Umwelt Hiesige Naturwerksteine

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Es sind ökologische Schätze, die immer bekannter werden: Naturwerksteine aus Baden-Württemberg zieren mittlerweile nicht mehr nur Kirchen. Auch für Pflastersteine werden heimische Gesteine genutzt.

Welcher Stein darf es sein?  Natursteine sind gefragt. Foto: dpa
Welcher Stein darf es sein? Natursteine sind gefragt. Foto: dpa

Stuttgart - Travertin aus Cannstatt, Böttinger Marmor aus der Nähe von Urach, Buntsandstein aus dem Schwarzwald, Tuffstein aus dem Kaiserstuhl: im Land gibt es viele Natursteine, die sich hervorragend für Bauwerke und Gartengestaltung eignen. In früheren Jahrhunderten war klar, dass die Kirchen und Schlösser benötigten Steine aus regionalen Abbaustellen bevorzugt wurden – allein schon wegen der Transportfrage. Doch insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg eröffneten Beton und Kunststeine günstigere und schnelle Möglichkeiten zum Bauen. Und wenn es aus optischen oder architektonischen Gründen Natursteine sein sollten, dann schlug billige Konkurrenz aus dem Ausland oft das Angebot aus dem Land.

Inzwischen zeichnet sich allerdings eine Trendwende ab. Seit Anfang 2010, so ist in dem Buch „Naturwerksteine aus Baden-Württemberg nachzulesen“ – steigt die Nachfrage nach Naturwerksteinen generell an. Architekten und Bauherren seien „zunehmend bereit, auch das etwas teurere heimische Gestein zu verwenden, um Liefersicherheit, Qualität und den Umweltgedanken zu verknüpfen“. Auch die Diskussion um die Kinderarbeit in fernöstlichen Lieferländern habe Spuren hinterlassen. Die verstärkte Nachfrage komme aber „ganz überwiegend“ aus dem privaten und kaum aus dem öffentlichen Bereich.

Auch umweltorientierte Städte wie Freiburg würden da keine Ausnahme machen, berichtet Peter Röhm, der Präsident des heimischen Industrieverbandes Steine und Erden. Die „grüne“ Stadt importiere Pflastersteine aus Basalt aus Vietnam, um einen Vorzeigeplatz zu bauen. Auf den Hinweis des Verbandes, dass in der Eifel ebenfalls Basalt abgebaut werde und das sogar kostengünstiger, habe die Stadt lapidar geantwortet: „Der Eifelbasalt ist nicht schwarz genug.“

Wenn es allerdings um die Renovierung kirchlicher und sakraler Baudenkmäler geht, dann bleibt den Architekten eigentlich gar nichts anderes übrig, als die marode Bausubstanz mit möglichst originalgetreuem Steinen zu ersetzen. Das ist oft genug auch noch haltbarer als „Reparaturmaterial“. Das sei oft schon nach 60 Jahren kaputt, während das 600 Jahre alte Originalmaterial noch in einem viel besseren Zustand sei, berichtet Ralph Watzel, der Chef des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg.

Allerdings ist es gar nicht immer einfach, dieselben Steine zu beschaffen, weil die entsprechenden Steinbrüche schon längst aufgelöst sind. Für die Restaurierung das Breisacher Münsters erwies sich der Kaiserstühler Tuffstein vom Achkarrener Schloßberg als geeignet. Doch den früheren Steinbruch gab es nicht mehr. Doch weil Geologen, Architekten, Behörden, die Gemeinde und Naturschützer an einem Strang zogen, wurde eine neue Abbaumöglichkeit geschaffen, so dass der Nachschub an historischen Natursteinen tatsächlich gesichert war.

Der Bedarf an historischem Renovierungsmaterial für denkmalgeschützte Gebäude, aber auch die wachsende private Nachfrage nach regionalen Steinprodukten hat das LGRB dazu veranlasst, sich intensiver mit den Vorkommen, der Beschaffenheit und Nutzung von Naturwerksteinen aus Baden-Württemberg zu beschäftigen. Als Naturwerkstein gilt dabei „ein natürliches Gestein, aus dem nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten Rohblöcke in den erforderlichen Mengen und Dimensionen gewonnen werden können“, so die Definition der Geologen. Wichtig dabei ist, dass sich diese Steine gut bearbeiten lassen, fest und verwitterungsbeständig sind und zudem noch optisch und architektonisch attraktiv sind.

Grundlage dieser jetzt der Öffentlichkeit vorgestellten umfangreichen Übersicht über die Naturwerksteine sind zum einen geologische Aufnahmen in alten Werksteinbrüchen. Aber auch neue Lagerstätten wurden mit Probebohrungen und versuchsweisem Abbau erkundet, etwa im Kaiserstuhl, im Margräfler Land, auf der Alb oder im Schönbuch. Dabei sind die Freiburger Geologen überzeugt, dass es mit modernen Methoden möglich ist, Werksteine im Land wirtschaftlich und zugleich umweltverträglich abzubauen – in aufgelassenen wie in neuen Steinbrüchen.

Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (Herausgeber, verschiedene Autoren): Naturwerksteine aus Baden-Württemberg – Vorkommen, Beschaffenheit und Nutzung. Zu bestellen beim LGRB im Regierungspräsidium Freiburg, 49 Euro zuzüglich Versand.