Blick ins Jägerhofquartier. Bei den Gebäuden am Rand wurde die Fassade der alten Kasernengebäude erhalten, aber aufgestockt, im Zentrum wurde komplett neu gebaut. Foto: Werner Kuhnle
In den vergangenen fünf Jahren wurden auf dem Gelände der ehemaligen Jägerhofkaserne in Ludwigsburg rund 160 Wohnungen gebaut. Heute wäre das finanziell nicht mehr zu schaffen.
Auf dem ehemaligen Kasernengelände in der Ludwigsburger Oststadt herrschte buntes Treiben: Am Donnerstag wurde die Einweihung der neuen, modernen und nachhaltigen Wohngebäude gefeiert, die dort in den letzten fünf Jahren gebaut wurden. Neben offiziellen Gästen wie der baden-württembergischen Bauministerin Nicole Razavi, Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht und Andreas Veit – Chef der verantwortlichen Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) – nahmen auch viele Bewohner teil, die bereits in ihre Eigentums- oder Mietwohnungen eingezogen sind.
Gäste und Bewohner genossen Livemusik, Vorführungen junger Mitglieder des 1. Tanzclubs Ludwigsburg und das Angebot diverser Foodtrucks. OB Knecht konnte sich nicht nur über lobende Worte der Bauministerin freuen, die von einem zeitgemäßen und großartigen Wohnquartier sprach, sondern auch über einen dicken Scheck über 1,9 Millionen Euro – 900 000 Euro für die Jägerhofkaserne, eine Million für das Bauprojekt Grünbühl-Sonnenberg.
Insgesamt habe es für das Jägerhofquartier aus diversen Fördertöpfen rund 20 Millionen Euro an Unterstützung gegeben, sagt Veit – bei einer Gesamtinvestition von 100 Millionen Euro. Und er erklärt zugleich: „Heute könnte man solch ein Projekt nicht mehr finanzieren.“
Fassaden der Kasernengebäude wurden erhalten
Die Fassaden der ehemaligen Kasernengebäude entlang der Jägerhofallee, der Alt-Württemberg-Allee und der Hindenburgstraße wurden größtenteils erhalten, aber noch um eine Etage aufgestockt. Dadurch wirken sie im Vergleich zur Bebauung in der Nachbarschaft recht wuchtig.
Im Inneren sind neue, etwas niedrigere Gebäude entstanden, die durch einen Spielbereich für Kinder und diverse Grünbereiche unterbrochen werden, in denen elf alte Platanen wieder Platz gefunden haben. Auch Platz für eine Kita ist auf dem Gelände. Am Quartiersplatz soll es ein Café geben, für das noch ein Betreiber gesucht wird.
Bis zur Innenstadt, der Bärenwiese und dem Blühenden Barock ist es nicht weit. Foto: Werner Kuhnle
Auch sonst hat sich nicht alles wie geplant umsetzen lassen. Ursprünglich sollten 50 Wohnungen verkauft werden, bis zum Verkaufsstopp nach Abnahme des Gemeinschaftseigentums hat die WBL aber nur 16 Wohneinheiten verkauft und die restlichen 34 in ihren Mietwohnungsbestand übernommen. „Natürlich fehlen uns die Einnahmen für Investitionen in neue Projekte, aber da wir stets auch mit Worst-Case-Szenarien kalkulieren, verkraftet dies unsere solide Finanzbasis“, so Veit.
Noch mehrere Mietwohnungen frei
Bei den Mietwohnungen – 70 geförderte und 75 frei finanzierte – sei auch noch einiges frei, sagen sowohl bereits eingezogene Mieter als auch Eigentümer. Die Zahl der offensichtlich noch ungenutzten Balkone scheint dies zu bestätigen. Wie viele genau noch nicht vermietet werden konnten, verrät der WBL-Chef nicht.
Viele Balkone werden offensichtlich noch nicht genutzt. Foto: Sabine Armbruster
Dabei liegen die Mieten zwar unter denen in vergleichbaren Neubauten, dennoch muss man auch das sich erst einmal leisten können: Bei den geförderten Wohnungen beginnen die Mieten bei knapp neun Euro pro Quadratmeter, bei den frei finanzierten bei 15 Euro. Plakate auf dem Gelände werben für Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen samt Balkon oder Terrasse, Kellerraum und Aufzug zu Kaltmieten von 826 Euro für knapp 50 Quadratmeter. 1462 Euro für etwas mehr als 90 Quadratmeter und 1778 Euro für rund 106 Quadratmeter. Jeweils mit dem Hinweis: „Mehrere Wohnungen verfügbar.“
Veit zeigt sich dennoch optimistisch, auch die freien Wohnungen vermieten zu können: „Beim Einweihungsfest haben sich viele Interessenten gemeldet, sodass wir davon ausgehen, dass auch die restlichen Wohnungen nun sehr zügig vermietet werden. Wer noch Interesse hat, sollte sich also sputen.“