Eine neue Erhebung fördert Bedenkliches zutage: Eine deutliche Mehrheit der jüdischen EU-Bürger beklagt eine Zunahme des Antisemitismus. Auch in Deutschland ist die Entwicklung besorgniserregend.

Ein Großteil der jüdischen Menschen in der EU fürchtet um die eigene Sicherheit. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) unter fast 8.000 Juden in 13 Staaten hervor, darunter auch Deutschland. Demnach verbergen 76 Prozent ihre jüdische Identität zumindest gelegentlich. Jeder dritte Befragte meidet wegen Sicherheitsbedenken jüdische Veranstaltungen und Orte.

 

80 Prozent sind überdies der Meinung, dass der Antisemitismus in ihrem Land in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. Gravierend sei vor allem die Entwicklung im Internet: 90 Prozent berichteten über Judenhass im Netz.

Die Ergebnisse aus Deutschland entsprechen dem Gesamttrend. 51 Prozent der 892 befragten Juden in Deutschland - ein vergleichsweiser hoher Wert - trugen sich mit dem Gedanken, die Bundesrepublik zu verlassen. Insgesamt leben rund 170.000 Juden in Deutschland.

Lage hat sich seit Beginn des Nahost-Kriegs verschärft

Die Erhebung wurde den Angaben zufolge im ersten Halbjahr 2023 vorgenommen, also vor Beginn des Nahost-Kriegs am 7. Oktober. Seither habe sich die Lage noch einmal verschärft. „Europa erlebt eine Welle des Antisemitismus, die teilweise durch den Konflikt im Nahen Osten angeheizt wird“, sagte FRA-Direktorin Sirpa Rautio. Einige jüdische Organisationen berichteten über eine Zunahme antisemitischer Vorfälle um das Vierfache.