Umstrittenes Mercedes-Video aus Ludwigsburg Jury prämiert den Hitler-Clip

Von Benjamin Büchner 

Das Team um Regisseur Tobias Haase von der Ludwigsburger Filmakademie hat den First Steps Award gewonnen. Ihr Film machte vor wenigen Wochen Schlagzeilen, weil darin ein Mercedes den kleinen Adolf Hitler überfährt.

Die Urteile für den Clip reichen von schäbig und unverschämt bis hin zu provokant oder genial. Foto: Filmakademie Baden-Württemberg 3 Bilder
Die Urteile für den Clip reichen von schäbig und unverschämt bis hin zu provokant oder genial. Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

Ludwigsburg - Gerade hat sich die Aufregung um den umstrittenen Mercedes-Film mit dem Titel „MCP“ gelegt, jetzt könnte sie wieder von vorne losgehen. Denn das Team von der Ludwigsburger Filmakademie um Regisseur Tobias Haase, die Produzenten Lydia Lohse und Holger Bergmann und Kameramann Jan Mettler, hat am Montagabend den First Steps Award in der Kategorie Werbefilm gewonnen. Mit eben jenem Clip, in dem ein Mercedes den kleinen Adolf Hitler überfährt.

Als der Kurzstreifen Ende August im Internet veröffentlicht wurde, schlug er hohe Wellen. Die Urteile reichten von schäbig und unverschämt bis hin zu provokant oder genial. Denn in dem Film wird mit dem Tod eines Kindes gespielt. In der Art eines Werbefilms wird darin das Mercedes Collison Prevention System thematisiert. Dabei fährt ein Mercedes durch ein Dorf des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Für eine spielende Mädchengruppe bremst der Wagen automatisch. Der Junge, der wenig später auf die Straße rennt, wird aber skrupellos überfahren. Beim Anblick des toten Kindes ruft die Mutter entsetzt: „Adolf!“. Man sieht die Einblendung: „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“ Anschließend folgt eine Szene, wie der Junge in Form eines Hakenkreuzes auf der Straße liegt.

Eine Provokation ist der Film auf jeden Fall. Das ist ein Stilmitteln, mit dem Tobias Haase und Holger Bergmann gerne spielen. Sie waren bereits im Vorjahr mit dem Clip B.O.A.T.S in der Kategorie Werbefilm für den First Steps Award nominiert. Darin stellen sich zwei schlichte spanische Küstenwächter einem kompletten Flottenverband der amerikanischen Marine in den Weg. Geworben wird für eine Biermarke. „Werbung in Deutschland ist sehr brav“, sagte Tobias Haase Ende August der dpa. „Schaut man nach England oder Amerika, findet man viel öfter Werbung, die Diskussionen auslöst, Grenzen streift.“

Mercedes gefällt die Provokation nicht – der Jury schon

Mercedes ging die Provokation in dem “MCP“-Video wohl zu weit. Der Konzern distanzierte sich ausdrücklich von dem Film. Er durfte nur mit Einblendungen veröffentlicht werden, die jede Mitwirkung des Autoherstellers verneinten. Die Jury des First Steps Award sieht das anders. „MCP hat das, was heutigen Werbefilmen oftmals fehlt: Wirkung“, heißt es in der Urteilsbegründung. Als Zuschauer werde man förmlich gezwungen, sich eine Meinung zu bilden.

Mit dem First Steps Award werden jedes Jahr die besten Abschlussfilme deutscher Filmstudenten ausgezeichnet. Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg hat 2013 gleich in drei Kategorien gewonnen. In der Katagorie Kurz- und mittellange Filme bis 60 Barbara Ott mit dem Film Sunny, den No fear Award bekam Cosima M. Degler für 2 Mütter und eben in der Kategorie Werbefilm Tobias Haase mit „MCP“.

MCP from dath - Tobias Haase on Vimeo.