Umfrage zu Stuttgart 21 Mehrheit für Prüfung des Umstiegskonzepts

Von red/ dpa/ lsw 

Die Mehrheit der Befragten einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Infratest Dimap, wünscht sich, dass die Projektpartner das Umstiegskonzept der Gegner ernsthaft prüfen.

Die Mehrheit der Befragten zum Bahnprojekt Stuttgart 21 ist für eine Prüfung des Umstiegskonzepts der Gegner. Foto: dpa
Die Mehrheit der Befragten zum Bahnprojekt Stuttgart 21 ist für eine Prüfung des Umstiegskonzepts der Gegner. Foto: dpa

Stuttgart - Für eine Mehrheit der Baden-Württemberger ist das Bahnprojekt Stuttgart 21 auch sieben Jahre nach Baubeginn nicht alternativlos. Bei einer am Dienstag in Stuttgart vorgestellten Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Infratest Dimap wünschten sich 63 Prozent der 1000 Befragten, dass die Projektpartner das Umstiegskonzept der Gegner ernsthaft prüfen. In der vom Berliner Professor Peter Grottian in Auftrag gegebenen Umfrage sprach sich auch jeder zweite Befürworter dafür aus, sich den Alternativentwurf mit dem Erhalt des Kopfbahnhofes statt des vorgesehenen unterirdischen Durchgangsbahnhofes genau anzuschauen.

Im Gegensatz dazu stehe, dass weiter 49 Prozent der Befragten das Projekt „im Großen und Ganzen für richtig“ hielten, sagte Norbert Bongartz, ein Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Bei einer Umfrage im Jahr 2011 hatten sich 50 Prozent der Befragten positiv zur Neuordnung des Stuttgarter Bahnknotens geäußert. Der Anteil der Menschen, die das Vorhaben als falsch erachten, stieg von damals 35 Prozent auf heute 41 Prozent.

54 Prozent halten Ergebnis der Volksabstimmung für verbindlich

Das Ergebnis der Volksabstimmung im November 2011 für den Weiterbau des umstrittenen Projektes hielten auch im Januar dieses Jahres 54 Prozent der Befragten für verbindlich - und das, obwohl in der Frage ausdrücklich auf die seitdem eingetretene Kostenexplosion hingewiesen wurde. Das Vorhaben soll laut Bahn bis zu 6,5 Milliarden Euro kosten. Aktuelle Gutachten sehen die Kosten aber sogar auf bis zu zehn Milliarden Euro hochschnellen. Im Jahr 2011 lag der Kostendeckel offiziell noch bei 4,5 Milliarden Euro.

Grottian resümierte, es gebe keinen Aufstand gegen die „hochverehrte Volksabstimmung als demokratisch gültige Regelungsinstanz“. Auf der anderen Seite sei die Sehnsucht parteiübergreifend groß, dass Bahn, Bund, Land und Stadt Stuttgart Alternativen, die vielleicht preiswerter und klüger seien, unter die Lupe nähmen. Grottian ist Bewegungsforscher und wollte wissen, wie sich die Stimmung zum Vorhaben zwischen 2011 und 2017 verändert hat. Die Kosten der Umfrage bestreitet er nach eigenen Angaben aus eigenen Forschungsmitteln. Seit Jahren gibt es eine Bewegung gegen das Projekt, die jeden Montag zu einer Demonstration in der Stuttgarter Innenstadt aufruft.




12 Kommentare Kommentar schreiben

Zwei von Drei Fragen wurden pro S21 beantwortet.: Was wäre wenn der Artikel dann richtigerweise mit "Mehrheit ist für S21" überschrieben gewesen wäre? Das Spiel geht wieder los. Schmeiß mal dem Einen und dann dem Anderen einen Brocken hin.

Die sollen ruhig weiter bauen: Aber weder von der Stadt noch vom Land gibt es weitere Beteiligungen an den Kosten. Das ist ausgeschlossen.

