Umgestaltung der Innenstadt Leonberg Die Brechstange hilft höchst selten

Großflächige Bussteige, enge Straßen: hier im Leonberger Quartier Ezach: Sind das die Zukunftsmodelle?, Foto: Simon Granville/Simon Granville

In Leonberg sollen Busbuchten weg: Wird so die Stadtqualität wirklich verbessert?

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Umgestaltungen von Innenstädten sind immer ein heikles Thema. Das war schon vor mehr als 50 Jahren so, als Fußgängerzonen zusehends die damals allgegenwärtigen Autostraßen verdrängten. In Leonberg gab es zumindest dieses Problem seinerzeit nicht. Die zerfaserte Geografie verhinderte ein klassisches Stadtzentrum mit zentraler Einkaufsstraße. Diese Rolle übernahm das Leo-Center. Die Altstadt hingegen wurde im letzten Quartal des vergangenen Jahrhunderts sträflich vernachlässigt.

 

Bindeglied zwischen den beiden ungleichen Polen war und ist die Eltinger Straße. Wobei die stadtautobahnähnliche Route eher vom Durchgangsverkehr oder von Stauflüchtlingen der Autobahnen genutzt wird. Ein urbanes Flair im positiven Sinne kann hier nicht aufkommen.

Die autogerechte Stadt der 70er hat ausgedient

Das Ansinnen also, der Leonberger Innenstadt einen anderen Charakter zu verleihen, ist nicht nur verständlich, sondern auch dringend nötig. Die autogerechte Stadt der Siebziger hat ausgedient, diese Feststellung dürfte allgemeingültig sein.

Unter dem Slogan „Stadt für morgen“ liegen in Leonberg nun konkrete Vorschläge auf dem Tisch, mit denen das Autofahren im Zentrum unattraktiver gemacht werden soll. Ein Instrument hierfür ist das Abschaffen der Busbuchten: An den Stationen fahren die Busse nicht mehr auf einen Platz jenseits der Fahrbahn, sondern halten mitten auf der Straße. Die Autos dahinter können nicht mehr einfach vorbeifahren, sondern müssen warten. Das kann mitunter dauern.

Ohne viel Aufsehen sind weniger zentral gelegene Haltestellen bereits umgerüstet worden. Das Ergebnis sind überdimensionale Bussteige, auf den sich allenfalls eine Handvoll Menschen verliert. Dass im Zentrum hingegen mehr Menschen von solch großzügigen Haltestellen profitieren, steht außer Frage. Und dass sich viele Autofahrer ärgern, wenn sie in einer bewusst provozierten Schlange stehen, davon ist auszugehen.

All das kann man so interpretieren, dass es der Förderung des öffentlichen Verkehrs dient. Man könnte aber auch fragen, ob solche Schritte eine ohnehin oft ideologisch geführte Diskussion nicht noch verschärfen? Ob das Ziel, eine Stadt zu schaffen, in der sich alle wiederfinden, nicht konterkariert wird?

In Gewerbegebieten gibt es immer Verkehr

Keine Frage: In Leonberg waren und sind Autos in der dominierenden Position. Der Wohlfühleffekt im Zentrum spielt, von der Altstadt mit dem Marktplatz mal abgesehen, eine untergeordnete Rolle. Mehr Raum für Fußgänger und Radler, mehr Grün, mehr großflächige Plätze, mithin mehr Aufenthaltsqualität: all das lässt noch sehr zu wünschen übrig, um es vorsichtig auszudrücken.

Gleichwohl bringt es nichts, in Gegenden, die letztlich Gewerbegebiete sind, und in denen es immer Verkehr geben wird, diesen mit der Brechstange zu behindern. Den Bereich Römerstraße und Poststraße mit den zahlreichen Einkaufsmärkten und Betrieben kann man durchaus Gewerbegebiet nennen.

Dialog ist erst am Anfang

Da kann das Geld für mehr Lebensqualität wahrlich sinnvoller investiert werden. Zumal man sich schon fragen muss, was eine Bushaltestelle bringen sollen, die die Dimension eines ICE-Bahnsteiges hat. Von den Kosten mal ganz abgesehen.

Der Leonberger Oberbürgermeister hat diese und andere Vorschläge zur Stadtgestaltung als „Angebot zum Dialog“ bezeichnet. Wenn Martin Georg Cohn seine eigenen Worte ernst nimmt, ist der Diskussionsprozess für ein neues Profil der Leonberger Kernstadt erst im Anfangsstadium.

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