Umfrage zur Landespolitik Die Grünen siegen sich zu Tode

Ein Mann wie das Land. So sehen die Baden-Württemberger ihren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Am Ende aber könnte bei der Landtagswahl 2016 doch wieder die CDU das Heft in die Hand bekommen. Foto: dpa
Ein Mann wie das Land. So sehen die Baden-Württemberger ihren Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Am Ende aber könnte bei der Landtagswahl 2016 doch wieder die CDU das Heft in die Hand bekommen. Foto: dpa

Winfried Kretschmann arbeitet sich als konservativer Charakterkopf in einsame demoskopische Höhen empor. Für den Wahlerfolg 2016 bedeutet das aber nicht viel, meint StZ-Redakteur Reiner Ruf.

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Stuttgart - Nichts Neues im Land? Vorderhand überbringt die neue Umfrage von StZ und SWR zur politischen Stimmungslage in Baden-Württemberg dieselbe Botschaft wie schon die vorangegangenen Erhebungen: Grün-Rot hat keine eigene Mehrheit.

 

 

Und doch ist etwas in Bewegung geraten. Die FDP meldet sich zaghaft zurück; ebenso die Linke, was dann doch überrascht angesichts der obskuren Truppe, welche die Partei des Selbstvermarktungskünstlers Gregor Gysi im Südwesten aufbietet. Dagegen verschwindet die AfD, gerade noch in aller Munde, unter der Fünf-Prozent-Hürde. Das ist die Quittung für das offenbar unabwendbare Abdriften der als Anti-Euro-Partei angetretenen AfD in eine schweißig-schwiemelige Neuauflage der rechtsradikalen Republikaner, die es 1996 und erneut 2001 in den Landtag geschafft hatten.

CDU schwach, aber in froher Erwartung

Aufhorchen lässt aber auch die CDU. Sie verliert drei Prozentpunkte und rutscht auf 38 Prozent ab. Damit behauptet sie zwar ihre Position als stärkste Partei im Land. Aber Dominanz verrät dieser Wert nicht, zumal die Christdemokraten sogar im Zusammenspiel mit der FDP der Landesregierung lediglich ein Patt abtrotzen können. Das Spektakel der Mitgliederbefragung hat den Christdemokraten zwar Aufmerksamkeit beschert, aber keinen Mehrwert in der Wählergunst.

 

 

Anders als die unter konzeptioneller Schwäche leidende Partei wähnte, hat das Land offenkundig nicht auf die Kür eines christdemokratischen Spitzenkandidaten gewartet, um endlich dem Retter aus dem vermeintlichen grün-roten Grauen zujubeln zu können. Auf Guido Wolf kommt noch eine Menge Arbeit zu.

Trotz des Dämpfers befindet sich die CDU in einer komfortablen Lage. Denn wenn Grün-Rot keine eigene Mehrheit zusammenbekommt, geht der Auftrag zu einer Regierungsbildung automatisch an die CDU als größter Partei. Sie kann sich den Koalitionspartner fast nach Belieben aussuchen.

 

 

Das wäre dann das Aus für Winfried Kretschmann, mag er auch als Ministerpräsident in einsamen demoskopischen Höhen schweben. Seine Partei profitiert von der konservativen Anmutung Kretschmanns und dessen Ausformung als Charakterkopf. Nur die SPD fällt dabei hinten runter, und das ist bitter für die Sozialdemokraten, deren Regierungsbilanz keinesfalls schlechter ausfällt als die der Grünen.

Übrigens: Grün-Rot-Rot hat in der Umfrage eine Mehrheit. Es ist kaum zu erwarten, dass Kretschmann sich darauf einließe. Aber für die CDU ist das natürlich ein hübsches Thema im Vorwahlkampf.

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