Alternativlos?: Das Projekt ist doch finanziell inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen. Da MUSS man doch über Alternativen nachdenken, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Das ganz böse Erwachen kommt natürlich erst dann, wenn es zu spät ist und das Gewinsel kennt man schon "Wenn wir das nur früher gewusst hätten". Das böse Erwachen? Das S21 nicht leistungsfähig genug ist. Das ist absehbar, wird aber, genau wie die Kostenexplosion hartnäckig ignoriert und bestritten. Die beiden Hauptmatadore der DB haben bereits vorzeitig die Arena verlassen - Zeit für einen Neuanfang.

Helmut Klünder: Lesen Sie mal den Kommentar von Ann Kathrin Stoever!! Und wenn Sie es so genau wissen dass S21 nicht leistungsfähig ist, so zeigt es, dass Sie nur die Aussagen der S21-Gegner-Experten kennen und nicht die von richtigen Experten. Diese Ingineure haben ihren Beruf gelernt und in vielen Jahren Praxiserfahrung gesammelt. Die Experten der Gegner sind Biologen, Parkschützer, Prozesshansel, BUND-Funktionäre, usw.

Professor Peter Grottian hätte mal: einen Blick in den Alternativentwurf werfen sollen, dann hätte er sich die Frage sparen können. Der Umstieg21-Konzeptions-Entwurf ist in 10 M. geprüft. Habe ich gerade getan. Er hat 52 Seiten, viele bunte Bilder, viele leere Versprechungen (z.B. "kann sofort umgesetzt werden", "sozialer Wohnungsbau ist sofort möglich" oder "Bau, Planung und Genehmigung des Umstiegsbahnhofs dauern 3 Jahre"), dazu einige falsche Grafiken und viele erfundene Zahlen. So kostet laut dem Konzept S21 bis zu 9,8 M. €, die Kosten für S21 im Konzeptentwurf betragen aber nur 1,5 M. €. Die Rückabwicklung und der Rückbau von S21 werden mit 0 Euro berechnet. Das Sichern und Zuschütten von 25km gegrabenen Tunneln, der Abriss der zwei gebauten Brücken, ein neuer Elefantensteg, der Rückbau der neuen U-Bahn-Gleise, Rückbau der diversen neuen Düker, die Rückumsiedlung der Eidechsen usw. gibt es scheinbar umsonst. Für den Neubau des Umstiegsbahnhofs selber werden 400 Millionen veranschlagt, auch diese Zahl ist vermutlich ausgeknobelt worden. Für das Geld will man einen Busbahnhof (ohne Brandschutz, wie ich gesehen habe), ein Fahrradparkhaus, zwei Seitenflügel, ein riesiges Dach über den Gleisen, einen umgebauten Mi. Schlossgarten und eine Modernisierung des Bestandes bezahlen. Äh genau. Schließlich kommt man noch zu dem Schluss, das ein Umstieg bis zu 7,9 Milliarden Euro billiger kommt, als ein Weiterbau. Wie man auf diese Zahl kommt verschließt sich mir. Weiter wird behauptet, dass ein Abruch eines Großprojektes kein Problem darstellt, als Beispiel wird der Schnelle Brüter genannt (http://www.zeit.de/1977/38/der-schaden-waere-irreparabel) und es wird ignoriert, dass der Abruch damals ein riesiges Problem war und sehr teuer). Das ein Abruch eines Großprojektes eine langwierige, teure Angelegenheit ist, kann man derzeit in Turin beobachten und dass es eine neuen Bhf nicht in 3 J. gibt, kann man sehr schön bei S21 sehen, hier hat die Planung und Genehmigung 20 J. gedauert. Das U.konzept ist dazu zu gebrauchen, um die S21-Gegner bei Laune zu halten, im Gespräch zu bleiben und Spendeng. zu generieren, Substanz hat der Entwurf nicht. Und wer jemals das Vergnügen hatte in einem unterirdischen Busbhf zu landen (Paris z.B.) , der weiß die Klett-P. als einen Ort voll Licht und guter Luft zu schätzen.

Wer: sich von den herbeigelogenen Versprechungen der Bahn blenden liess, hat sichlich nicht die Kompetenz, alternative Vorschläge zu kritisieren.

Umfragen: sind wie Statistiken = wertlos.

Nur für den: der sie nicht interpretieren und nutzen kann.

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