Umgestaltung der Stuttgarter Innenstadt Fachkräftemangel bremst B-14-Umbau

Verkehrsschneise und stauanfällig: die B 14 mitten in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif /Piechowski

Nicht nur auf der B 14 in Stuttgart herrscht häufig Stillstand. Auch der Umbau der Verkehrsschneise kommt nicht voran. Seit gut zwei Jahren liegt ein Wettbewerbsergebnis vor, das die Richtung weisen soll. Sichtbares ist bisher nicht rausgesprungen.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Mit viel Euphorie ist im September 2020 der internationale städtebauliche Wettbewerb „Neuer Stadtraum B 14“ zu Ende gegangen. Fritz Kuhn (Grüne), damals noch Oberbürgermeister, lobte den siegreichen Entwurf der Arbeitsgemeinschaft asp Architekten GmbH/Koeber zusammen mit StetePlanung als „visionär und bedeutsam für die gesamte Stadt“. Passiert ist seitdem nicht viel und die von nicht wenigen erhoffte Heilung der Stadt an dieser Stelle drohte in Vergessenheit zu geraten. Einem Vorstoß der Fraktionsgemeinschaft Puls im Gemeinderat ist es zu verdanken, dass das Thema wieder diskutiert wird. Die Stadträte mussten sich allerdings in Geduld üben. Ihr Antrag stammt vom August 2022, debattiert wurde erst jetzt.

 

Beeindruckende Dimensionen

Das Vorhaben hat beeindruckende Dimensionen. 4,5 Kilometer misst die Strecke, auf der die B 14 zwischen Neckar und Marienplatz umgestaltet werden soll. Weil es kein Straßenumbau- sondern ein Städtebauprojekt sein soll, das die Ränder der Verkehrsschneise einbezieht, summiert sich das Vorhaben auf ein insgesamt 18 Hektar großes Gebiet. Doch es sind weniger diese Abmessungen, die das Projekt nicht so recht in die Gänge kommen lassen. „Uns fehlen die notwendigen Planungskapazitäten“, bekannte nun Stephan Oehler, Verkehrsplaner in Diensten der Stadt, mit entwaffnender Offenheit vor den Stadträten. Die von den Kommunalpolitikern bewilligte Stelle für das Projekt sei auch im dritten Anlauf nicht zu besetzen gewesen. „Wir können nur befristet ausschreiben, das ist nicht marktfähig“, sagt Oehler. Der Arbeitsmarkt im Planungsbereich sei leer gefegt, das häufig abstrakte Schlagwort vom Fachkräftemangel werde hier ganz konkret. „Bitte versetzen Sie uns in die Lage, die Aufgabe bewältigen zu können“, appellierte Oehler an die Stadträte.

Ganz untätig sei man trotz dünner Personaldecke aber in der Zwischenzeit nicht gewesen. Weil der Umbau der Straße zur gewünschten Reduktion der Verkehrsfläche um 50 Prozent führt, erhebt man derzeit neue Verkehrszahlen. Daran könnte sich eine Machbarkeitsstudie anschließen, für die man in den kommenden Haushaltsberatungen Geld beantragen wolle.

Leitbild gesucht

Auch Cem Arat vom Architekturbüro asp bedauerte, dass seit dem Wettbewerbsentscheid so viel Zeit ins Land gezogen ist. Er warb für das Ergebnis, das weiterhin Gültigkeit habe. Voraussetzung sei aber die Reduzierung des Verkehrs. „Das geht nicht von heute auf morgen“. Sein Kollege Markus Weismann legte dar, wie es aus seiner Sicht weitergehen könne. Aufbauend auf das Wettbewerbsergebnis solle nun ein „Leitbild“ erarbeitet werden. Zeitbedarf: mindestens ein weiteres Dreivierteljahr.

Stadträte kritisieren Verfahrensdauer

Deborah Köngeter von der Fraktionsgemeinschaft Puls lobte, dass nun wenigstens das weitere Vorgehen klarer werde, forderte aber auch mehr Verbindlichkeit ein. „Es ist zu viel Zeit seit dem Wettbewerb vergangen, ohne dass sich etwas getan hat“. Björn Peterhoff (Grüne) zog in Zweifel, dass wirklich jede angestrengte Untersuchung auch nötig sei. Um die „klaffende Wunde in der Stadt“ zu heilen, sei der Gemeinderat bereit, die Verwaltung zu unterstützen. Man müsse aber eben auch die Bedürfnisse in den Amtsstuben kennen. Lucia Schanbacher (SPD) monierte, dass man längst in der Umsetzung sein könnte, wenn es schon nach Abschluss des Wettbewerbs klare Vorstellungen vom weiteren Vorgehen gegeben hätte. Hannes Rockenbauch (Linksfraktion) kritisierte, die Verwaltung habe das Projekt „in der Versenkung verschwinden“ lassen. Man rede sich heraus, etwa unter Hinweis auf die Straßenverkehrsordnung. „Das akzeptiere ich nicht mehr“, sagte er und brachte die Möglichkeit ins Spiel, das Vorgehen der Verwaltung vom Regierungspräsidium überprüfen zu lassen.

Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) unterstrich das Personalproblem und erinnerte zugleich an die vielen Vorhaben in der Innenstadt, die die Verwaltung abarbeite. „Wir brauchen schlicht mehr Personal“.

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