Umstrittenes Vergnügungsstättenkonzept Kirche kämpft gegen Groschengräber

Nach Zuffenhausen sollen keine neuen Spielhallen ziehen. Foto: Michael Steinert
Nach Zuffenhausen sollen keine neuen Spielhallen ziehen. Foto: Michael Steinert

Die evangelische Kirchengemeinde Zuffenhausen spricht sich in einem Brief gegen das Vergnügungsstätten-konzept der Stadt aus.

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Zuffenhausen - Wenn’s der Stadt wohl geht, geht’s euch auch wohl“, mit diesem Bibelzitat (Jeremia 29, 7) ist ein Brief der evangelischen Kirchengemeinde überschrieben, der sich gegen das geplante Vergnügungsstättenkonzept der Stadt richtet und der an Oberbürgermeister Wolfgang Schuster, die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats und Bezirksvorsteher Gerhard Hanus geschickt worden ist.

„Wir waren einheitlich der Meinung, dass wir uns zu diesem Thema äußern müssen“, beschreibt Pfarrer Dieter Kümmel die Beweggründe für das Schreiben der Kirchengemeinde. Die Zahl der Spielhallen nehme immer weiter zu, so könne es nicht weiter gehen. Dass Zuffenhausen in der Vergnügungsstättenkonzeption der Stadt als eines von sechs städtischen Zentren vorgeschlagen wird, an denen sich in Zukunft neue Spielhallen ansiedeln dürfen, sei nicht akzeptabel.

Im Kirchengemeinderat herrscht Bestürzung

„In unserem Kirchengemeinderat und bei vielen unserer Gemeindeglieder herrscht große Bestürzung darüber, dass es in Zuffenhausen im Bereich der Unterländer Straße einen solchen Zulässigkeitsbereich geben soll“, heißt es in dem Brief. Grundsätzlich habe man an der Unterländer Straße in den vergangenen Jahren einen massiven Abwärtstrend wahr genommen. Immer weniger Einzelhändlern stünden immer mehr Billigläden gegenüber. „Die Unterländer Straße ist für uns keine starke und robuste Einkaufsstraße. Weitere Negativbelastungen sollte man ihr ersparen“, so die Einschätzung des Kirchengemeinderats. Vergnügungsstätten wären dort unverträglich und würden zu einer weiteren Stigmatisierung Zuffenhausens führen. Wegen der hohen Lärm- und Luftbelastung würden ohnehin schon viele Bürger den Bezirk verlassen. Allein die Kirchengemeinde verliere pro Jahr etwa 100 Mitglieder.

Kirchengemeinde sieht Suchtgefahr

Im Bereich der Unterländer Straße liegt einerseits die Pauluskirche, andererseits gibt es aber auch zwei Kindergärten sowie das Jugendwerk. Zudem befinden sich in der Nähe noch die Rosenschule und die Hohensteinschule. „Wir sehen als Kirchengemeinde die Suchtgefahr, die sich mit solchen Vergnügungsstätten an zentralen Orten verbindet“, heißt es in dem Schreiben. Mädchen und Buben würden auf ihrem Weg in den Kindergarten beziehungsweise zur Schule noch mehr als bisher damit konfrontiert werden, dass Spielhallen „wie selbstverständlich dazugehören“. Durch die schrille und aufdringliche Werbung würde vor allem bei besonders gefährdeten Heranwachsenden Interesse geweckt. „Es ist seit langer Zeit das erste Mal, dass wir uns als Kirchengemeinde auf diesem Wege zu einem aktuellen Thema äußern“, sagt Pfarrer Dieter Kümmel.

Der Zuffenhäuser Bezirksbeirat hatte sich in seiner Februarsitzung mit dem Thema beschäftigt und der Konzeption nur unter der Auflage, dass Zuffenhausen als Zulässigkeitsbereich ausgeschlossen wird, zugestimmt. Vergangene Woche hatte der Bezirksbeirat Mitte das Konzept abgelehnt, daraufhin strich es der Ausschuss für Umwelt und Technik (UTA) des Gemeinderats kurzfristig von seiner Tagesordnung. Nun soll das Thema dort am Dienstag, 27. März, behandelt werden.




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