Ist angesichts dringender Sanierungsaufgaben bei Schulen, Kitas oder Radwegen eine solche Investition noch gerechtfertigt? Axel Finkelnburg und Christine Rebsam-Bender von der SPD sagen Nein: „Wir beide wollen ein saniertes Sport-und Familien-, aber kein Spaßbad. Die Verwaltung argumentiert, dass sie schauen will, wo Kosten eingespart werden können. Wenn man sich die Preissteigerungen anderer Projekten ansieht, glaube ich nicht, dass ein Spaßbad billiger wird.“ Aus Sicht der gesamten Fraktion sei wichtig, dass das Bad für alle bezahlbar bleibe, für Anwohner ein geeignetes Verkehrskonzept erarbeitet und ein vernünftiger finanzieller Rahmen gefunden würden.
Grünen favorisieren Umbau ohne Saunalandschaft
Die Grünen-Fraktionschefin Sabine Kober fasst die Position so zusammen: „Wir stehen einer Sanierung des Hallenbades positiv gegenüber. Das Bad ist für Familien aber unattraktiv.“ Potenzial sehe man in einer Rutschenlandschaft. Investieren würde ihre Fraktion also durchaus – nicht aber für Wellenbad, Außenschwimmbecken und Saunen. Letztere werde auch abgelehnt, weil sie eine Konkurrenz zu den Mineralthermen Böblingen schaffen würde. „Wir wollen das Verhältnis zur Nachbarstadt nicht noch mehr belasten“, sagt Kober mit Blick auf die Verstimmungen der Städte, zuletzt beim Thema Rappenbaumhallenbad. „Im Moment steht Sindelfingen finanziell gut da. Dieser Spielraum sollte für Schulen, Kitas und andere Bäder genutzt werden.“
Die Freien Wähler (FWS) befürworten grundsätzlich die Verwaltungsvorlage, welche sich auf einen Gemeinderatsbeschluss von 2019 stützt. „Für uns sind die Kosten entscheidend. Wir brauchen eine Sanierung“, sagt Dorothee Kadauke. Die FWS plädierten für ein Bad mit Rutschen und Wellenbad, Aufenthaltsflächen sowie einer Saunawelt. Gut frequentierte Saunen seien wichtig, um die Eintrittspreise günstig zu halten. „Es braucht einen angenehmen Aufenthaltsort für Familien – vor allem in Zeiten, in denen nicht jeder in Urlaub fahren kann.“ Weil die Berechnungen bisher zu spekulativ seien, sagt Kadauke: „Wir brauchen genaue Zahlen.“
CDU äußert sich positiv – verlangt aber mehr Zahlen
Die CDU vertritt eine ähnliche Meinung: „Wir sehen in den Plänen für das Badezentrum die Chance, dass Sindelfingen ein attraktives Sport- und Familienbad erhält, das allen Generationen ein Angebot machen kann“, erklärt Maike Stahl. „Die Kostenschätzung stellt die Möglichkeit in Aussicht, durch einen Ausbau eine breitere Nutzerschicht bei geringeren laufenden Kosten zu erreichen. Damit bliebe die Haushaltsbelastung gleich. Auch notwendige Investitionen in Schulen und Infrastruktur wären möglich“, sagt die Fraktionschefin. Einfach zustimmen könne die CDU dennoch nicht: „Es muss ein aktualisiertes und belastbares Verkehrs- sowie ein realisierbares Betreiberkonzept vorliegen“, unterstreicht Stahl.
Der Sanierungsstau im Bildungs- und Infrastrukturbereich besorgt auch die FDP. Gerade deshalb schaut Fraktionschef Max Reinhardt kritisch auf das Projekt: „Uns geht es um die richtigen Prioritäten: Wir wollen in die Sanierung von Schulen und Kitas investieren, nicht in ein Prestige-Bad für 100 Millionen Euro. Auch bei den Sport- und Veranstaltungsstätten, bei Galerie und Bibliothek, Straßen, Radwegen und den Bädern in den Teilorten gibt es einen bisher nicht angegangenen Sanierungsstau.“
Die FDP rechnet mit einem Geldbedarf im mittleren dreistelligen Millionenbereich, um die Pflichtaufgaben umsetzen zu können. „Erst wenn man die Pflicht sauber erfüllt, sollte man sich der Kür widmen“, betont Reinhardt.
Linke schauen unterschiedlich auf das Projekt
Die beiden Linken-Abgeordneten Richard Pitterle und Ursula Merz sind unterschiedlicher Meinung. Konsens bestehe darüber, dass das Bad sanierungsbedürftig ist. „Ich persönlich unterstütze die Pläne der Verwaltung, das Hallenbad auszubauen. Diese Erweiterung würde unsere Stadt attraktiver machen, die Gesundheit und das soziale Miteinander fördern“, sagt Pitterle. Seine Kollegin hingegen argumentiert, dass die Summe in die Sanierung anderer öffentlicher Einrichtungen investiert werden sollten. Außerdem fehle ihr ein schlüssiges Verkehrskonzept. „Was uns eint, ist der Wille, das Bad nicht in die Hände privater Investoren zu geben und sicherzustellen, dass es für alle zugänglich ist“, bekräftigt Pitterle.
Winfried Meffert von der AfD sagt: „Wir sind für eine Erweiterung des Badezentrums, halten den Siegerentwurf aber für problematisch. Die Jury traf ihre Entscheidung wohl eher unter ästhetischen und nicht unter funktionalen Gesichtspunkten.“ Statt einer Einzelbetrachtung auf eine mögliche Sport-, Familien- und Saunawelt müsse das Bad als Ganzes gesehen werden. „Das bitte mit einem für die Stadt auch zukünftig bewältigbaren Defizit“, schreibt Meffert.
Ob die Sindelfinger Bevölkerung eine ebenso gespaltene Meinung zu dem Megaprojekt vertritt, wird eine Bürgerbefragung zeigen. Der genaue Termin steht laut Stadtverwaltung allerdings noch nicht fest.