisten sind bereits zufrieden mit den vorhandenen Bedingungen und Trails in der Landeshauptstadt. Jetzt müssten diese nur noch legal sein. 

Unser Interviewpartner Michael Och, Schriftführer im Verein Mountainbike Stuttgart, bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung - Radfahren. Foto: MTB Verein Stuttgart 6 Bilder
Unser Interviewpartner Michael Och, Schriftführer im Verein Mountainbike Stuttgart, bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung - Radfahren. Foto: MTB Verein Stuttgart

Touren von zwei bis vier Stunden sollten möglich sein, auf Trails, die rund 30 Kilometer lang sind und 700 Höhenmeter fürs Ausdauertraining bieten. Ein paar herausfordernde Abschnitte dürfen ruhig dabei sein und weitere Downhillstrecken wären zudem wünschenswert sowie ein offizielles Trainingsgelände für Sprünge und Parcours. Auf den ersten Blick wirkt recht anspruchsvoll, was sich die Mountainbiker in Stuttgart alles wünschen. Doch weit gefehlt, sagt Michael Och. Er ist Initiator der Umfrage, an der sich mehr als 1000 Stuttgarter Biker beteiligten und Schriftführer des Vereins Mountainbike Stuttgart.

Herr Och, nicht gerade bescheiden, was sich Mountainbiker in Stuttgart für ihren Sport erträumen

Ganz im Gegenteil. Ein herausragendes Ergebnis der von uns als Verein durchgeführten Umfrage war für mich, dass die meisten bereits zufrieden sind mit den Trails, die wir in Stuttgart haben. Die Basis ist toll. Jetzt müssten die Trails nur noch legalisiert werden.

Woran hapert es? Warum verweigert die Stadt dieses Ansinnen?

Weil es laut Stadtverwaltung der Naturschutzverträglichkeit widerspricht. Dieses Argument geht jedoch ganz klar an der Realität vorbei. Das Naherholungs- und MTB-Konzept widerspricht nicht der Naturverträglichkeit. Im Gegenteil. Mit dem sinnvollen Planen und Legalisieren von Trails in einem durchdachten Gesamtkonzept kann diese erst richtig und umfassender als momentan gewährleistet werden. Biken ist zudem ein Natursport, weil er keine Parkplätze und Infrastruktur wie Straßen etc. braucht, weil 90 Prozent der Biker aus eigener Muskelkraft und ohne Abgase auf Tour gehen.

Obendrein zeigen die Umfrageergebnisse auch, dass viele unserer Mitglieder bereit sind, mitanzupacken, um das Konzept umzusetzen. Ehrenamtlich. Wir brauchen dazu keine Gelder.

Selbst die Arme hochkrempeln, unentgeltlicher Einsatz für eine fahrradfreundlichere Landeshauptstadt – damit müsste der MTB Stuttgart im Rathaus doch offene Türen einrennen

Im vergangenen Jahr gab es einen Gemeinderatsbeschluss. Demnach soll für den Wald ein Konzept erarbeitet werden, das möglichst allen Nutzern gerecht wird. Mittlerweile wurde eine Firma damit beauftragt. Damit ist der erste Schritt gemacht. Wir wünschen uns dennoch weiterhin einen Dialog mit unserem Verein auf Augenhöhe. Das geschieht momentan noch nicht. Liegt vielleicht auch daran, dass alle genug mit der Planung des Konzepts zu tun haben. Aber wir könnten Wertvolles dazu beisteuern. Wir sind seit Vereinsgründung Anfang des Jahres auf 1200 Mitglieder angewachsen. Das Mountainbiken boomt derart. Auch durch die ganze E-Bike-Geschichte. Es ist mittlerweile ein Breitensport geworden. Wir sind nicht mehr die Exoten. Wir sind viele, wir sprechen für viele und wir haben die Expertisen.

Diese hätte man wohl besser auch beim Bau des Woodpecker, der Downhillstrecke im Stuttgarter Süden, herangezogen. Laut Ihrer Umfrage wird die Strecke kaum genutzt, da sie nicht den Anforderungen der Mountainbiker entspricht

Die Woodpecker-Strecke ist entstanden, bevor der große Hype rund ums Mountainbiken losging. Typisch für Stuttgart hat die Realisierung der Downhillstrecke sehr lange gedauert. Mittlerweile sind so viele neue Biker dazugekommen. Daher ist jetzt etwas Anderes gefragt. Selbst hochpedalieren statt Zacke fahren ist angesagt. Es geht um anspruchsvolle, koordinative Trails. Die Entwicklung hat im Falle der Woodpecker-Strecke die Planung überholt.

Aber die Woodpecker-Strecke hat doch trotzdem ihre Berechtigung

Natürlich. Junge Leute unter 20, die sich einführen in den Sport, nutzen diese. Die meisten unserer Mitglieder sind um die 30. Es ist also eine andere Altersklasse, die wir mit unserem Verein vertreten und die sich bei der Umfrage zu Wort gemeldet hat.

Soll sich daran etwas ändern? Möchten Sie Sprachrohr für möglichst viele Stuttgarter Mountainbiker werden?

Wir möchten sehr gerne Familien eine Vereinskultur ermöglichen. Jugendarbeit machen, den Sport fördern, so wie das Tennis-, Leichtathletik- oder Turnvereine auch machen. Wenn es keine legalen Strecken gibt, dann können wir das alles gar nicht bieten, können keine normalen Vereinsstrukturen aufbauen. Und Vereine zu fördern, das gehört schließlich auch zu den Aufgaben einer Stadt. Umgekehrt können wir als Verein die Informationen geben, die eine Verwaltung benötigt. Kommunikation, Kultur und Eigenintitiative, das sind unsere drei größten Vereinsziele. An denen werden wir weiter arbeiten.

Info: Näheres rund um den Verein Mountainbike Stuttgart auf deren Homepage.

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