Umstrittene Jugendorganisation AfD-Nachwuchs macht, was er will

Von Willi Reiners 

Der AfD-Nachwuchs im Südwesten wird seit dem vergangenen Jahr vom Landesverfassungsschutz beobachtet. Jetzt hat die Junge Alternative eine neue Führung. An der Spitze steht ein junger Mann, der das Amt nach dem Willen der AfD im Land gar nicht bekleiden dürfte.

Demonstration der AfD-Parteijugend in Thüringen. Foto: dpa-Zentralbild
Demonstration der AfD-Parteijugend in Thüringen. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Die wegen rechtsradikaler Umtriebe vom Landesverfassungsschutz beobachtete AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative Baden-Württemberg (JA) hat am vergangenen Wochenende eine neue Führung gewählt. Denis Joschko steht an der Spitze des achtköpfigen Vorstands. Die Personalie ist brisant: Der alte AfD-Landesvorstand, der erst im Februar auf dem Parteitag in Heidenheim abgelöst wurde, hatte für Joschko noch eine dreijährige Ämtersperre gefordert. Darüber setzte sich die JA nach Informationen unserer Zeitung nun hinweg.

Joschko gehört dem AfD-Kreisverband Stuttgart an. Er war bisher bereits Mitglied im Vorstand der JA im Südwesten. Der alte AfD-Landesvorstand warf ihm vor, in dieser Funktion in wildes Plakatieren von Material der Identitären Bewegung (IB) an den Bahnhöfen Tamm und Ludwigsburg involviert gewesen zu sein. Die IB wird vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.

Die AfD-Nachwuchsorganisation im Südwesten hatte schlagartig mehr als 100 Mitglieder verloren, nachdem Mitte November bekannt geworden war, dass die JA vom Landesverfassungsschutz beobachtet wird. Auch mehrere JA-Vorstandsmitglieder legten ihre Ämter nieder. Der damalige AfD-Landesvorstand ging zum Jahresende massiv gegen die JA vor. Die Organisation wurde unter anderem dazu aufgefordert, sechs führende Mitglieder auszuschließen.

Wie verhält sich der neue AfD-Landesvorstand?

Mit Blick auf Denis Joschko stellt sich die Frage, wie sich der neue AfD-Landesvorstand mit Bernd Gögel und Dirk Spaniel an der Spitze zu der Personalie verhält. Folgt er der Linie des alten Vorstands, müsste das Konsequenzen haben. Seinerzeit hatte die Führung der Landes-AfD damit gedroht, sich von der JA zu trennen, wenn die erhobenen Forderungen – darunter die Ämtersperre gegen Joschko – nicht erfüllt würden.

Gögel gehörte bereits dem alten Landesvorstand an, ebenso wie die in Heidenheim neben anderen gewählten Marc Jongen, Thilo Rieger, Frank Kral und Marc Bernhard. Der Bundestagsabgeordnete Spaniel, ein ehemaliger Daimler-Manager aus Stuttgart, schaffte es auf dem Parteitag als einziger prominenter AfD-Politiker neu ins das Spitzengremium. Auf dem Facebook-Account der JA gratulierte Spaniel als einziges Mitglied der AfD-Landesspitze der der neuen Führung der Nachwuchsorganisation mit den Worten „Glückwünsche zur Wahl. Auf eine gute Zusammenarbeit“.

Die JA informierte bisher lediglich via Facebook über die Vorstandswahl. Nur sechs der insgesamt acht Vorstandsmitglieder werden in dem Posting erwähnt, die Namen von zwei Beisitzern sucht man dort vergeblich. Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich um Severin Köhler und Ruben Rupp handeln. Auch gegen Köhler hatte der alte AfD-Landesvorstand eine Rüge als Ordnungsmaßnahme gefordert. Begründet wurde dies unter anderem mit Kontakten zur IB.