Umstrukturierung beim Bahnhersteller Bombardier Neue Züge im Südwesten sollen pünktlich starten

Von  

Der Bahnhersteller verspricht trotz Stellenabbaus und harter Sparpläne die zuverlässige Lieferung. Landesverkehrsminister Winfried Hermann informiert sich am Donnerstag vor Ort im Produktionswerk Hennigsdorf bei Berlin.

Ein Arbeiter bei Bombardier in Hennigsdorf: Bisher ist bei den bestellten Fahrzeugen für den Südwesten alles im Plan. Foto: dpa-Zentralbild
Ein Arbeiter bei Bombardier in Hennigsdorf: Bisher ist bei den bestellten Fahrzeugen für den Südwesten alles im Plan. Foto: dpa-Zentralbild

Berlin - Der führende Bahnhersteller Bombardier steckt in der Krise und einem schwierigen Umbau. Dennoch sollen die 59 Regionalzüge für den Südwesten im schwarz-gelben Landes-Design pünktlich geliefert werden, die von der Deutschen Bahn und Abellio für zusammen rund 300 Millionen Euro bestellt worden sind. Darauf hofft auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann, der die Produktion im Hauptwerk Hennigsdorf bei Berlin am Donnerstag besuchen wird. Bisher sei bei den Fahrzeugen „alles im Zeitplan“, heißt es im Haus von Verkehrsminister Hermann. Die ersten vier Züge seien bereits in der Inbetriebsetzung, zwei weitere kurz vor der Fertigstellung. Auch bei der Zulassung deute „derzeit nichts auf eine Verzögerung hin“.

Der Sprecher von Bombardier in Deutschland, Andreas Dienemann, erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, trotz der Turbulenzen und Umstrukturierungen im Konzern würden die laufenden Projekte „zur vollen Zufriedenheit unserer Kunden“ durchgeführt. Es gebe keine Verzögerungen. Die Regionalzüge der Modellreihe Talent seien „eine Erfolgsgeschichte“. Rund 400-Talent-2-Züge seien allein in Deutschland schon unterwegs und bildeten „das Rückgrat der DB-Regio-Flotte“.

Ab Dezember 2017 soll der Talent 2 zunächst im Gäu-Murr-Netz (Crailsheim-Stuttgart-Konstanz/Freudenstadt) fahren, für das die DB Regio den Zuschlag bekommen hat. Die 16 bestellten Züge sollen von Juli bis September 2017 geliefert werden, erklärte eine DB-Sprecherin auf Anfrage. Es gebe aktuell „keine Anzeichen“ für eine Lieferverzögerung. Da die Züge zugelassen und baugleich seien und nur Innenausstattung und Design angepasst werden müssen, ist man bei der DB „sehr optimistisch“, dass der Hersteller seinen vertraglichen Pflichten nachkomme.

Lieferverzögerungen sorgten in der Vergangenheit für Verdruß

Das war in den letzten Jahrzehnten oft nicht der Fall. Zahlreiche Qualitätsmängel, Zulassungs- und Lieferverzögerungen beschädigten den Ruf der weltweit führenden deutschen Bahnindustrie und sorgten im Alltag auf der Schiene für jede Menge Verdruss bei Millionen Pendlern und Reisenden. „In der Vergangenheit mussten wir feststellen, dass ein Großteil aller bundesweiten Fahrzeugauslieferungen zum Teil erheblich verspätet waren“, heißt bei der DB. Das betreffe aber die gesamte Branche.

Mit Bombardier hatte der Staatskonzern allerdings besonders viele Probleme. So stritt man unter anderem wegen anfangs starker Mängel beim Talent 2, bei dem es teils sogar herein regnete, jahrelang auch vor Gerichten. Damals fordert die DB in mehreren Gerichtsverfahren gegen Bombardier dem Vernehmen nach mehr als 500 Millionen Euro Schadensersatz. Schließlich zahlte der Hersteller einen dreistelligen Millionenbetrag als Ausgleich.

Erst im September wurde zudem ein langwieriger Streit wegen um Jahre verspätet gelieferter Doppelstockzüge beigelegt. Der außergerichtliche Vergleich sieht nach DB-Angaben eine Kompensation in zweistelliger Millionenhöhe vor, die Bombardier zahlen muss.

Protest gegen Sparpläne

Der kanadische Konzern rutschte zuletzt wegen Problemen in seiner Flugzeugsparte tief in der Krise. Präsident Alain Bellemare kündigte Ende Oktober in Montreal an, dass weltweit weitere 7500 Stellen wegfallen sollen, davon nochmals rund 5000 in der Zugsparte Bombardier Transportation (BT). BT mit Sitz in Berlin beschäftigt noch knapp 40 000 Menschen an weltweit 61 Standorten, rund 8500 davon in Deutschland, wo die Kanadier nach der Wiedervereinigung zahlreiche ehemalige DDR-Werke übernommen haben und damit zum weltgrößten Bahnproduzenten aufstiegen.

Aus Protest gegen die Sparpläne und befürchtete Verlagerungen ins Ausland gingen die BT-Beschäftigten an allen sieben Werksstandorten in Deutschland schon mehrfach auf die Straße. Gesamtbetriebsrat Michael Wobst befürchtet, dass vor allem das Stammwerk in Hennigsdorf stark betroffen sein könnte, wo auch die Regionalzüge für den Südwesten gebaut werden. Dort arbeiteten Ende September noch 2400 Beschäftigte.

Im Februar hatte Bombardier bereits eine Sparrunde angekündigt, die in Deutschland 1430 Stellen betrifft, davon in Hennigsdorf 270. Der Großteil dieses Abbaus sei bereits abgeschlossen, sagte ein Sprecher, vor allem durch ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden und die Streichung von Leiharbeit. Wie viele von den weiteren 5000 Arbeitsplätzen auf Deutschland entfallen, die nun beim „globalen Transformationsprogramm“ zusätzlich bis 2018 gekappt werden sollen, sei noch offen.

Trotz der Probleme bei Bombardier geht auch das Bahnunternehmen Abellio davon aus, dass die für 215 Millionen Euro bestellten 43 Talent-2-Züge pünktlich geliefert werden. Die Elektrotriebzüge sollen ab Juni 2019 im Stuttgarter Regionalnetz Neckartal zwischen Stuttgart, Pforzheim, Mannheim und Tübingen fahren, die stufenweise Lieferung soll im Juni 2020 abgeschlossen sein. Abellio übernimmt das Netz von der DB. Geschäftsführer Stephan Krenz verspricht den Bahnfahrern „neue Qualitätsstandards“, darunter modernes Wlan an Bord.

Abellio fährt bereits in NRW und Ostdeutschland

Der Ableger der Niederländischen Staatsbahn hat dem Ex-Monopolisten DB in Deutschland schon einige lukrative Netze bei Neuausschreibungen abgenommen und fährt bereits in NRW und Ostdeutschland. Mit den 35 Talent-2-Zügen, die im Netz Saale-Thüringen-Südharz unterwegs sind, habe man sehr gute Erfahrungen gemacht, betont Abellio-Sprecher Rainer Thumann.

Die Produktion der neuen Abellio-Züge für den Südwesten soll laut Bombardier nächstes Jahr in Hennigsdorf anlaufen, aktuell wird dort der Talent 2 für das Gäu-Murr-Netz der DB gebaut. Alle Züge würden vor der Übergabe umfassend getestet, betont der Hersteller, damit „die Qualität stimmt“.