Umstrittene Minikameras im Wald Peep-Show im dunklen Tannengrün

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Immer mehr Minikameras sind in deutschen Wäldern installiert. Sie dienen dem Naturschutz – eigentlich. Doch es regt sich Widerstand, weil auch manch verbotenes oder peinliches Treiben gefilmt wird.

Die Jäger wollen nicht gefilmt werden. Foto: dpa
Die Jäger wollen nicht gefilmt werden. Foto: dpa

Stuttgart - Die Kameras sind klein wie eine Zigarettenschachtel, der Handel bietet sie zum Schnäppchenpreis von rund 100 Euro an: die sogenannten Wildkameras werden immer beliebter. Mit ihnen können Jäger beobachten, wie ihre Lockfütterung (Kirrung) beispielsweise von Wildschweinen angenommen wird. Aber beim Ausspähen geraten Spaziergänger mitunter ohne ihr Wissen ins Bild. In Kärnten soll 2012 ein Lokalpolitiker beim Liebesspiel im Forst gefilmt worden sein. Auch in einem Wald in Bayern sei mal eine „delikate Sache“ – so der CSU-Abgeordnete Konrad Kobler – aufgezeichnet worden. In München prüft die Staatskanzlei derzeit, wie Wildkameras rechtlich zu bewerten sind.

In Hessen – wo zwei Jäger sich stritten, weil der eine im fremden Revier gefilmt wurde – ist man weiter. Der Landesdatenschutzbeauftragte setzte ein Verbot durch, Ausnahmen für berechtigte Interessen wie die Wissenschaft sind erlaubt. Jeder müsse im Wald unkontrolliert unterwegs sein dürfen, lautet die Begründung. Auch im Saarland bläst jetzt den Spähern der Wind ins Gesicht. Die Landesdatenschutzbeauftragte Judith Thieser will „eine flächendeckende Überwachung der Bürger“ verhindern. Thieser zweifelt das Argument der Jäger an, dass rund um Lockfütterungen ein „Betretungsverbot“ bestehe. Dass sei doch für den „unbedarften Spaziergänger“ gar nicht erkennbar, wo gerade eine Kirrung sei.

Nach Schätzungen sind in den Wäldern im Saarland 1000 bis 2000 Kameras im Einsatz. Ein Verbot wird nun geprüft, eine Anhörung der Jäger steht aber noch aus. In einer Sitzung des Landtagsausschusses für Datensicherheit hatte die Saar-SPD die Idee, man solle die Kameras in Kniehöhe erlauben. Da also, wo die Wildsau wühlt? Für den Grünen-Politiker Hubert Ulrich geht es um „klassische private Videoüberwachung“, und die habe in der frei zugänglichen Wald- und Feldflur nichts zu suchen. In Baden-Württemberg gebe es „keine aktuellen Probleme“ damit, sagt Thomas Deines vom Landesbetrieb Forst. Der missbräuchliche Einsatz der Kameras sei verboten. In Staatswäldern setzten sie nur Wissenschaftler ein, etwa, um Luchse zu zählen. Ist ein Verbot überhaupt durchsetzbar? Im Internet drohte ein Jäger, er werde Kameras in Starenkästen verstecken.




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