Die Alternative für Deutschland (AfD) hat gute Aussichten, bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg stärkste Kraft zu werden. Trotz breiter Zustimmung in der dortigen Bevölkerung wird die Rechtspartei jedoch nicht nur von westdeutschen, sondern auch von ostdeutschen Firmen mehrheitlich skeptisch gesehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts IW Köln.
Risikobewertung beinahe so negativ wie im Westen
Laut dem IW-Zukunftspanel, für das die Wissenschaftler Entscheider von rund 900 Unternehmen befragten, betrachten fast 60 Prozent der Firmen im Osten die AfD als Risiko für die EU und den Euro. Im Westen ist die Sorge noch deutlich größer – hier sehen laut Studie fast 80 Prozent der Unternehmen die Partei als Gefahr für Europäische Union und Gemeinschaftswährung.
Als Chance für die Ökonomie wird die AfD trotz ihres wirtschaftsliberalen Programms auch im Osten nur von maximal 13 Prozent der befragten Firmen wahrgenommen. Selbst einzelne Positionen der Partei halten lediglich 29 Prozent der ostdeutschen Unternehmen für sinnvoll oder vertretbar. Im Westen sind es 22 Prozent.
„In Anbetracht der deutlich besseren Wahl- und Umfrageergebnisse und der kleinteiligeren Unternehmensstruktur in Ostdeutschland waren wir überrascht, dass die Risikobewertung der AfD beinahe so negativ ausfällt wie in Westdeutschland“, sagt IW-Studienautor Matthias Diermeier.
Dennoch gibt es der Umfrage nach auch deutliche Unterschiede im ost- und westdeutschen Vergleich. So geben Unternehmenslenker im Osten der AfD in Sachen Wirtschaftskompetenz die Schulnote „ausreichend“ und stufen sie auf Rang drei hinter Union und FDP ein – vor allen Parteien links der Mitte. Im Westen wird die AfD mit„mangelhaft“ bewertet und liegt mit dem BSW und der Linken auf den hinteren Rängen.
Bei öffentlicher Positionierung halten sich Firmen im Osten zurück
Auch wenn es darum geht, Stellung zu beziehen, halten sich Ostfirmen eher zurück. So erheben laut IW-Panel 29 Prozent öffentlich die Stimme gegen die AfD, im Westen tut dies jedes zweite befragte Unternehmen. Hinzu kommen der Studie nach weitere 15 Prozent im Westen und 19 Prozent im Osten, die sich intern gegen die Partei aussprechen.
Ein Grund dafür, dass sich ostdeutsche Firmen weniger häufig gegen die AfD positionierten, liege in der weitverbreiteten Enttäuschung mit den etablierten Parteien, so die IW-Forscher. Die Anzahl von Unternehmen, die sich als eindeutige Unterstützer der AfD einordnen ließen, liege indes sowohl im Osten wie im Westen bei unter fünf Prozent.