Umfrage zur Geldanlage Wer hat bei den Finanzen die Hosen an?

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Frauen nehmen Finanzen selbst in die Hand. Laut einer Umfrage auf der Anlegermesse Invest bestimmt nur in 16 Prozent der Haushalte der Mann über das Finanzielle. Eine Finanzexpertin ist anderer Ansicht. Die finanzielle Unabhängigkeit der Frau ende immer noch viel zu oft am Tag der Eheschließung.

Weil sie öfter berufstätig sind, stehen Frauen heute häufiger vor der Frage: „Wohin mit dem Geld?“ Foto: dpa
Weil sie öfter berufstätig sind, stehen Frauen heute häufiger vor der Frage: „Wohin mit dem Geld?“ Foto: dpa

Stuttgart - Finanzfragen müssen im Trend liegen. Jedenfalls haben sich jüngst zur Anleger-Messe Invest deutlich mehr Besucher als im Vorjahr in der Halle 4 der Landesmesse in Stuttgart getummelt. Die Zahl der Besucher ist von 10 500 auf knapp 12 000 gestiegen. Noch erstaunlicher ist der Anstieg der weiblichen Messebesucher, der sich verglichen mit der Invest 2015 auf 21 Prozent mehr als verdoppelt hat, wie der Co-Veranstalter, die Börse Stuttgart, nun mitgeteilt hat.

Die Messeverantwortlichen haben die Gelegenheit genutzt, um die Frauen unter dem Gesichtspunkt ihres Anlageverhaltens genauer unter die Lupe zu nehmen: Gut 600 Besucherinnen der Invest wurden zu ihrem persönlichen Anlageverhalten befragt. Die Ergebnisse, die unserer Zeitung vorab vorliegen, sind zunächst erwartbar: So überrascht es wenig, dass eine überdurchschnittlich hohe Zahl der befragten Frauen (79 Prozent) angegeben hat, im Besitz von Wertpapieren zu sein. Nach aktuellen Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist nur etwa jeder Zehnte Deutsche ein Aktionär – freilich trifft man die übrigen neun eher selten auf Finanzmessen.

In jedem dritten Haushalt werden Finanzfragen im Dialog erledigt

Interessanter ist das Stimmungsbild bei der Frage, wer sich im Haushalt der Befragten um die Geldanlage kümmert: 327 Damen (54 Prozent) beantworteten diese Frage mit „Ich“. Nur 99 Frauen (16 Prozent) sagten: „Mein Partner“. „Viele Besucherinnen auf der Invest haben erkannt, dass sie ihre Geldanlage selbst in die Hand nehmen müssen“, kommentiert Ralph Danielski, Geschäftsführer der Boerse Stuttgart GmbH, das Resultat. Gerade einmal in jedem dritten Haushalt (29 Prozent) scheint das Finanzielle im Dialog erledigt zu werden. Leider wurden die Partner der ausgewählten Besucherinnen nicht befragt. Möglicherweise hätte sich dabei ein anderes Bild über die innerfamiliären Verhältnisse ergebnen.

Dass die Umfrage nicht das typische Anlageverhalten der Durchschnittsbevölkerung widerspiegeln, merkt auch Barbara Rojahn an. Die Volkswirtin und Autorin berät seit mehr als 25 Jahren weibliche Kunden in Sachen Geldanlage. Frauen kümmerten sich heute zwangsläufig häufiger als früher um das Thema Geldanlage, weil sie öfter berufstätig seien und eigenes Geld zur Verfügung hätten. Allerdings endet diese finanzielle Unabhängigkeit nach Meinung der Stuttgarter Finanzexpertin immer noch viel zu oft mit dem Tag der Eheschließung. Es sei keineswegs ein Einzelfall, dass ein Mann bei ihr anrufe, erzählt Rojahn, um in ernstem Tonfall zu verkünden, dass er gerade geheiratet habe und sich ab sofort selbst um die Geldanlagen seiner frisch Vermählten kümmere. Dabei könnten die Frauen das genauso gut selbst in die Hand nehmen. „Es erklärt ihnen nur viel zu selten jemand so, dass sie es auch verstehen“, sagt die selbstständige Finanzberaterin, die selbst fünf Aktienclubs nur für Frauen ins Leben gerufen hat. Männer hingegen würden oft auch Dinge tun, die sie gar nicht verstehen und sich zu leicht von steigenden Aktiencharts beeindrucken lassen.

Es gibt auch Frauen, die auf schnelle Kursgewinne schielen

Das gängige Klischee über die unterschiedliche Einstellung der Geschlechter zum Thema Geldanlage – Frauen denken nur an die Altersvorsorge und Männer nur an das schnelle Geld – treffe allerdings nur bedingt zu: „Es gibt durchaus auch Frauen, die schnelle, gute Kursgewinne mitnehmen wollen“, sagt Barbara Rojahn. Allerdings, so schätzt sie, ist die Risikobereitschaft bei Männern immer noch stärker ausgeprägt. Damit liegt die Expertin auch wieder voll auf der Linie der Invest-Umfrage: Demnach sind Dinge wie Sicherheit, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit bei einer Geldanlage knapp 70 Prozent der befragten Besucherinnen wichtiger als eine hohe Rendite.