So perfekt die Pappeln rund um das Böblinger Baumoval den Schotterweg säumen, so schwer tut sich die Stadtverwaltung seit Jahren mit einer Weiterentwicklung dieses einst so idyllischen Areals. Wer geglaubt hatte, die Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses des Gemeinderats am Mittwoch könnte einen Durchbruch bringen, wurde zunächst enttäuscht. Da stand das Thema zwar auf der Tagesordnung, doch von der Beschlussreife war die Vorlage aus Sicht vieler Stadträte zunächst noch weit entfernt.
Anlässlich der Landesgartenschau 1996 errichtet, gilt das Baumoval als beliebter Ort bei Joggern, Gassigehern und Skatern, die auf der dortigen Anlage ihre Runden drehen. Doch Bevölkerung und Gemeinderat fordern seit Jahren eine Belebung und Aufwertung dieses idyllischen Zipfels, der etwas abgelegen vom Stadtgarten vor sich hin dämmert. Jüngst wurde zumindest eine Sanierung der Wege beschlossen für über 700 000 Euro. Die nahe gelegene Holzbrücke als Verbindung über den Murkenbach ist zudem marode und seit Jahren gesperrt. Auch für sie wurde erst nach zähem Ringen vor Kurzem eine Lösung gefunden: Das Holzbauwerk wird um einige Meter versetzt und komplett neu errichtet.
Die Abteilung für Umwelt- und Grünflächen präsentierte am Mittwoch einen als „Masterplan Baumoval“ titulierten Vorentwurf, der Basis für eine Aufwertung des Areals sein soll. Markanteste Änderung: Umbau und Sanierung der Skateranlage, da diese in ihrer aktuellen Form nicht mehr den Lärmschutzvorgaben entspreche. Das vor allem deshalb, da durch den Abriss der Sporthalle die neue Wohnbebauung am Stadtgarten „an das Baumoval herangerückt“ sei, wie Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger sagte. Die Rampen und Elemente des Skateparks sollen flacher und kleiner werden, wodurch sie mehr für Anfänger und nicht mehr für fortgeschrittene Skater attraktiv sind – aber eben auch weniger Lärm erzeugen. Zur Debatte standen zudem Lärmschutzwände, die aus kriminalpräventiver Sicht aber nicht zu empfehlen seien, so die Verwaltung.
Dass dies bei den Skatern dort auf wenig Gegenliebe stoßen würde, war offenbar schon im Vorfeld klar. Deshalb band die Verwaltung den Jugendgemeinderat mit ein, der im Gegenzug darum bat, für die fortgeschrittenen Skater an anderer Stelle einen Ersatz zu schaffen. Problem: Einen Standort für eine neue Skateanlage könne die Stadt Stand heute nicht bieten, die Suche läuft. Doch auch mehrere Stadträte waren von den Plänen wenig überzeugt.
„Die Skateanlage besteht seit 23 Jahren, seit acht Jahren versuchen wir, sie zu verbessern. Jetzt sollen wir in einer Sitzung entscheiden, dass aus der bestehenden Anlage eine Anfänger-Anlage wird? Ich halte das für keine gute Vorgehensweise“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Thorsten Breitfeld. Der promovierte Ingenieur und Mercedes-Akustiker vermisst außerdem in dem Lärmgutachten exakte Angaben zu Dezibel-Werten, vor allem aber einen alternativen Standort. Ohne den wolle seine Fraktion dem Umbau nicht zustimmen.
Als zweite markante Änderung schlug das Grünflächenamt vor, einen neuen L-förmigen Hauptweg über das Areal zu bauen. Er soll die neue Brücke über den Murkenbach mit dem bestehenden Parallelweg zur Breitensteiner Straße verbinden. Was zunächst bei Grünen und FDP gut ankam, entpuppte sich bei näherer Betrachtung aber als fragwürdig. So entdeckte Freie-Wähler-Stadtrat Ralf Sklarski, dass der Weg über den Bachlauf Langgraben gezeichnet sei, allerdings ohne eine Brücke vorzusehen. „Da frage ich mich, hab ich die übersehen oder soll das ein Kneipp-Pfad werden?“, sagte Sklarski nicht ohne Verwunderung.
Der zuständige Planer Matthias Ries vom Umwelt- und Grünflächenamt entgegnete, hier seien „ein Steg oder eingelassene Steinquader“ als Querungshilfe denkbar. Ohnehin sei der Masterplan ja noch „im Stadium des Vorentwurfs, nichts ist hier in Stein gemeißelt.“ Doch Sklarski ließ nicht locker und hakte abermals nach: „Dieser Weg soll ein Hauptweg sein, wie soll dann aber eine Familie, die vielleicht jemanden mit Rollator dabei hat, über die Felsquader gelangen?“ Eine Antwort blieb das Amt schuldig. Außerdem forderte Grünen-Stadträtin Dorothea Bauer, den Stichweg zur Heusteigstraße nicht wie geplant zurückzubauen, sondern „unbedingt zu erhalten“.
Weiter stellte sich heraus, dass die Multifunktionsspielfläche sowie das Beach-Volleyballfeld neben der Breitensteiner Straße sanierungsbedürftig seien und „eventuell an einen anderen Ort“ kommen sollen, wie die Verwaltung einräumte. Dies war aus den Plänen zunächst nicht hervorgegangen und verursachte ebenfalls Fragezeichen über den Köpfen der Räte. Oberbürgermeister Stefan Belz versuchte dann gemeinsam mit seiner Baubürgermeisterin, die Anregungen aus dem Ratsrund hastig in einen neuen Beschlussvorschlag zu gießen, was aber misslang. Die Sitzung wurde schließlich unterbrochen, um der Verwaltung Zeit für eine neue Formulierung zu geben.
Stadt musste nachbessern
Einstimmig beschlossen wurde schließlich, das Baumoval als städtebauliche Figur zu erhalten und zu stärken, den Standort der Skateanlage umgebungsfreundlich auszugestalten und die Wegeverbindungen auf Basis der Nutzungen anzupassen. Mit sieben zu fünf Stimmen wurde noch ein Änderungsantrag der CDU beschlossen, drei schallschutztechnische Konzepte für die Skateranlage auszuarbeiten: in reduzierter Form, in bestehender Form und als Anlage für Fortgeschrittene. Außerdem soll aktiv nach einem neuen Standort gesucht werden. Die Ergebnisse sollen bis zur Sommerpause 2023 vorlegen. Bis der „Masterplan Baumoval“ sich mit Leben füllt, wird wohl ein weiteres Jahr verstreichen.