Umwelt Ein Plädoyer für weniger Kunstlicht

Von Patrick Steinle 

Licht ist das Hauptthema einer Broschüre der Stadt Filderstadt. Ein Experte erklärt, was sich ändern sollte. Und er weist auch auf mehrere Lichtquellen auf den Fildern hin, die seiner Ansicht nach mehr schaden als nutzen.

Matthias Engel  gründete 2011  das Projekt „Sternenpark Schwäbische Alb“ und setzt sich für umweltgerechte Beleuchtung ein. Foto: Archiv/Pressefoto Horst Rudel
Matthias Engel gründete 2011 das Projekt „Sternenpark Schwäbische Alb“ und setzt sich für umweltgerechte Beleuchtung ein. Foto: Archiv/Pressefoto Horst Rudel

Filder - Anfang des Jahres veröffentlichten das Umweltschutzreferat und der Umweltbeirat der Stadt Filderstadt das Jahresheft zu Natur- und Umweltschutz. 2020 ist das Spezialthema in dem Heftchen Licht. Unter anderem schreibt Matthias Engel vom Projekt Sternenpark Schwäbische Alb darin über vier Grundsätze umweltgerechter Beleuchtung. Was meint er damit?

Lichtverschmutzung ist zentrales Problem

Das zentrale Problem ist Lichtverschmutzung; künstliches Licht tritt in das natürliche ein. Deshalb stellt Matthias Engel vier Grundsätze auf: voll abgeschirmt, maßvoll, warm weiß und energieeffizient betrieben. Künstliches Licht sollte also nicht dorthin leuchten, wo es nicht gebraucht wird. Zudem sieht er LEDs als Gefahr. Sie verbrauchen zwar wenig Energie, verleiten jedoch oftmals dazu, dass man sie überdosiert nutzt. Die Lichtfarbe sollte außerdem stimmen, kaltes Licht sei nicht zu empfehlen. „Die Blauanteile im Licht ziehen Insekten an“, sagt Engel. Da die Kleintiere so vom Ökosystem isoliert werden, sollte der Anteil gering sein.

Dass künstliches Licht oftmals nicht energieeffizient betrieben werde, nimmt der Wissenschaftler häufig wahr: „Straßenleuchten waren früher mit einer Zeitschaltung versehen. Heute beleuchten viele Gemeinden ihre Straßen durchgehend, dabei sind nachts gar keine Leute unterwegs.“ Auch Firmenparkplätze würden die ganze Nacht über beleuchtet; Wohnhäuser hätten immer seltener Bewegungsmelder.

Dieser Überschuss an künstlichem Licht störe den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen. „Man ist unausgeruht und gestresst“, erklärt Engel. Das führe zu Krankheiten. Und durch Lichtverschmutzung sei der Sternenhimmel schlechter zu erkennen. Das sei vor allem in städtischen Regionen so, da sich über Großstädten wie Stuttgart eine Lichtglocke bilde. Der Mensch habe weniger Verbindung zum Universum. „Man vergisst schnell, wie klein man eigentlich ist.“

Flughafen ist eine große Lichtquelle

Auf der Filderebene gibt es einige Orte, an denen Matthias Engel Verbesserungspotenzial sieht. Ihm kommt sofort der Flughafen Stuttgart in den Sinn. „Das ist natürlich eine große Lichtquelle“, sagt er. „Dort ist es aber begründet.“ Man stehe in Kontakt mit den Verantwortlichen, es sei jedoch noch „Luft nach oben“. Auch die Parkhäuser im Umfeld sind laut Engel zu stark beleuchtet. Eine weitere Quelle von übermäßiger Nutzung künstlichen Lichts ist das Echterdinger Ei. Der Wissenschaftler bemängelt die große Anzahl an Lichtwerbung dort. Er fragt sich, ob diese denn auch nachts nötig sei. In Frankreich sei Lichtreklame nachts bereits verboten. Engel erinnert sich zudem an einen Besuch auf dem Fernsehturm. Dort habe er die vielen Sportplätze betrachtet und kam zu der Erkenntnis: „Wenn ich den Platz gut beleuchtet sehe, ist das sinnvoll. Wenn mich das Scheinwerferlicht aber blendet, während ich weit darüber bin, dann läuft da etwas schief.“

Viele Probleme seien leicht zu lösen. Dazu bräuchte es nur Blenden, Zeitschaltungen, Bewegungsmelder oder Ähnliches. Eines braucht es jedoch auf jeden Fall: Aufmerksamkeit. Man könne den Leuten keinen Vorwurf machen. Es läge jetzt daran, sie aufzuklären und für das Thema zu sensibilisieren. Engel sieht vor allem die Gemeinden in der Pflicht; sie müssen als Vorbild vorangehen. „Ein einzelner Bürger ist nur ein kleines Problem. Industriebetriebe, Firmen und Gemeinden sind die größten Lichtverschmutzer“, sagt Engel.

Was tut Filderstadt gegen die Luftverschmutzung

Wie füllt Filderstadt diese Vorbildrolle aus? „Wir sind Vorreiter unter den Kommunen“, sagt Claudia Arold. Die Leiterin des Umweltschutzreferats verweist darauf, dass durch den Artikel in der Broschüre die Aufmerksamkeit für das Problem erhöht worden sei. Und die Stadt selbst handele auch. „Schon seit längerer Zeit werden die Straßenbeleuchtungen umgerüstet“, sagt Arold. Mancherorts gebe es noch Natrium-Hochdruck-Leuchten an den Straßenrändern. Doch teilweise seien diese auch schon gegen LED-Leuchten ausgetauscht worden; so zum Beispiel entlang des Fleinsbachs. Dort ist der Prozess der Umrüstung gut erkennbar. Denn die Mühlenstraße, welche den Fleinsbach kreuzt, wird noch von alten Straßenlaternen erleuchtet. Die Leiterin des Umweltschutzreferates versichert, dass die Verwaltung auch in Zukunft auf die Lösungsvorschläge von Herrn Engel eingehen werde. Und schon heute gelte, dass Leuchten am Rande der Wohnbebauung mit Abschaltzeiten versehen seien. So leuchten sie nachts gedimmt. Dies komme den Tieren in diesen Bereichen zugute.




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