Umfrage zum ÖPNV-Streit Mehrheit der Ludwigsburger will keine Schnellbusse

Von Antonia Mayer und  

Der Ludwigsburger Oberbürgermeister setzt auf neuartige Schnellbusse, der Landrat auf die Stadtbahn – aber was will eigentlich die Bevölkerung? Wir haben 100 Passanten befragt. Das Ergebnis ist überraschend eindeutig.

Ein Vorbild für Ludwigsburg? Der BRT in Straßburg. Foto: Höhn (Archiv)
Ein Vorbild für Ludwigsburg? Der BRT in Straßburg. Foto: Höhn (Archiv)

Ludwigsburg - Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec wird mit dieser Umfrage aus mehreren Gründen nicht einverstanden sein. Erstens: Spec ist der vehementeste Befürworter des Bus Rapid Transit (BRT), also eines Schnellbusnetzes, um die Verkehrsprobleme in Ludwigsburg und Umgebung zu lösen – das Ergebnis unserer Befragung wird ihm also nicht gefallen. Und Zweitens: Er wird behaupten, dass die Frage so gar nicht gestellt werden darf. Denn wir haben 100 Ludwigsburger vor eine einfache Wahl gestellt: Was würde Ihnen besser gefallen: der Bau einer Stadtbahntrasse von Remseck über Ludwigsburg nach Markgröningen oder der Bau eines Schnellbusnetzes?

Eine Entweder-Oder-Frage also, und Spec wird nicht müde zu betonen, dass es sich um eine solche nicht handle. Er versucht die Ludwigsburger zu überzeugen, dass beides möglich ist: Erst kommen die Busse, später die Bahn – so interpretiert er die Doppelstrategie, auf die sich die Stadt und der Landkreis festgelegt haben. So richtig glauben, dass das klappt, wollen allerdings nur wenige. Das Landesverkehrsministerium meldete unlängst ernste Zweifel an der Strategie an. Auch weil fraglich ist, ob das Ganze finanziert werden kann. Die Stadt sagt, dass die Trassen für Busse so hergestellt werden, dass später darauf Schienen verlegt werden können. Was nichts daran ändert, dass solche Streckenabschnitte zweimal umgebaut werden müssten, die beteiligten Kommunen und der Kreis also zweimal um Fördergeld aus Stuttgart und Berlin bitten müsste.

Bus oder Bahn? Irgendwann wird man sich entscheiden müssen

Der Landrat Rainer Haas hat deshalb vor wenigen Tagen öffentlich kundgetan: Spätestens wenn die von der Stadtspitze vorangetriebenen BRT-Busse unterwegs seien, müsse allen klar sein, dass diese Busse für die Stadtbahn „das Aus bedeuten könnten“.

Kurzum: Wir halten die Frage, was die Bevölkerung möchte, für legitim – und das Resultat ist eindeutig. Von den 100 Befragten sprechen sich 61 für die Stadtbahn aus. 22 favorisieren Schnellbusse, wobei sieben dies mit der Einschränkung verbinden, dass dafür keine Fahrspuren für Autos wegfallen dürfen. 17 Personen antworten, ihnen sei egal, was umgesetzt wird.

Repräsentativ ist die Umfrage nicht, dafür ist die Zahl der Befragten zu klein, aber ein Fingerzeig ist sie durchaus. Auch im Ludwigsburger Gemeinderat sind längst nicht alle von den Schnellbusplänen überzeugt, in den Umlandkommunen ist die Skepsis noch größer. Das BRT-System existiert nirgendwo sonst in Deutschland. In Frankreich, wo es weit verbreitet ist, wird der BRT oft nur als Ergänzung zur Stadtbahn eingesetzt.

Auch für die Busse gibt es Befürworter – allerdings mit Einschränkungen

Aufhorchen lässt, dass viele BRT-Befürworter angeben, der Autoverkehr dürfe nicht leiden – denn das ist unrealistisch. Ein Schnellbus ist größer, soll elektrisch angetrieben werden – aber das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zu normalen Bussen ist, dass er weitgehend auf eigenen Fahrspuren unterwegs ist.

Einzelne Personen haben wir in der Umfrage dezidierter nach ihrer Meinung gefragt – hierbei zeigt sich, wie weit die Einschätzungen auseinandergehen. „Ich selbst würde die Stadtbahn zwar wenig nutzen, weil ich gerne Fahrrad fahre“, sagt Martina Sommerfeldt. „Aber ich denke, dass mit der Bahn der Autoverkehr abnehmen würde, und das wäre wichtig für Ludwigsburg.“ Von Schnellbussen hält sie wenig, weil diese nicht komfortabel seien.

Ganz anders sieht es Gisela Daunis aus Asperg. Sie hält Busse für flexibler und für bequemer. „Für die Bahn muss man Schienen verlegen“, sagt sie und fragt sich, ob dafür genug Platz vorhanden ist. Die Ist-mir-egal-Fraktion vertritt Tom Müller. Er pendle oft nach Schwieberdingen, da seien Bus oder Bahn keine Alternative – „zu teuer und nicht schnell genug“. Hinzu komme, dass er mit dem Auto ungebundener sei.

Zwischen diesen Positionen bewegt sich auch der Gemeinderat, und deshalb ist es so schwer, eine Lösung zu finden. Die einen wollen nur die Bahn, die andern nur die Busse, wieder andere setzen aufs Auto. Am realistischsten sehen es daher vielleicht jene vier Leute, die in der Umfrage antworteten: „Ich werde eh nicht mehr erleben, dass etwas umgesetzt wird.“